Hl. Familie - Tafelkirche Oberhausen

Foto: Thomas Eisenmenger

Die Bedeutung der ehemaligen Kirche Hl. Familie liegt zum einen in ihrem berühmten Architekten Rudolf Schwarz, der mit ihr liturgische Gestaltungsideen aus dem 2. Vatikanischen Konzil vorwegnahm, und in ihrer Umnutzung zur Tafelkirche nach ihrer Aufgabe als Gotteshaus.

Schon 1906 planten die Katholiken im sog. Schlachthofviertel, dem damals westlichen Teil der Marienpfarrei, eine eigene Kirche zu bauen und sammelten dafür das erste Geld. 1915 lag dafür die Genehmigung des Erzbistums Köln vor. Doch der 1. Weltkrieg und die Nachkriegsinflation machten die Pläne zunichte. Es sollte noch fast 40 Jahre bis zur Realisierung dauern.

1957 endlich konnte der Grundstein für die neue Kirche gelegt werden, die ein Jahr später vom ersten Essener Bischof Franz Hengsbach eingeweiht wurde.

Als Architekten konnte die Gemeinde Prof. Rudolf Schwarz gewinnen, der fortschrittlichen Ideen verbunden war. So konzipierte er einen Kirchenraum, in dem sich die Gemeinde um den Altar scharte. Damit nahm er das Konzept des 2. Vatikanischen Konzils vorweg: die Gemeinde als Volk Gottes, die sich am Tisch des gemeinsamen Mahls versammelt. Üblich war bis dahin das Langhaus, in dem die Gemeinde auf den Altar blickt. Schwarz aber baute einen quadratischen Hauptraum, von 25 Metern Länge, bei dem der Altar von drei Seiten von den Kirchenbänken umgeben wurde. Der Altar steht in der Mitte auf einer quadratischen Platte wie eine mächtige Säule. An der 4. Seite befinden sich die Orgel und der Platz für den Chor.

Der Raum ist von einer 9 Meter hohen Wand umgeben, die bis auf knapp 2 Meter aus Backstein gemauert und völlig geschlossen ist. Darüber befindet sich ein durchlässiges Maßwerk aus Formsteinen, in das eine Verglasung von Wilhelm Beschulte eingearbeitet ist und einen strahlenden Horizont aus farbigem Licht symbolisiert. Die Decke strebt von allen Seiten zur Mitte hin und ist aus dem damals modernen Baustoff Beton gefertigt. Vier schlanke Betonstützen grenzen den Altarraum ein und bilden mit den Gratbalken der Betondecke, die über dem Altar zu einem Ringbalken zusammengeschlossen sind, eine Art Baldachin.

Eine kleine Nebenkirche ist dem großem Gottesdienstraum für die Werktags-Gemeinde vorgelegt. Sie ist nicht hoch und hat einen kleinen Altar, der durch ein Fenster mit dem Hochaltar verbunden ist. Diese Nebenkirche beherbergt auch die Beichtstühle und das Taufbecken. In der Vorhalle befindet sich das Weihwasserbecken. In die Kirche gelangt man durch einen atriumartigen Vorhof.

Der bronzene Altar, der von Friedrich Gebhardt gestaltet wurde, wiegt 2,5 Tonnen und ist mit 48 Edelsteinen geschmückt.

2007 wurde die Kirche im Rahmen der Bistumsreform des Bistums Essen außer Dienst gestellt. Seit 2008 beherbergt sie die Oberhausener Tafel, die an bedürftige Menschen Lebensmittel verteilt. Gottesdienste werden in ihr nicht mehr gefeiert. 2010 zählte sie zu den Kulturtankstellen des Bistums Essen.

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Kontakt & Infos

Hl. Familie-Tafelkirche
Gustavstr. 54
46049 Oberhausen
Telefon: +49 (0) 208 / 96084-22

Öffnungszeiten

Mo, Mi, Do, Fr. 9.00-13.00 Uhr, Di 9.00-12.00 Uhr, So 12.00-16.30 Uhr

ÖPNV

Von Oberhausen Hbf mit Bus 939 oder 976 bis "Gustavstraße"