Immanuel-Kirche

Immanuel Kirche. Foto: RIK / R. Budde
Immanuel Kirche. Foto: RIK / R. Budde

Als 1906 der Grundstein für die Kirche gelegt wurde, bestand die Gemeinde seit 1881. Zuerst gab es einen für sie zuständigen Pfarrer, der erst in der neuen evangelischen Schule, dann ab 1886 in der Schulkapelle seine Gottesdienste abhielt. Er bemühte sich gemeinsam mit den Martenern, Kirchlindener und Rahmern um eine Auspfarrung von Lütgendortmund. Das geschah 1893, als sich die neue Pfarre mit der Muttergemeinde auf ein Startgeld von 30.000 Mark – statt der gewünschten 60.000 Mark einigte. Von dem Geld kaufte die junge Gemeinde ein Pfarrhaus und gab den Rest als Startkapital in den neugegründeten Kirchbauverein. Ansporn dazu war auch der Kirchneubau der jungen katholischen Nachbargemeinde Hl. Familie, die 1898 ihre neue Kirche erhalten hatte. Das Schriftband als Dreipass auf der Fassade mit dem Zitat aus dem Lutherischen Reformationslied „Ein feste Burg ist unser Gott, eine gute Wehr und Waffen" zeigt protestantisches Selbstbewusstsein gegenüber Katholiken und Sozialdemokraten.

Die Grundstückssuche gestaltete sich schwierig, da die Grundstücke entweder nicht bergbausicher oder zu teuer waren, weil die Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft nicht bereit war, zu garantieren, unter der Kirche nicht abzubauen. Erst 1904 wurde ein geeignetes Grundstück am Markt gefunden und für 34.000 Mark gekauft. Das Oberbergamt Dortmund machte eine – teure- Bergbausicherung mit Verankerungen zur Auflage.

Nach einer Reihe von Kirchenbesichtigungen entschied sich die Martener Kirchbaukommission für einen Bau nach dem modernen, neuen „Wiesbadener Programm“, das den Kirchenraum nicht aufteilte und die Gemeinde um Altar, Kanzel und Taufstein platzierte. Als Architekten wählte man den Elberfelder Arno August Fritsche. Der Kirchbau kostete 267.000 Mark, veranschlagt waren 200.000 Mark, was für die Arbeitergemeinde auch schon eine große Herausforderung war. Das Geld kam aus Sonderkollekten und dem sonntäglichen Klingelbeutel. Die Bitte um Spenden bei der örtlichen Bergwerksgesellschaft blieb ohne Erfolg (!). Der ev. Arbeiterverein spendete den Altar. Bei Baubeginn verfügte der Kirchbauverein über 49.000 Mark und musste einen Kredit von 150.000 Mark aufnehmen.

Die Genehmigung durch staatliche und kirchliche Behörden lief unproblematisch, obwohl die Kirche wegen des Zuschnitts des Baugrundstücks nicht geostet werden konnte, weil die Schauseite der Straße zugewandt sein sollte. Nur der Einbau von Toiletten in das Kirchengebäude wurde abgelehnt. Stattdessen entstand in geziemender Entfernung zur Kirche ein Toilettenhäuschen, das – zur großen Überraschung der Gemeinde viele Jahrzehnte später, in den 1980er Jahren, unter Denkmalschutz gestellt wurde. 1908 wurde die Immanuelkirche nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht.

Über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtete Fritsche einen Zentralbau mit innerer Kuppel im Stil des Historismus. Dem Jugendstil verpflichtet ist u.a. die asymmetrische Anordnung der Schauseite mit links eingestelltem Turm, dessen Spitze weit über die Dächer der Kirche ragt, oder der ornamentale Schmuck der Türen. Das Inneren wird dann komplett vom Jugendstil beherrscht, was sich besonders im Farbspiel der reichen Ornamentik spiegel, die in ihrer Modernität vielen als Provokation galt. Anders als im Mittelalter hat die Farbgestaltung keinen symbolischen Gehalt, sondern ist ausschließlich der Ästhetik verpflichtet.

Über dem durch die Kreuzform gebildeten Quadrat des Innenraums wölbt sich eine fast 16 Meter hohe Innenkuppel. Der Altar ist weit in den Gemeinderaum gezogen, so dass er von allen der fast 1000 Sitzplätze gesehen werden kann. Er bildet zusammen mit Taufstein, Kanzel und Orgelprospekt ein monumentales Ensemble. Er wird von einem fünfteiligen Fenster eingerahmt, in dessen Verglasung musizierende Engel dargestellt sind. Seine goldfarbene Ornamentik im Jugendstil bildet einen prächtigen Hintergrund für die gestaffelte Anordnung von Altar und Kanzel, die von einem Kreuz bekrönt wird. Ein der mittelalterlichen Architektur entlehnter Triumphbogen rahmt den Altarraum optisch ein, seine Medaillons zeigen christliche Symbole oder nehmen Bezug auf biblische Geschichten. Letzteres tun auch die großen Seitenfenster, die im Nazarener-Stil Episoden aus dem Markusevangelium wiedergeben.

Die beiden Weltkriege überstand die Kirche erstaunlicherweise unbeschadet und auch bei Modernisierungen im Laufe der Zeit wurde nichts unwiederbringlich zerstört. 1980 stellte man fest, dass sich die Kuppel gesenkt hatte, aber nicht wegen Bergschäden, wie erst vermutet, sondern weil bei Anbringen einer Wärmedämmung bei der vorherigen Renovierung die Aufhängung der Kuppel gekappt worden war. Bei der nun notwendigen Restaurierung, die bis 1988 andauerte, war man auf den Gedanken verfallen, die übertünchten Malereien wieder freizulegen.

1983 wurde sie, inklusive ihres Toilettenhäuschens, unter Denkmalschutz gestellt. Letzteres war inzwischen zu einem Schuppen verkommen. Als die Gemeinde 1998 ihr altes Gemeindehaus wegen zu hoher Sanierungskosten verkaufte, integrierte sie das Toilettenhäuschen in das neue, kleinere Gemeindezentrum und funktionierte es zu einem „Sitzungsraum“ um.

Ihren Namen „Immanuelkirche“ erhielt die Kirche erst in der 1980er Jahren, als sie den Namen ihrer Ostberliner Partnerkirche übernahm.

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Kontakt & Infos

Immanuelkirche
Bärenbruch 17 – 19
44379 Dortmund-Marten
Telefon: +49 (0) 231 / 61977-7

Öffnungszeiten

nach Absprache, Führungen zu Jugendstil und Denkmal der Industriekultur

ÖPNV

Von Dortmund Hbf mit Bus 460 bis "Bärenbruch", dann 5 Minuten Fußweg