Kirche St. Mariae Rosenkranz MH-Styrum

St. Mariä Rosenkranz. Foto: RIK / R. Budde

Mit dem Bau eines Walzwerkes durch die Firma Thyssen 1870 begann die Industrialisierung und das Wachstum des Dorfes Styrum. Die pastorale Betreuung lag bei Oberhausener Gemeinde St. Joseph in Unterstyrum. Deren Rektor Savel kaufte wegen der schnell wachsenden katholischen Einwohnerzahl 3,5 Morgen Land für eine Kirche in Oberstyrum, die1887 Notkirche eingeweiht wurde und schon 2500 Gemeindemitglieder zählte.

Ihr erster Seelsorger Reinhold Bergmann war in den USA gewesen und ein guter Geschäftsmann. Er kam auf die Idee für die notorisch klamme Gemeinde eine eigene Ziegelei zu betreiben, die auch guten Gewinn abwarf und u.a. es ermöglichte, die geplante neue große Kirche aus eigenen Ziegeln zu errichten und gleichzeitig mit dem neuen Kirchbau 1892 ein Vereinshaus namens „Union“ zu errichten.

Fast zwei Drittel der Baukosten ergaben sich aber aus einer großzügigen Spende der Fa. Thyssen in Höhe von 100.000 Goldmark. Hinzu kamen 3000 Goldmark des Kirchbauvereins.

Zwei Jahre später, 1894, wurde die neugotische Basilika eingeweiht. Sie bestand aus gelbem Ziegelstein und war vom Düsseldorfer Architekten Caspar Clemens Pickel nach Plänen von Friedrich Schmidt, dem Dombaumeister am Wiener Stephansdom, errichtet worden.

Der Eingangsbereich der Kirche wird von einem eindrucksvolles Portal mit der Figurengruppe der Rosenkranzmadonna geschmückt: Maria mit Kind, Katharina von Siena und Dominikus, und so schon beim Betreten der Kirche auf das namengebende Motiv hingewiesen. Darüber wird die Wand von einer Fensterrose durchbrochen, über der sich noch eine weitere Statue der Muttergottes befindet

Der erste Hochaltar war der heutige Josephsaltar, der der Gemeinde vom damaligen Papst Leo XIII geschenkt worden war, die so als Arbeitergemeinde unter den Schutz des Arbeiterpatrons gestellt wurde. Mit dieser ungewöhnlichen Geste soll der Papst auf die großzügige Spende des Protestanten Thyssen reagiert haben.

Das Retabel des heutigen Hochaltars stammt von 1905 von Peter Schneider aus Eslohe. Es zeigt in zugeklapptem Zustand vier Szenen aus dem Neuen Testament und außen die vier Heiligen Barbara, Thomas v. Aquin, Maria Magdalena und den Apostel Johannes. Die ursprüngliche Kanzel ist noch vorhanden und verfügt noch über ihren reich geschnitzten Schalldeckel.

Mariä Rosenkranz überstand den 2. Weltkrieg ohne größeren Zerstörungen, daher existiert z.B. auch noch der farbige Fliesenfußboden von Villeroy & Boch. Damit hatte sich die Arbeiterpfarrei (seit1899) den gleichen Hersteller geleistet wie damals auch der Kölner Dom. Auf dem Boden nicht nur Ornamente, sondern auch Figuren wie Evangelistensymbole und der Kampf des Erzengels Michael gegen Satan.

1968 wurde die Kirche zur Umsetzung der liturgischen Reformen des 2. Vatikanums von innen renoviert. Sie erhielt einen neuen metallenen Tabernakel des Mülheimer Künstler Ernst Rasche, der in seiner Schlichtheit das nüchterne, strenge, industrielle Denken symbolisiert. Bei der letzten Umgestaltung 2003 wurde er in die Totenkapelle versetzt und der ursprüngliche Tabernakel des Hochaltars wieder angebracht.

Diese erneute Innenumgestaltung reagiert auf die kleiner werdenden Gottesdienstgemeinden, denn sie schafft durch Stühle im Chorraum einen kleinen Gottesdienstraum für ca. 40 Personen um den Altartisch. Dieser musste wie auch der Ambo neu angeschafft werden, weil er von beiden Seiten benutzbar sein muss, je nachdem ob sich die feiernde Gemeinde im Chorraum oder im Kirchenschiff befindet.

zurück 11/75 vor

Kontakt & Infos

St. Mariae Rosenkranz (kath.)
Marienplatz 1
45476 Mülheim an der Ruhr - Styrum

Öffnungszeiten

nach Absprache

ÖPNV

Vom S-Bahnhof Mülheim (Ruhr) West oder von Oberhausen Hbf mit Straßenbahn 112 bis "Marienplatz"