Liebfrauenkirche Duisburg-Bruckhausen

Liebfrauenkirche DU-Bruckhausen. Foto: Igor Willimowski
Liebfrauenkirche DU-Bruckhausen. Foto: Igor Willimowski

Liebfrauen ist heute eine katholische Kirche, die seit 2006 auch von der russisch-orthodoxen Gemeinde genutzt wird, worin ihre Besonderheit liegt. Gebaut wegen der starken Zuwanderung aus den polnisch-sprachigen Gebieten des Deutschen Reiches, sind es nun aus Russland stammenden Christen, die sie am Leben halten.

Die Geschichte der Pfarrei Liebfrauen begann 1897, als sich Bruckhausener Bürger in einem Lokal trafen, um über den Bau einer eigenen katholischen Kirche zu beraten und einen Kirchbauverein unter der Leitung des Lehrers zu gründen. Sie wollten nicht mehr den weiten Weg nach Hamborn oder auch Beeck zurücklegen müssen. Inzwischen war dank der Thyssen-Werke die Anzahl der Katholiken in Bruckhausen auf ungefähr 4000 angewachsen.

Der Pfarrer von Hamborn unterstützte das Anliegen und beschaffte die 37.000 Mark, die zum Kauf eines Grundstücks benötigt wurden. 1901 und wurde die erste kleine (Not-)Kirche eingeweiht, der nochmals 31.000 Mark zuzüglich 5000 Mark für die Innenausstattung gekostet hatte.

Nachdem sich die Gemeinde mit Schule, Kindergarten, Vereinen, Näh- und Kochschule etabliert hatte, wurde sie 1909 zur Pfarrei erhoben. Bei der Wahl zum staatlich vorgeschriebenen Kirchenvorstand kandidierten genauso viele Polen wie Deutsche, ein Hinweis auf die Struktur von Bruckhausen. Inzwischen war die Gemeinde auf über 9000 angewachsen, in Bruckhausen insgesamt lebten 1911 ungefähr 25.000 Menschen – der absolute Spitzenwert. 1987 waren es nur noch gut 7000, wobei der Ausländeranteil auf knapp 50% angewachsen war, eine Verdoppelung in 20 Jahren.

Im gleichen Jahr der Pfarrerhebung erhielt die Gemeinde von August Thyssen, der zu den wenigen katholischen Industriebaronen im Ruhrgebiet zählte, eine Spende von 50.000 Mark. Einige Jahre später fasste man den Plan, eine große Kirche zu bauen. Mit den Bauplänen beauftragte man den Kölner Architekten Aloys Böll, und erreichte dass die Gewerkschaft Deutscher Kaiser, eine Zeche, die dem Hüttenwerk Thyssen gehörte, die Bauleitung zur Verfügung stellte und zusätzlich 50.000 Mark spendete, so dass der Grundstock der veranschlagten 280.000 Mark gelegt war.

Nach zweijähriger Bauzeit konnte die neue Kirche 1915 eingeweiht werden. Ihre Fundamente wurden als Schutz vor Bergschäden aus eisenarmierten Rost, die Säulen aus Eisenbeton hergestellt. Auch der Turm erhielt eine Betonplatte.

Die neuromanische Basilika mit 2000 Plätzen verfügte über einen wuchtigen Glockenturm mit 4 nüchtern gestalteten Ecktürmen und erinnerte damals an die Schornsteinmotive der umliegenden Industriewerke. Nach zweijähriger Bauzeit wurde sie mitten im 1. Weltkrieg, noch ohne Kirchbänke, eingeweiht. Für die Innenausstattung spendete August Thyssen 1916 nochmals 30.000 Mark. 1923 bauten Gemeindemitglieder die alte Notkirche zu einem Kettelerhaus für das Vereinsleben um.

Die Unterkirche wird weiterhin als Sakralbau genutzt. Die Oberkirche wurde von der Stiftung zu einer Veranstaltungsstätte umgebaut und steht für kulturelle Zwecke zur Verfügung.

Schäden am Dach der Kirche machten es 1984 nötig, die Gottesdienste in die Krypta zu verlegen, bis auch dies nach einem Wasserrohrbruch unbenutzbar wurde. Die Gottesdienste fanden wieder im Kettelerhaus, der ursprünglichen Notkirche, statt. Wegen des starken Rückgangs der Einwohnerschaft von Bruckhausen und besonders des Katholikenanteils kamen Zweifel auf, ob es möglich sei, das große Kirchengebäude zu sanieren. Schließlich schlug der Oberhausener Architekt Werner Funke vor, das Langhaus abzureißen und den Kirchenraum auf Chor und Querhaus zu reduzieren. Der Altar befindet sich im ehemaligen Chor und im Bereich des Glockenturms ist ein Gemeindezentrum. 1991 war der Umbau abgeschlossen.

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Kontakt & Infos

Liebfrauen, DU-Bruckhausen
König-Heinrich-Platz 3
47166 Duisburg
Telefon: +49 (0) 203 / 42959-68

Öffnungszeiten

Zugänglichkeit: nach Absprache
ÖZ Oberkirche: bei Ausstellungen und Veranstaltungen

ÖPNV

Von Duisburg Hbf mit Straßenbahn 901 bis "Matenastraße", dann 5 Minuten Fußweg

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