Mariae Geburt Mülheim

St. Mariä Geburt. Foto: RIK / R. Budde

Die heutige Kirche Mariä Geburt wurde in den Jahren 1928/29 gebaut und zeichnet sich durch ihre moderne Architektur aus, die die neuen Ideen der liturgischen Bewegung bei ihrer Innengestaltung aufnahm.

Die erste katholische Kirche nach der Reformation in Mülheim war 1786 nach ungefähr 225 Jahren auch auf dem Kirchenhügel gebaut worden. Als auch deren Erweiterungsbau von 1872 durch die Zuwanderung aufgrund der Industrialisierung zu klein geworden war, setzte man 1927 endlich den Beschluss von 1913 zum kompletten Neubau um. Er war damals gefasst worden, als die Gemeinde auf fast 10.000 Mitglieder angewachsen war. Dafür wurde ein Baufonds gegründet.

Treibende Kraft für den Neubau war Pfarrer Konrad Jakobs. Unterstützung für seine Neubaupläne fand er besonders bei der einzigen katholischen Mülheimer Großunternehmerfamlie Thyssen. Besonders Jula Thyssen, die Ehefrau von Julius Thyssen, dem Neffen von August Thyssen[1][ unterstützte ihn in seinem Vorhaben, durch den protestantischen Architekten Emil Fahrenberg eine hochmoderne Kirche zu errichten. Gemeinsam setzten sie sich gegen die Vorbehalte des Bistums Köln durch, dass nicht nur gegen die Modernität Vorbehalte äußerte, sondern noch größere gegen die Tatsache des protestantischen Architekten. Um diese Kritik zu entkräften und den Bau nicht weiter zu verzögern, überarbeitete der katholische Mitarbeiter Fahrenkamps, Imhäuser, zusammen mit dem katholischen Mülheimer Architekten Josef Pfoser die Pläne. Es entstand die teuerste im ganzen Rhein-Ruhr-Raum.

Der Protestant Prof. Emil Fahrenkamp, Leiter der Kunstakademie Düsseldorf, wurde als Architekt ausgewählt. Er errichtete eine dreischiffige Basilika, bei der das Mittelschiff 17m hoch und 13m breit ist. Die Kirchenachse blieb wie beim Vorgängerbau in Nord-Süd-Ausrichtung für einen guten Lichteinfall. Äußere Materialien des Baus waren Klinker und Würzburger Muschelkalk. Es entstand eine für Mülheimer Verhältnisse imposant große Kirche, die durch die „Neue Sachlichkeit“ des Bauhauses beeinflusst war mit ihren unkomplizierten Formen, Linien und Kuben. Die Strenge wurde aufgelockert von jeweils 3 Rundbögen nebeneinander (Triforium). Die sich oft im Bau wiederholende Dreierform soll u.a. an die hl. Dreifaltigkeit erinnern. Der Baukörper wurde von einem wuchtigen, 43m hohen Turm mit Kreuz überragt.

Verwendet wurden auch Steine der alten Kirche, die Arbeitslose für die Wiederverwendung abklopften und sich so etwas Geld verdienten. Der Bau wurde komplett von Mülheimer Firmen ausgeführt. Das tragende Stahlskelett blieb an den Seitenschiffdecken sichtbar.

Der Innenraum blieb – bis heute – von unverkünstelter Einfachheit mit schlank aufragenden Rundbogenelementen und 10,5m hohe Pfeilern. Er ist vom Mittelschiff geprägt, das die Aufgabe hat, den Blick zum Chor und Alter zu lenken. Bei äußerst zurückhaltender Farbgestaltung ist der Kirchenraum durch Flächen und Linien gebildet. Die Form griff Ideen der Liturgiebewegung um Romano Guardini und Ildefons Herwegen auf, der Pfarrer Jakobs anhing.

Der Hochaltar verfügte gegen die Gewohnheit über keinen Aufsatz. Nur der Altartisch war betont, der 4m breit war und aus wuchtigem Naturstein bestand. Er lag 3 Stufen über dem Chorraum, der seinerseits 9 Stufen über dem Kirchenschiff lag. Auf ihm stand der Tabernakel mit einem 700 Jahre alten Lindenkreuz, das eine Mülheimer Familie aus ihrem Privatbesitz gespendet hatte.

Die Familie Fritz Thyssen spendete 1937 in Erwartung der Geburt eines Enkels auch eine Taufkapelle des bekannten modernen Kirchenarchitekten Dominikus Böhm, die allerdings bei dem verheerenden Bombenangriff vom 23.6.1943 vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde.

Im 2. Weltkrieg wurde die Marienkirche stark beschädigt – bis auf den Turm. 1958 war sie wieder vollständig hergestellt, wieder unter finanzieller Beteiligung der Familie Thyssen.

Der heutige Altartisch stammt von dem Mülheimer Bildhauer Ernst Rasche von 1976. Er besteht aus finnischem Bohus-Granit und ist ein Block mit einem abgerundeten Mittelstempel, in dem sich das Reliquiar des früheren Altars befindet. Auch der Ambo von 1974 stammt von Rasche und ist eine Kombination aus Stein und Bronze in Form einer Stele. Hinter dem modernen Chorgestühl befinden sich 6 Bronzeleuchter, die den Eingang zum Thema der Chorwand, das himmlische Jerusalem, bilden.

Im rechten Seitenschiff befindet sich der Tabernakel. Er ist in eine Sakramentssäule aus Bohus-Granit eingelassen und befindet sich hinter einem kunstvollen Bronzegitter. Im Abgang zur Krypta stellt der Rest des alten Hauptaltars der 1928 abgerissenen Vorgängerkirche die Verbindung mit der Vergangenheit her.

Der Kreuzweg von 1962, ein Flachrelief-Fries aus dunkelgrauem Schiefer, befindet sich unterhalb der Orgelempore und weist die Besonderheit auf, entgegen der üblichen Lesegewohnheit von rechts nach links zu laufen, um anzudeuten, dass das Kreuz immer gegen den Strich läuft.

Die heutige Innengestaltung stammt aus der letzten Renovierung der 1980er Jahre.

In den 1930er Jahren war der Kirchbau von Mariä Geburt heiß umstritten, nicht zuletzt aufgrund des Standortes, der von Fachwerkhäusern umgeben ist. Aber auch die ungewohnte, moderne Form, die von dem abwich, wie nach landläufiger Meinung eine Kirche auszusehen habe, wurde weit über Mülheim hinaus diskutiert, und gipfelte in der Frage, ob eine Kirche überhaupt so aussehen dürfe. Besonders aber galt die Kritik der Innenarchitektur, die als zu kühl und sachlich angesehen wurde.

Befürworter sahen in ihr die gültige Kirchenform für alle Zukunft. Auf dem Kirchenhügel war etwas wirklich Neues entstanden, das keine alten Baustile übernahm und mit Neuem mischte.

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Kontakt & Infos

Mariae Geburt
Althofstr.5
45468 Mülheim
Telefon: +49 (0) 208 / 3083-122

Öffnungszeiten

Zugänglichkeit: täglich 8.30-16.00 Uhr und nach Absprache: Klara Breitgens, Tel: 0208/360747

ÖPNV

Von Mülheim (Ruhr) Hbf 10 Minuten Fußweg oder mit Straßenbahn 102 oder 901 bis "Stadtmitte", dann 5 Minuten Fußweg