Marienkirche HER-Baukau

St. Marien. Foto: RIK / R. Budde

Mit der Zeche von der Heydt zog 1866 der Bergbau in Baukau ein – mit der typischen Folge des Bevölkerungswachstums. So zählte die katholische Gemeinde, die sich bald bildete, schon 1899, bei der Grundsteinlegung der Marienkirche, fast 4000 Mitglieder. Bis dahin hatte die Baukauer Gemeinde einen steinigen Weg zurück gelegt, wobei sie als Ursache ihrer Schwierigkeiten oft ihre Mutterpfarre St. Bonifatius in Herne ansah. Denn diese benachteiligte sie ihrer Meinung nach, denn sie bewilligte ihr 1897 für Bauzwecke 40.000 Mark mit der Voraussetzung, dass der Bauplatz für 500 Mark zu kaufen sei. Zur selben Zeit gestand sie aber der Sodinger Gemeinde, die ebenfalls eine eigene Kirche bauen wollte, für den Erwerb eines Grundstücks 10.000 Mark zu und legte all ihre Ersparnisse in den Bau der dortigen Herz-Jesu-Kirche an. Für den Bau der Baukauer Marienkirche wurde bei der Landesbank ein Kredit von insgesamt 60.000 Mark aufgenommen, für die Schwesterkirche in Sodingen aber wurden 200.000 Mark veranschlagt. Dank Kirchen- und Hauskollekten konnten die Baukosten von insgesamt 76.143,03 Mark einschließlich des Architektenhonorars aufgebracht werden und im Sommer 1900 wurde die neue Kirche auch sofort zur Pfarrei erhoben.

Das Bochumer Architekt H. Wielers erstellte eine dreischiffige neugotische Hallenkirche mit einem Querschiff und einer waagerechten Decke. Es entstand ein Ziegelbau unter teilweiser Verwendung von Blend- und Formsteinen. Die Maßwerke der Fenster und Rosetten wurden aus Formsteinen hergestellt, Kapitelle und Sockel der Säulen und Dienste aus Sandstein, während die Schäfte der Säulen und Wanddienste gemauert wurden. Ein Turm fehlte noch, für eine Glocke gab es nur einen kleinen Dachreiter, der 1946 abgerissen wurde.

Eigentlich sofort wurde eine Erweiterung beschlossen. So bemühte sich der Pfarrer intensiv um die Genehmigung einer Kirchenkollekte beim zuständigen Amtmann, der sie 1905 erlaubte. Sie brachte 8200 Mark ein. Kirchlicherseits wurde ihr 1906 eine Kirchenkollekte in der Provinz Westfalen, also den entsprechenden Teilen der Bistümer Münster und Paderborn zugesprochen. Da sie die erste im Jahr war, hatte sie großen Erfolg und brachte insgesamt 41.000 Mark ein.

Die Erweiterung der Marienkirche erfolgte 1907-09 durch den Dortmunder Architekten J.F. Klomp, wobei er mehr Verzierungen anbrachte als der erste Bauabschnitt zeigt. Er verlängerte das Langschiff um ein Joch und errichtete daran zwei Seitenkapellen. Außerdem ergänzte er im Süden den Bau um zwei gewaltige Türme von rund 60 m Höhe, in deren Inneren sich die Orgelempore befindet. Terrakotten, Tuff- und Formsteine fanden Verwendung. Dabei entstand die wohl kunstvollste Ziegelfassade im Sakralbau des Ruhrgebiets. Bei Abschluss der Erweiterung zählte die Gemeinde über 9000 Mitglieder, davon ca. 5000 polnisch-sprachig.

Das neue Portal macht durch seine Ornamentik von der Bismarckstraße her einen wuchtigen Eindruck. Über ihm befindet sich eine überlebensgroße Figur von Maria als Himmelskönigin, die von einer siebenfach durchbrochenen Glasrosette umrahmt ist. Im Giebelfeld ist Christus als Weltenrichter dargestellt, oben an den Türmen sind vier musizierende Engel angebracht.

Bei der letzten Innenraumumgestaltung 1975 verschwand die alte neugotische Ausstattung weitgehend, das Missionskreuz von 1901 blieb und hängt seitdem im Chor, außerdem der Kreuzweg und einige Figuren.

Seit 2008 schmückt eine neue Skulptur in der Größe 2,2m Höhe x1,6 m Breite des Mendener Metallbildhauers Ulrich Langohr die östliche Seitenfassade. Die Christusfigur im Mittelpunkt verbindet Himmel und Erde in einem Gesamtwerk. Dabei stellt er die Welt mit Motiven aus der Geschichte Hernes und Baukaus dar wie den Zechen „Julia“ und „von der Heydt“, der STEAG, Eisenbahnen, Rhein-Herne-Kanal und Autobahnkreuz.

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St. Marien
Bismarckstr. 72a
44629 Herne
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