Marienkirche Witten

Marienkirche Witten. Foto: RIK / R. Budde

Um 1800 gab es in Witten und Umgebung keine Katholiken, 1818 waren es 3,6%. Das änderte sich langsam seit der mit der Gründung der Glasfabrik "Müllensiefen" am Crengeldanz 1825 beginnenden Industrialisierung. 1834 genehmigten der Bochumer Landrat und das Generalvikariat Paderborn die Feier kath. Gottesdienste in Witten. Fünf Jahre später erhielten die Katholiken Wittens die Erlaubnis von König Friedrich Wilhelm IV. für eine Kollekte zum Bau einer Pfarrkirche, die 11560 Taler erbrachte. 1844 hatte sich ein Kirchbauverein gegründet. 1846 wurde der Kirchbau fertig gestellt und ersetzte ein Holzprovisorium das die Gemeinde errichtet hatte, nachdem der Unternehmer Carl Lohmann überraschend den bisher genutzten Saal auf Haus Berge gekündigt hatte.

Für die Finanzierung des Kirchbaus verpfändeten die führenden Mitglieder des Kirchbauvereins als Sicherheit ihren Besitz, um den Entwurf des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner zu realisieren. Beim Bau veränderte der Bauleiter Carl Wilhelm Freyse, Stadtbaumeister von Essen, mit Zustimmung der Gemeinde, aber gegen den Protest der preußischen Regierung und des Generalvikariates, die Baupläne. Anders als in der äußerst sparsamen ursprünglichen Planung erhielt die Kirche nun doch eine Einwölbung der Decke und einen Glockenturm. Die dreischiffige eingewölbte Pfeilerbasilika mit halbrundem Apsidialabschluss zählt zu den frühesten neuromanischen Basiliken, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Rheinland weite Verbreitung fanden.

1848 weihte der Paderborner Bischof die Kirche ein. 1850 folgten drei Glocken, die durch Spenden und eine Verlosung finanziert wurden. Im 1. Weltkrieg wurden sie eingeschmolzen. Die Marienkirche spielte dann in der Folge eine wichtige städtebildnerische Rolle für das – überwiegend von Katholiken bewohnte - Stadtviertel und das benachbarte Marienhospital.

In den 1890er Jahren konnte endlich, entsprechend des Bevölkerungswachstums, eine Erweiterung in Angriff genommen werden. Sie war durch den Kulturkampf verzögert worden, denn 1876 hatte die preußische Regierung die Mitbenutzung der Marienkirche durch die Altkatholiken angeordnet. Das bedeutete für die römisch-katholische Gemeinde de facto eine Ausweisung in eine Fachwerk-Notkirche, weil die Amtskirche die gemeinsame Nutzung eines Kirchengebäudes mit den Altkatholiken untersagt hatte. 1891, nach Beilegung des Kulturkampfes, wurde die Benutzung der Marienkirche durch die ca. 100 Altkatholiken von der preußischen Regierung aufgehoben.

Die Mariengemeinde, die inzwischen ungefähr 8000 Seelen umfasste, begann mit einer umfangreichen Erweiterung durch den Paderborner Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig. Der Stil blieb damit neuromanisch; die Kirche erhielt ein zweischiffiges Querhaus mit Kuppel. Der neue Chor verfügt über zwei Seitenapsiden, der neue Turm mit flankierenden Treppentürmen über einen rundbogig durchfensterten Aufbau über einer Arkadengalerie.

Die erste Ausmalung von 1907 – eher konnte es sich die Gemeinde nicht leisten – wurde schon in den 1920er Jahre übermalt. Der Künstler Josef Gietmann platzierte im Jugendstil eine thronende Christusfigur mit Segensgestus in die große Kuppel, umgeben von Apostelfiguren. Bei der Wiederherstellung der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kuppel weiß getüncht. Erst bei der Renovierung von 1982 wurde die Ausmalung der 1920er Jahre weitgehend wieder hergestellt.

Die Glasfenster stammen von Wilhelm Buschulte, der zwischen 1954 und 1970 tätig war, wobei seine Fenster verschiedene Schaffensperioden zeigen. Zur übrigen Ausstattung zählen Altar, Tabernakel und Taufbecken aus den 1970ern in einer kristallinen, kantig-spitzen Formensprache von Josef Baron und ab 1995 wieder zwei geschnitzte Holztafeln des ursprünglichen Hochaltars.

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