Nikolauskirche E-Stoppenberg

Nikolauskirche. Foto: RIK / R. Budde

Die Stoppenberger Kirche von 1907 zeichnet sich als reine Jugendstilkirche durch ihre noch weitgehend originale Innenausstattung und ihre eindrucksvolle Architektur aus.

In Stoppenberg steht schon seit dem 11. Jahrhundert eine Kirche, als die Äbtissin des hochadligen Essener Stiftes, den weithin sichtbaren Stoppenberg als Standort ihres lang ersehnten Stiftes für Töchter des niederen Adels wählte. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts diente sie den Stoppenberger Christen als Pfarrkirche, konnte dann aber die wegen der 1871 abgeteuften Zeche Ernestine massiv gewachsene Gemeinde nicht mehr fassen. Eine bauliche Erweiterung der Stiftskirche wurde aus kunsthistorischen Gründen nicht genehmigt. So sollte ein großzügiger Kirchenneubau die Raumprobleme lösen.

Den Auftrag für den Bau der Pfarrkirche, die den Namen St. Nikolaus von der Stiftskirche übernahm, erhielt der Kölner Architekt und Regierungsbaumeister Carl Moritz (1863-1944), zu dessen Arbeiten in Essen der Handelshof gehört.

Moritz orientierte sich bei seiner Jugendstilkirche am Baustil der spätromanischen Basilika. Er verzichtete auf den typischen roten Ziegel, wie er überall im Ruhrgebiet für die unterschiedlichsten Bauaufgaben Verwendung fand, und wählte stattdessen den damals hochmodernen, vornehm-gediegenen Rotsandstein, der auch heute noch die Kirche zusammen mit den zwei 49 Meter hohen achteckigen, kupfergedeckten Türmen zu einem Blickfang macht.

Bei der Innenraumgestaltung ließ sich Moritz im Wesentlichen von der Konstantinbasilika in Rom inspirieren. Er bezog auch die liturgischen Reformideen um 1900 in seine Planung ein, indem er von allen Plätzen freie Sicht auf Altar und Kanzel ermöglichte. Wenig begeistert von der unkonventionellen Architektur zeigte sich der Kölner Kardinal Fischer, der sich nach der ersten Besichtigung am Vortag der Einweihung an ein „Opernhaus“ erinnert fühlte und zunächst die Konsekration der Nikolauskirche verweigerte. Nach einiger Überzeugungsarbeit änderte er jedoch seine Meinung und vollzog die Weihe.

Moritz fühlte sich seinem Werk verbunden. So stiftete er 1910 eine aus einem weißen Marmorblock gehauene, 13 Zentner schwere Herz-Jesu Statue von Professor Georg Grasegger aus Köln, die zuvor auf der Weltausstellung in Brüssel gezeigt worden war.

Marienaltar wie auch Hochaltar sind ein Werk des Bildhauers Heinrich Püts, der 1921 den Altartisch aus einem einzigen roten Marmorblock fertigte. Darüber sind in kunstvoller schwarzer Kupfertreibarbeit 14 Heilige angebracht, wobei Pütz sich von der Architektur Moritz‘ inspirieren ließ.

Natürlich fehlte in einer Gemeinde, die zu 80% aus Bergarbeiterfamilien bestand, die Schutzpatronin der Bergleute, Barbara, nicht. Ihr widmete Pütz 1928 einen Seitenaltar, dessen Inschrift lautet: „Schutzpatronin St. Barbara bewahre die Bergknappen vor einem jähen und unvorhergesehenen Tode. Amen.“ An die Bergmannszunft erinnerten auch Fliesen im ursprünglichen Fußboden der Kirche, die mit Symbolen des Bergbaus verziert waren Einige dieser Ornamentiksteine befinden sich heute im Altarraum.

Den Josefsaltar stiftete 1935 ein Bauer namens Heinrich Tuttmann, der ihn dem „christlichen Familienleben“ und der „Christusjugend“ weihte. Auf die Jugend sollte auch der 1936 aufgestellte Aloysiusaltar im rechten Seitenschiff achten. Die aufwändige Mosaikarbeit zeigt den heiligen Aloysius (Schutzpatron der Jugend) mit dem Christusbanner der männlichen Jugend zu seiner rechten und dem Marienbanner der weiblichen Jugend zu seiner linken Seite. Möglicherweise ist dieser besondere „Jugendschutz“ eine Antwort auf die Bedrohung kirchlicher Jugendarbeit durch die Nationalsozialisten.

Wegen Bergbauschäden musste die Kirche zum ersten Mal schon nach 30 Jahren restauriert werden und erhielt dann ihre jetzige Holzkassettendecke in lichtem Blau. Von 1973 bis 1975 musste sie wieder grundlegend restauriert werden, denn sie brauchte u.a. ein neues Fundament, und erhielt ihr heutiges Aussehen.

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Kontakt & Infos

Nikolauskirche
Gelsenkirchener Str. 1
45141 Essen
Telefon: +49 (0) 201 / 89916-0

Öffnungszeiten

1. Mai - 1. November, Sa 14.00 - 18.00 Uhr, So u. Feiertage 13.00 - 17.00 Uhr

Kontakt für Kirchenführung:
Pfarrbüro St. Nikolaus, Essener Str. 4, 45141 Essen,
Telefon: +49 (0)201. 89916-0

ÖPNV

Von Essen Hbf mit Straßenbahn 107 bis "Ernestinenstraße"