St. Johannes-Kirche RE-Suderwich

St. Johannes. Foto: RIK / R. Budde
St. Johannes. Foto: RIK / R. Budde

Die katholische Johanneskirche in Suderwich zeichnet sich dadurch aus, dass in ihr fast komplett eine neugotische Kirche auch im Innern erhalten ist, inklusive aller neugotischer Fenster, die den 2. Weltkrieg überstanden haben. Sie zeigt somit die Frömmigkeitsformen des 19. Jahrhunderts.

Die Kirche weist weit in die Vergangenheit zurück, denn schon um 1250 soll im Dorfkern von Suderwich eine Johannes dem Täufer geweihte Taufkapelle gestanden haben. 1820 wurde eine kleine Dorfkirche auf dem Alten Kirchplatz neu errichtet. Als die bäuerliche Struktur des Ortes sich um die Jahrhundertwende durch die Errichtung der Zeche König Ludwig 4/5 und später auch der Schachtanlage 7/8 wandelte, wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder und die kleine Dorfkirche reichte nicht mehr. Die Witwe Franziska Ehling stellte das Baugelände für die neue, vom Recklinghäuser Architekt Franz Lohmann entworfene Kirche zur Verfügung, die am 20. Oktober 1904 geweiht wurde.

Sie ist im neugotischen Stil errichtet und verfügt über einen 75 m hohen Turm und ein 58 m langes und 17 m hohes Kirchenschiff.

Einige Ausstattungsstücke wurden aus der alten Dorfkirche übernommen, so eine Figur Johannes des Täufers und eine Skulptur des Hl. Josef mit dem Kind sowie das Missionskreuz von 1882 aus der Zeit des Kulturkampfes, die sich in der Turmkapelle befinden. Der geschnitzte Hochaltar stammt aus einer Münsteraner Werkstatt mit Darstellungen aus dem Leben Jesu. Die Vorderseite des Hochaltares ist durch Steinreliefs mit Opferdarstellungen aus dem Alten Testament gestaltet.

Der Marienaltar in der linken Seitenkapelle zeigt die Darstellung der Rosenkranzlegende: der Hl. Dominikus erhält den Rosenkranz vom Jesuskind mit der Aufforderung, dieses volkstümliche Gebet bei den Gläubigen populär zu machen. Der Josefsaltar in der rechten Seitenkapelle zeigt die Sterbestunde des Hl. Josef mit Jesus und Maria an seinem Bett. Zum erhaltenen Frömmigkeitsprogramm gehören auch die neugotischen Fenster des Chorraumes und der Seitenkapelle, die figürlich im damals üblichen "Nazarener-Stil" gestaltet sind. Das mittlere Altarfenster zeigt den Gekreuzigten, die Hauptgestalt im linken Fenster bildet der Pfarrpatron Johannes der Täufer. Unter dem Bild sind drei weibliche Heilige zu sehen, darunter die Patronin der Bergleute Barbara. Das linke Fenster der Josefskapelle zeigt die Heilige Familie, Josef, Maria und den Jesusknaben als Vorbild der christlichen Familie. Dieses Bildfenster trägt eine bemerkenswerte Unterschrift: „Zeige uns Herr das Vorbild deiner Familie!" Das weist auf das theologische Bestreben hin, ein neues Familienideal nach der feudalen Großfamilie zu popularisieren. Auch das rechte Josefsfenster zeigt im Hauptbild die Heilige Familie. Diesmal bei der alltäglichen Arbeit. Engel begleiten die Arbeitenden mit fröhlicher Musik. Josef erscheint als Zimmermann mit Winkeleisen, Hammer, Hobel, Werkzeugkasten und Planentwurf und steht so als Vertreter eines jeden Handwerkers. Das mittlere Josefsfenster zeigt den hl. Josef als Patron der Kirche. Papst Pius IX ist hier dargestellt, also der Papst des Kulturkampfes und des 1. Vatikanischen Konzils, nicht der Papst der Erbauungszeit der Kirche. Neben ihm befinden sich Repräsentanten der wichtigsten Gruppen der Gemeinde: links eine bäuerlich gewandete Gestalt mit Sichel und der alten Dorfkirche und rechts ein Bergmann mit Schlegel, Hammer und Eisen mit dem Schachtgerüst von König Ludwig IV/V.

Bei der Renovierung des Chorraum 1987 nach den Plänen von Architekt Dreischoff wurden Ambo und Zelebrationsaltar erneuert, die sich gut in den alten Stil einfügen.

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Kontakt & Infos

St. Johannes-Kirche RE-Suderwich
Kirchstr. 13
45665 Recklinghausen
Telefon: +49 (0) 2361 / 811-38

Öffnungszeiten

nach Absprache

ÖPNV

Von Recklinghausen Hbf mit Bus 233 bis "Lülfstraße"