Vinzentiuskirche, BO-Harpen

St. Vinzentius. Foto: RIK / R. Budde

Die Vinzentiuskirche vereint Aspekte mittelalterlichen Lebens im ländlichen Bochum mit der Entwicklung der Bergarbeitergemeinde im 19. Jahrhundert. Dazu spiegelt sie Konfessionsgeschichte im Ruhrgebiet, denn die ursprünglich katholische Kirche wurde in der Reformation lutherisch, behielt aber weitgehend ihre ursprüngliche Ausstattung bei.

Die kleine Kirche aus dem 12. Jahrhundert, die 1475 um einen Altarraum und ca. 1575 um eine Sakristei erweitert worden war, erfuhr 1905/06 eine massive Vergrößerung und ihre heutige Gestalt. Fast wäre sie abgerissen worden, doch der damalige oberste Denkmalpfleger Westfalens erkannte den hohen Wert der romanisch-gotischen Anlage. Er überzeugte die Gemeinde und den planenden Architekten Gerhard August Fischer, ihre Neubaupläne beiseite zu legen und die alte zweijochige Pfeilerbasilika zu erweitern. So ergänzte Fischer sie um ein neugotisches Querhaus mit Orgelempore und nahm dabei die gotischen Formen von 1475 auf. Das kreuzgewölbte Mittel- und das nördliche Seitenschiff sowie der gotische Chor blieben unverändert. Das neue Querhaus ist vierachsig gegliedert und in Anlehnung an die alten Bruchsteinwände in Sandstein ausgeführt.

Der mittelalterliche Turm der Vinzentiuskirche war bereits 1876 wegen Baufälligkeit komplett erneuert worden. Er erhielt einen oktogonalen Spitzhelm, der 1940 einem Orkan zum Opfer fiel. 1951 entstand die jetzige Spitze des Dortmunder Architekten Tankred Pelgarus unter Einfluss der Harpener Bergbau AG als Stifterin.

Im Innern der Vinzentiuskirche finden sich Reste romanischer Ausmalungen, zwei Sakramentenhäuser (um 1300 und 1474), ein Dreikönigsaltar (um 1430), ein Standbild des Kirchenpatrons Vinzentius (um 1400) sowie ein lutherischer Barockaltar von 1699.

Für das Thema „Industriekultur“ qualifizieren diese Kirche in besonderer Weise die Bergmannsfenster der Berliner Künstlerin Helene Starck unterhalb der Südempore. 1939 auf der Zeche Robert Müser „vor Ort“ entworfen, wurden sie 1942 in Berlin von der Firma August Wagner produziert und danach unter Tage eingelagert. In den Kriegswirren in Vergessenheit geraten, wurden sie nach Kriegsende zufällig auf der Zeche Amalia in Bochum-Werne wiedergefunden und 1949 ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß eingebaut. Die Fenster zeigen: Seilfahrt von Bergleuten mit Steiger, Kumpel in der Strecke, Kumpel vor Ort sowie einen Koksofenabstich. Bergbaufenster mit Arbeitsszenen dieser Art sind einmalig in einer europäischen Kirche.

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Kontakt & Infos

Vinzentiuskirche
Vinzentiusweg 13
44805 Bochum
Telefon: +49 (0) 234 / 92566-0

Öffnungszeiten

nach Absprache

ÖPNV

Von Bochum Hbf oder S-Bahnhof Dortmund-Lütgendortmund mit Bus 336 bis "Brücke Ruhrpark", dann 5 Minuten Fußweg