Laufwasserkraftwerk Kahlenberg

Das Laufwasserkraftwerk Kahlenberg. Foto: RIK/Thomas Berns
Das Laufwasserkraftwerk Kahlenberg. Foto: RIK/Thomas Berns

Das Laufwasserkraftwerk Kahlenberg wurde 1927 von der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW) in Betrieb genommen, um die Elektrizitätsversorgung der Wasserwerke Dohne und Styrum sicherzustellen. Die Architekten Arthur Pfeifer und Hans Großmann entwarfen ein Gebäude aus Ruhrsandstein, das an eine Wasserburg erinnert. 

Hinter den denkmalgeschützten Mauern verbirgt sich modernste Technik, zuletzt wurde das Kraftwerk 1988/89 grundlegend renoviert. Heute wird das Kraftwerk vom Wasserwerk Styrum ferngesteuert. Früher arbeiteten jeweils zwei Techniker im Schichtdienst rund um die Uhr, wachten über Getriebe, Generatoren und Turbinen. Im Innern befindet sich eine „Francis-Doppelkammer-Turbine“. 1988 wurde eine zweite durch zwei kleinere Kaplan-Turbinen ersetzt. Die Erfindung der Kaplan-Turbine geht auf den gleichnamigen österreichischen Ingenieur zurück. 1913 entwickelte Viktor Kaplan (1878-1934) eine Wasserturbine mit einstellbaren Laufschaufeln, die für Flüsse mit großen Wassermengen und geringen bis mittleren Gefällen bestimmt war. Das Wasser wird dabei durch eine Spirale in Drall versetzt und das Leitwerk, auch als Leitschaufeln bezeichnet, sorgt dafür, dass das Wasser parallel zur Welle auf die Laufschaufeln trifft und dabei die Energie überträgt. Der Wasserdruck nimmt vom Eintritt in das Laufrad bis zum Austritt stetig ab.

Damit passte die RWW das Leistungsvermögen des Kraftwerks an die sehr unterschiedliche Wasserführung der Ruhr an. Wenn es im Winter sehr heftig regnet und die Ruhr über die Ufer tritt, rotieren bei einer Fallhöhe von fünf Metern alle drei Turbinen. 105 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fluten in Hochwasserzeiten durch die Rohre unter dem Sandsteingebäude. Mehr Wasser übersteigt das Fassungsvermögen der Anlage und wird am Werk vorbeigeleitet. Führt die Ruhr im Sommer nur wenig Wasser, läuft unter Umständen nur die kleinste Turbine, die 30 Kubikmeter in der Sekunde fasst. Der Strom wird den Wasserwerken Styrum und Dohne zugeleitet.

Um zeitgemäßen ökologischen Anforderungen zu entsprechen, richtete die RWW 1998 eine ungenutzte Turbinenkammer des Kraftwerks als Fischauf- und -abstiegstreppe ein. Bis zu diesem Zeitpunkt stellte das Kraftwerk ein unüberwindliches Hindernis für die flussauf- und abwärts wandernden Fische dar. Mit der Inbetriebnahme der Anlage, die mit Hilfe einer Transportkammer nach dem Fahrstuhlprinzip funktioniert, wurde die Ruhrstaustufe zwischen Raffelberg und Kettwig als eine der ersten Staustufen an der Ruhr „fischgängig“ gemacht. 

Als „Eyecatcher“ der besonderen Art gilt die von der RWW gestiftete Zwillings-Tandem-Verbund-Maschine neben dem Pumpwerk, die als Dampfpumpe bis 1977 im Werk Styrum ihren Dienst verrichtete. Nach ihrer Demontage und denkmalgerechten Herrichtung wurde sie der Stadt Mülheim als Industriedenkmal überlassen und auf der Schleuseninsel aufgestellt.

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Kontakt & Infos

Laufwasserkraftwerk Kahlenberg
Alte Schleuse
45468 Mülheim an der Ruhr
Führungen:
RWW Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft
Haus Ruhrnatur
Alte Schleuse 3
45468 Mülheim an der Ruhr
Telefon: +49 (0)208 / 44 33 380
www.rww.de

ÖPNV

Von Mülheim (Ruhr) Hbf ca. 15 Minuten Fußweg oder mit Bus 132, 133 oder 752 bis „Kassenberg“