Hauptverwaltung BP Aral

Ende 1898 gründeten mehrere Bergbau- und Chemie-Unternehmen in Bochum die Westdeutsche Benzol-Verkaufs-Vereinigung zur Vermarktung des bei der Verkokung von Steinkohle gewonnenen Benzols. Das in dieser Zeit an der Wittener Straße 45 errichtete erste kleine Verwaltungsgebäude beherbergte auch die von einem gemeinsamen Vorstand geführte Deutsche Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung und weitere Gesellschaften zum Vertrieb von Kokereinebenprodukten, die bald unter der Bezeichnung „Bochumer Verbände“ bekannt wurden.

1924 entschloss sich das seit 1918 als Benzol-Verband (BV) firmierende Unternehmen zum Aufbau eines eigenen Tankstellennetzes. Grundlage des Geschäftes war der von dem BV-Techniker Walter Ostwald entwickelte erste Super-Kraftstoff, ein Gemisch von 60 % Benzin und 40 % Benzol, für das er das Akronym „Aral“ aus den Anfangsbuchstaben der beiden Komponenten Aromaten (Benzole) und ALiphaten (Benzine) bildete. Bis 1930 errichtete der BV im Verlauf der ersten Motorisierungswelle deutschlandweit etwa 5.000 Tank- und Zapfstellen und avancierte bald zum Marktführer im Kraftstoffvertrieb. Äußeres Zeichen dieses rasanten Wachstums war das 1926 nach Plänen des Bochumer Architekten Heinrich Schmiedeknecht errichtete neue Verwaltungsgebäude. Die Einführung schwarz-gelber Verkehrszeichen veranlasste den BV im folgenden Jahr wegen der Verwechselbarkeit mit der traditionellen Farbgebung zur Umstellung seiner Marke auf die Bochumer Stadtfarben Blau und Weiß.

Die Jahre zwischen 1939 und 1951 standen unter dem Zeichen der Kraftstoffzwangsbewirtschaftung. 1941/42 wurde der BV 1941/42 in den neuen Benzin-Benzol-Verband integriert und die Geschäftsführung aller Verbände in der AG der Kohlenwertstoffverbände mit Sitz in Bochum gebündelt. Im Herbst 1946 folgte deren Umwandlung in die Kohlenwertstoff AG, und 1952 entstanden im Rahmen der Entflechtung der Ruhrindustrie die BV-Aral AG und die Ruhrstickstoff AG. Erstmals rückte damit der Markenname in den Firmennamen. Das Unternehmen forcierte nun den Wiederaufbau des Tankstellennetzes, das bis Ende der 1960er Jahre auf mehr als 11.000 Anlagen ausgedehnt wurde.

Die Kohlenkrise brachte die neue Aral AG mit den Hauptanteilseignern Gelsenberg AG, Veba Chemie AG, Mobil Oil AG und Wintershall AG. Das Jahr 1970 bildete schließlich in vielfacher Hinsicht eine Zäsur. Erstmals seit 1924 wurde eine Bestandsreduktion im Tankstellenbereich eingeleitet, die mit der Einführung des Selbsttankens und dem langsamen Abschied vom Tankwart verbunden war. Gleichzeitig begann mit dem Aufbau des Shopgeschäftes und dem Verkauf von Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs der Weg zur modernen Tankstelle.

Nachdem im Jahr 2000 die Veba Oel AG zur Alleineigentümerin der Aral AG aufgestiegen war, wurde diese 2002 von der Deutschen BP AG übernommen und damit in den BP-Konzern integriert. Die Zentrale der Deutschen BP AG zog daraufhin von Hamburg nach Bochum. Mit rund 2.500 Tankstellen blieb Aral weiterhin die führende Tankstellenmarke in Deutschland. Zwischen 2004 und 2006 entstand an der Wittener Straße nach Plänen der Architekten Jens Bothe, Kai Richter und Hadi Teherani ein repräsentativer Neubau, der vom BDA Bochum mit der „Auszeichnung guter Bauten“ prämiert wurde. Während der Altbau von 1926 in die Baumaßnahme einbezogen werden konnte, wurde das straßenseitige Hauptgebäude von 1952 abgebrochen. Es machte Platz für einen siebengeschossigen Gebäuderiegel mit dem neuen Eingangsbereich, der den Altbau mit den vier parkseitigen Türmen verbindet. Durch die Aufgliederung in mehrere Baukörper entstand eine offene, lichtdurchflutete Gebäudestruktur.

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Kontakt & Infos

BP Europa SE
Wittener Str. 45
44789 Bochum

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Vom Hauptbahnhof Bochum (Südausgang) 5 Min. Fußweg