Dr. C. Otto

Fa. Dr. C Otto. Foto: RIK / R. Budde

1872 gründete der Chemiker und Hüttentechniker Carlos Otto (1838-1897) in der Hochkonjunktur nach der Reichsgründung die Firma Dr. C. Otto & Comp. Mitgesellschafter waren der Sprockhöveler Gutsbesitzer Wilhelm Hiby, der Wittener Industrielle, Landtags und spätere Reichstagsabgeordnete Louis Berger sowie Franz Giesse, Direktor der Niederrheinischen Hütte in Hochfeld bei Duisburg. Bereits ein Jahr später begann in den Werksanlagen in Dahlhausen auf Basis der dortigen Kohlensandstein-Vorkommen die Produktion feuerfester Steine für Kokereien, Kessel- und Ofenanlagen. Es folgten die Fabrikation von Graphittiegeln für die Gussstahlerzeugung und 1876 die Konstruktion der ersten Koksofenanlagen, die von Otto als Generalunternehmer auf der Zeche Dannenbaum bei Bochum und der Zeche Helene-Amalie in Altenessen errichtet wurden. Hier wurden nicht nur erstmals in Deutschland Kokereien „schlüsselfertig“ übergeben und dann auch im Rahmen eines Nutzungsvertrages betrieben, sondern auch die aufgrund ihrer innovativen Heiztechnik bald weitverbreiteten Otto-Coppée-Öfen eingesetzt. Damit war bereits früh das spätere Kerngeschäft gefunden, in dem das Unternehmen zu einem der weltweit führenden Anlagenbauer aufsteigen sollte.

1881 begründete Dr. C. Otto etwa zeitgleich und im Wettbewerb mit dem Kokereifachmann Albert Hüssener die Nebenproduktengewinnung. Auf der Zeche Holland in Wattenscheid entstand die erste Anlage mit einer Teer- und Ammoniakabscheidung, die 1885 um eine Benzolauswaschung erweitert und zum Grundstein eines neuen Geschäftszweiges des Steinkohlenbergbaus wurde. Aus den in den 1890er Jahren auf Initiative von Dr. C. Otto gebildeten Nebenproduktverkaufsvereinigungen entstanden u. a. die Aral AG und die Ruhrstickstoff AG. Einen weiteren Meilenstein bildeten die 1883 erstmals auf der Zeche Pluto in Wanne gebauten Otto-Hoffmann-Regenerativöfen, die die Abwärme der Koksöfen nicht zur Dampferzeugung, sondern zur Vorwärmung der Verbrennungsluft nutzten. Diese Technik verbesserte die Koksqualität, erhöhte die Ausbeute an Nebenprodukten und senkte den Energieverbrauch. 1896 folgte der Otto-Hilgenstock-Unterbrennerofen, der die Wärme im Ofen besser verteilte, dadurch erneut erheblich sparsamer war und die Garungszeiten auf etwa 24 Stunden halbierte. Der große Erfolg des Unternehmens führte in dieser Zeit zur Gründung von Tochtergesellschaften in den USA und England.

Nach der Jahrhundertwende endete die Phase der in Eigenregie betriebenen Kokereien, die Dr. C. Otto über zwei Jahrzehnte zum mit Abstand größten Nebenproduktenproduzenten des Ruhrgebiets gemacht hatte. Das Unternehmen stieg dafür in den Kokereianlagenbau ein, der bislang an externe Baufirmen vergeben worden war. Dazu wurde eine zentrale Technische Abteilung gegründet, die 1912 ein eigenes Bürogebäude in der Christstraße in Bochum-Ehrenfeld bezog. Neben Kokereien produzierte Dr. C. Otto nun auch Gaswerksanlagen und Gaserzeuger. Als 1913 das Feuerfestzweigwerk in Bendorf bei Koblenz errichtet wurde, das den Übergang zu besonders feuerfesten Silikasteinen im Ofenbau markierte, stammten allein im Ruhrgebiet insgesamt rund 22.000 oder 70 % aller Koksöfen von Dr. C. Otto. Neu waren in dieser Zeit die Verbundkoksöfen für die wahlweise Beheizung mit Koksofen- oder Hochofengichtgasen und Horizontalkammeröfen.

In den 1920er und 1930er Jahren forcierte Dr. C. Otto das Auslandsgeschäft durch die Gründung mehrerer Tochtergesellschaften und den weltweiten Vertrieb von Kokereianlagen. Von besonderer Bedeutung waren hier die Beziehungen zu Japan. Im Dahlhauser Werk entstand eine Versuchskokerei. Mit dem Zwillingszugregenerativofen wurden erneut technische Maßstäbe bei der Beheizung und Betriebszeit gesetzt. Zugleich erreichten die Ofenkammern nun eine Höhe von 4,50 m, so erstmals auf der Zeche Bruchstraße in Bochum-Langendreer 1926. In diesem Jahr wurden auch die Hauptverwaltung und der Unternehmenssitz von Dahlhausen nach Bochum an die Christstraße verlegt. Zur Sicherung des Rohstoffbedarfs erwarb Dr. C. Otto mehrere Tongruben wie die Westerwälder Thonindustrie GmbH. Neben den Feuerfestprodukten und Kokereianlagen begann das Unternehmen ab 1937 mit dem Bau von Chemieanlagen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg liefen die Geschäfte nur langsam wieder an. 1950 wurde das weitgehend zerstörte Verwaltungsgebäude wiederaufgebaut und die Beseitigung der Kriegsschäden im Dahlhauser Werk beendet. Trotz der großen Nachfrage behinderte der Rohstoffmangel über mehrere Jahre die Feuerfestproduktion und den Kokereianlagenbau. Erst 1952 konnte das Auslandsgeschäft wieder aufgenommen werden. Im Verlauf der Hochkonjunktur der 1950er Jahre erlebte Dr. C. Otto eine letzte Blütezeit in Deutschland. 1954 konnte die Errichtung des 50.000. Otto-Ofens gefeiert werden, und wenige Jahre später erreichte die Belegschaft mit 3.600 Mitarbeitern ihren absoluten Höchststand. Als im Rahmen der Kohlenkrise die inländische Auftragslage für Kokereien und Stadtgasanlagen zunächst einbrach, um schließlich weitgehend bedeutungslos zu werden, konzentrierte sich das Geschäft auf Hüttenkokereien und Nebenanlagen u. a. für die aufstrebende Eisen- und Stahlindustrie der Schwellenländer wie im indischen Rourkela. Dazu kamen Chemie-, Nebenproduktengewinnungs- und Synthesegasanlagen. Die neuen Otto-Hochleistungsöfen erreichten um 1970 bereits eine Höhe von 7,5 m, sodass der Durchsatz einer Kokerei mit 100 Öfen auf 1,5 Mio. Tonnen pro Jahr gesteigert werden konnte. 1972 wurde die Hauptverwaltung durch einen Anbau erweitert.

Nachdem Dr. C. Otto bereits mehrere Projekte gemeinsam mit der Recklinghäuser Carl Still GmbH, ebenfalls ein namhafter Kokereianlagenbauer, durchgeführt hatte, übernahm diese 1987 den Bochumer Konkurrenten, und es entstand die Still Otto GmbH mit Sitz in Bochum. Dr. C. Otto hatte zu dieser Zeit weltweit rund 72.000, beide Unternehmen gemeinsam mehr als 100.000 Koksöfen errichtet. Noch im selben Jahr ging die Mehrheit des neuen Unternehmens an den Thyssen-Konzern über, worauf der Firmenname in Thyssen Still Otto GmbH geändert wurde. Es folgten mehrere Umfirmierungen und nach der Fusion der Thyssen AG mit der Krupp AG zur ThyssenKrupp AG 1999 die Zusammenlegung aller Kokereibauaktivitäten in der TK EnCoke GmbH, heute unter dem Firmendach von ThyssenKrupp Uhde, einem der bedeutendsten deutschen Anlagenbauunternehmen. Der Feuerfestbereich in Dahlhausen ist weiterhin als Werksteil Dr. C. Otto der Firmengruppe P-D Refrectories (Preiss-Daimler) in Bochum aktiv.

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Dr.-C.-Otto-Str. 222
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