Hauptfriedhof Bochum

Hauptfriedhof Bochum. Foto: RIK / R. Budde

Der Bochumer Hauptfriedhof am Freigrafendamm wurde zwischen 1929 und 1932 angelegt. Wahrscheinlich aufgrund der Weltwirtschaftskrise mussten die Errichtung der Betriebsgebäude und des Eingangsbereich zunächst zurückgestellt werden. Dies wurde dann zwischen 1935 bis 1941 nachgeholt, als die Bauten des Hauptfriedhofs im Sinne repräsentativer nationalsozialistischer Bauauffassung in mehreren Bauabschnitten entstanden. Im Wesentlichen war die Anlage jedoch bereits Ende 1939 fertiggestellt, danach folgten nur noch einzelne Ergänzungen. Sie ist heute mit Ausnahme der von Paul Perks als Totentanz gestalteten Buntglasfenster der großen Trauerhalle nahezu unverändert erhalten und wurde nach ihrer Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Bochum 1989 in den Jahren 1994 bis 1996 in Teilen restauriert und renoviert. Die Traueranlage am Freigrafendamm ist das einzige vollendete und erhaltene Beispiel nationalsozialistischer Staatsarchitektur in Bochum und besitzt auch für das Ruhrgebiet einen einzigartigen Charakter.

Architekten waren der Bochumer Stadtbaurat Heinrich Timmermann und sein damaliger Mitarbeiter Wilhelm Seidensticker, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Bochum als eigenständiger Architekt auch die Hauptverwaltung der BV-Aral AG und das neue Verwaltungsgebäude des Bochumer Vereins planen sollte. Die ausgedehnte Anlage besteht aus zwei Trauerhallen. Die größere, an einen Tempel erinnernde dient als Aufbahrungshalle des dahinterliegenden Krematoriums, während die kleinere, gegenüberliegende für Andachten im Rahmen von Erdbestattungen ausgestattet wurde. Beide Hallen verbindet ein niedriger, L-förmiger Verbindungsflügel, der zugleich die Leichenzellen aufnimmt. Entlang der Straße erstreckt sich ein rund 160 m langer Baukomplex, der ein Ensemble unterschiedlicher, ebenfalls niedriger Bauten umfasst, darunter den Haupteingang, ein Verwaltungs- und Wohngebäude, zwei Wandelgänge, zwei größere und drei kleinere Wartehallen, ein Blumenladen und Toiletten.

Zur Anlage gehören weiterhin eine Terrasse neben der großen Trauerhalle, die an einen Urnenhof grenzt, sowie eine mit Plattenwegen durchzogene Rasenfläche vor dem zur Straße zurückgesetzten Haupteingang. Auf der Rückseite der Anlage liegen die Friedhofsgärtnerei mit Betriebsgebäude, ein Betriebshof sowie das Krematorium. Die Architekten legten Wert auf die Verwendung „heimischer Materialien“. Das tragende Mauerwerk der gesamten Anlage wurde in Beton oder Ziegel ausgeführt und dann mit grau-grünem Ruhrsandstein in flacher Schichtung verblendet. Ursprünglich stand die Farbe des Mauerwerks im Kontrast zum roten Sollingstein der Treppen, Terrassen und Wege, die heute vergraut sind.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Gebäude weitergenutzt und nur die diversen Hakenkreuze verbrämt oder entfernt. 1954 folgte die symbolische Christianisierung der Anlage. Gegenüber der großen Trauerhalle wurden als zentrales Mahnmahl der Stadt Bochum ein Hochkreuz und eine Mosaikwand mit einem Klage-Motiv „Niobe“ des Bochumer Künstlers Ignatius Geitel errichtet, die sich durch seine Farbigkeit und zeitgenössische Modernität deutlich von der Sandsteinarchitektur abhebt.

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die hier neben weiteren ermordeten Widerstandskämpfern beigesetzt sind, gehört der Bergarbeiterführer und SPD-Reichstagsabgeordnete Fritz Husemann (1873-1935), der im KZ Esterwegen von den Nazis ermordet wurde. Seine Beerdigung, an der 2000 Personen teilnahmen, war ein beeindruckendes Dokument der Popularität Husemanns und für den Zusammenhalt der Bergarbeiterbewegung. Weitere Gräberfelder bergen u.a. sowjetische Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Bochumer Bürger, die beim Bombenangriff am 4. November 1944 ihr Leben ließen.

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Kontakt & Infos

Hauptfriedhof Bochum
Immanuel-Kant-Str. 52
44803 Bochum-Altenbochum

ÖPNV

Von Bochum Hbf/Boulevard mit Bus 368 bis "Hauptfriedhof"