Melanchthonkirche

Foto: RIK / R. Budde

Die Gemeinde Wiemelhausen und das Ehrenfeld besaßen traditionell eine besondere Bedeutung für die evangelische Kirche in Bochum. Die Familie von Schell auf Haus Rechen (heute Kammerspiele des Schauspielhauses) hatte bereits im 16. Jahrhundert Kirchenräte gestellt. Jürgen von Schell soll während seines Studiums in Wittenberg Kontakte zu Martin Luther und seinem Freund Philipp Melanchthon gehabt haben. Vom Ostermannschen Hof stammten die ersten lutherischen Pfarrer Bochums, Johann Ostermann, der Erbauer der Pauluskirche, und sein Sohn Johann Konrad.

Nachdem 1874 aus der größeren lutherischen und der kleineren reformierten Gemeinde die evangelische Kirchengemeinde Bochum entstanden war, dauerte es noch bis 1892, bis Wiemelhausen eine eigene Pfarrstelle erhielt. Die von der Bochumer Stadtgrenze bis zum Lottental reichende Landgemeinde zeichnete sich durch eine kleinteilige Siedlungsstruktur ohne eigentliches Zentrum aus und besaß zu diesem Zeitpunkt nur den 1883 an der Wasserstraße angelegten Friedhof sowie ein kurz darauf eingerichtetes Bethaus an der Ecke Wasserstraße/Wiemelhauser Straße (heute Haus Vocke). 1903 wurde dann in Wiemelhausen die Petrikirche eingeweiht.

Als ab 1904 südlich des ehemaligen Bochumer Hauptbahnhofs die Entwicklung des Ehrenfelds zu einem neuen Stadtteil begann, wuchs auch hier rasch der Bedarf nach einer eigenen Kirche. Obwohl schon 1906 ein Kirchbauverein gegründet wurde, verzögerten sich die Planungen bis 1911, da in der Gemeinde für einen zweiten Kirchenbau innerhalb derart kurzer Zeit keine Mittel vorhanden waren.

Das nach Vorbild der Velberter Christuskirche von Carl Krieger (Düsseldorf) und Jakob Hudlet (Essen) entworfene Gotteshaus wurde in Ergänzung zur 1911 am Stadtpark entstandenen Lutherkirche Melanchthonkirche genannt. Anfang November 1913 erfolgte die Einweihung des Komplexes mit Konfirmandensaal und Pfarrhaus. Seit 1930 ergänzt das Ernst-Moritz-Arndt-Haus als Gemeindehaus das Ensemble.

Die Melanchthonkirche wurde bereits beim ersten großen Luftangriff auf Bochum im Mai 1943 so schwer getroffen, dass sie nicht mehr benutzbar war. Als Notkirche diente der Gemeinde ab Sommer 1943 zunächst das Ernst-Moritz-Arndt-Haus, bis auch dieses im November 1944 weitgehend zerstört wurde. Der Wiederaufbau der außen weitgehend unveränderten, innen jedoch neu gestalteten Melanchthonkirche konnte 1950 abgeschlossen werden.

Da die Melanchthonkirche auf dem Gelände des ehemaligen Privatfriedhofs der Familie von Schell im alten Rechener Wald errichtet wurde, mussten die bis ins 16. Jahrhundert datierenden Grabsteine verlegt werden. Bis heute befinden sich diese wichtigen, denkmalgeschützten Zeugnisse der Bochumer Adelsgeschichte an der Südseite der Kirche.

Seit den 1990er Jahren dient die Kirche als Zentrum lebendiger Kulturarbeit. Der Kulturraum Melanchthon macht den Kirchenraum als spirituellen und zugleich öffentlichen Raum erfahrbar, in dem Musik, Literatur und Bildende Kunst in einen Dialog mit kirchlichen Situationen treten.

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Kontakt & Infos

Melachthonkirche
Evangelische Kirchengemeinde Bochum-Wiemelhausen
Gemeindebüro
Königsallee 48
44789 Bochum
Telefon: +49 (0) 234 / 31 22-41

ÖPNV

Von Bochum Hbf mit Bus 353 bis „Christstr.“