Opel

Foto: RIK / R. Budde

Ende der 1950er Jahre wurde Bochum als erste Großstadt des Ruhrgebiets massiv von den Auswirkungen der Kohlenkrise getroffen. Allein die Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) schloss innerhalb kurzer Zeit drei Großschachtanlagen. Bis 1962 verlor die Stadt rund 17.500 Arbeitsplätze im Bergbau, bis 1967 sollten es 40.000 werden. Da bundesweit vielfach Vollbeschäftigung herrschte und zur Sicherung des Standortes Deutschland die ersten „Gastarbeiter“ angeworben wurden, werten zahlreiche außerhalb des Ruhrgebiets ansässige Unternehmen die Situation auch als Chance. In umgeschulten Bergarbeitern sahen sie das zur Erweiterung ihrer Produktionskapazitäten notwendige Personal.

Die Rüsselsheimer Adam Opel AG befasste sich seit Ende der 1950er Jahre mit dem Projekt eines völlig neu entwickelten Opel Kadett als neuem Volumenmodell in Konkurrenz zum VW-Käfer und dachte ähnlich. Die Suche nach einem geeigneten Standort für eine Werksansiedlung konzentrierte sich bald auf Bochum, das als Stadt des Zechensterbens in den Medien mittlerweile eine traurige Berühmtheit erlangt hatte. Im Zentrum des Interesses stand bald die kurz zuvor abschließend stillgelegte Zeche Dannenbaum 1 in Laer. Dazu kam 1962 das Gelände der Zeche Bruchstraße in Langendreer.

Da die Stadt Bochum nur über einen kleinen Teil der gewünschten Flächen verfügte, die Adam Opel AG jedoch als Geschäftspartner nur die Stadt selbst akzeptierte, erwarb diese das Restgrundstück von der GBAG, um es baureif zu machen und dann weiterzuverkaufen. Hintergrund dieser Forderung war das Ziel des Unternehmens, der Stadt Bochum nicht nur die Abbruchkosten zu überlassen, sondern darüber hinaus auch die ausschließliche Haftung für alle Bergschäden aufzubürden. Neben diesem in seiner Tragweite wohl einzigartigen Vorgang soll die Stadt bedeutende Zugeständnisse beim späteren Verkaufspreis für das Grundstück gemacht haben. Dazu kam die Übernahme aller Kosten für den Infrastrukturausbau rund um das Werk wie dessen Anschluss an den Opelring und die Erweiterung der Wittener Straße. Mit der Übernahme des Kraftwerks der Zeche Prinz Regent durch die Stadtwerke Bochum wurde zudem die Energieversorgung des Opelwerks gesichert.

Nach rund zweijähriger Bauzeit wurde das Opel-Werk Bochum im Oktober 1962 mit 9.000 der vorgesehenen 14.000 Mitarbeiter eröffnet. Schon nach wenigen Wochen liefen bis zu 1.000 Kadetten täglich vom Band. Bis 1991, als die Produktion des Modells eingestellt wurde, waren es 7,5 Mio. Daneben entstanden in Bochum die beiden Opelkultautomobile. Zwischen 1968 und 1973 fertigten die Mitarbeiter die Gesamtproduktion von rund 100.000 Stück des zweisitzigen Coupés Opel GT, dessen Bodengruppe, Fahrwerk und kleinere Motorisierung aus dem Kadett B stammten. Die aus Frankreich kommenden Karosserien wurden in Bochum endmontiert. Dazu kamen Anfang der 1970er Jahre der Manta A als Coupé des zeitgleich eingeführten Ascona A, die ebenfalls in Bochum gebaut wurden. Anfang der 1990er Jahre ersetzte der Astra den Kadett und seit 1999 wurde zudem der Zafira im Bochumer Werk hergestellt.

Nachdem bereits in den vergangenen Jahren die Zukunft des Opelwerks in Bochum immer wieder Thema der Strukturdiskussionen des Mutterkonzerns General Motors gewesen war und die 2011 noch rund 5.100 Mitarbeiter zur Standortsicherung zahlreiche Zugeständnisse gemacht hatten, folgte Ende 2012 die Nachricht von der Einstellung der Fahrzeugproduktion. Mit dem Beschluss zur Werksschließung Ende 2014 endet in Bochum ein über die Jahrzehnte betrachtet durchaus erfolgreiches Projekt des Strukturwandels mit rund 20.000 Arbeitsplätzen in den 1970er Jahren und letztlich auch eine über 50jährige Tradition des Automobilbaus im Ruhrgebiet.

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Kontakt & Infos

Adam Opel AG
Werk Bochum
Opelring 1
44803 Bochum

ÖPNV

Von Bochum Hbf mit Straßenbahn 302 oder 310 bis "Laer Mitte", dann 10 Minuten Fußweg