Stahlwerke Bochum

Stahlwerke Bochum 1952

2020 können die Stahlwerke Bochum auf eine 200jährige Geschichte zurückblicken. Neben dem Bochumer Verein waren sie seit den 1920er Jahren der bedeutendste Stahlerzeuger Bochums.

Die Ursprünge der Stahlwerke Bochums liegen in mehreren mittelständischen Betrieben, darunter die um 1820 entstandene Seilerei von Johann Hermann Vennemann (1798-1845). Die engen geschäftlichen Kontakte zum Bergbau führten bald zu familiären Verbindungen. Vennemanns Tochter Wilhelmine heiratete mit Heinrich Grimberg 1857 einen der später bedeutendsten Montanindustriellen der Region, der kurz zuvor die Dortmunder Zeche Minister Stein mitgegründet hatte und ab 1872 an der Entstehung der Bochumer Zeche Lothringen sowie weiterer Anlagen beteiligt war. 1880 wurde die Firma Vennemann & Comp. in „Heinrich Grimberg & Christian Hilgerd“ umbenannt. Ab 1895 produzierte auf dem Betriebsgelände an der Alleestraße zudem die Firma „Grümer & Grimberg“ Grubenlampen und Zünder für den Bergbau.

1907 zogen die Betriebe an die Karl-Lange-Straße in den Bereich des heutigen Werksgeländes. Neben der Intensivierung des Auslandsgeschäfts wurde das Produktionsprogramm auf Eisenkonstruktionen und Maschinen wie Streckenförderungen für den Bergbau ausgedehnt. Dazu kam der Betrieb von Lampenstuben auf den Zechen.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg brachte umfangreiche Veränderungen mit sich. 1924 beschloss die Bergbau AG Lothringen, mittlerweile Mehrheitseigentümerin der Firma, den Bau eines eigenen Stahl- und Walzwerks in Bochum an der Castroper Straße, wohin nun auch der Werkseingang verlegt wurde. Die Eisen- und Hüttenwerke AG (EHW) nahm 1927 den Betrieb mit Siemens-Martin-Öfen, einem Warmwalzwerk und schließlich einem Kaltwalzwerk auf.

Im Verlauf der Weltwirtschaftskrise geriet der Lothringen-Konzern in massive Schwierigkeiten, und verkaufte die Aktienmehrheit der EHW 1936 an den Otto-Wolff-Konzern. Angesichts vergleichsweise geringer Kriegsschäden produzierte das Unternehmen in Bochum bis Kriegsende und erhielt bis Anfang 1946 wieder Betriebsgenehmigungen für alle Bereiche.

Im Zuge der Neuordnung der Eisen- und Stahlindustrie wurde im Februar 1947 die Stahlwerke Bochum AG (SWB) gegründet und im August 1951 in eine Einheitsgesellschaft umgewandelt. Größte Aktionäre waren nun die Allianz-Lebensversicherungs-AG und ein Bankenkonsortium. Das Unternehmen beschränkte sich beim Bau neuer Anlagen zunächst auf ein Breitbandkaltwalzwerk, das Ende 1954 in Betrieb ging, führte aber kurz darauf ein in Deutschland neues Verfahren zur Erzeugung von Elektroblechen ein. 1961 übernahm die Firma Otto Wolff erneut die Aktienmehrheit an der SWB.

Die Stahlkrise der 1960er Jahre hinterließ deutliche Spuren bei der SWB. 1966 endete die erst kurz zuvor aufgenommene Elektrostahlproduktion, und kurz darauf wurden die Blockstraße und das Warmbandwalzwerk stillgelegt. Die Belegschaft sank von knapp 6.000 auf 3.300 Mitarbeiter. Es folgte die Gründung der Elektroblech Gesellschaft mbH (EBG) und der Einstieg der August Thyssen-Hütte AG. Mit dem 1973 eröffneten neuen Kaltwalzwerk, einem der weltweit leistungsstärksten, avancierte die SWB zum größten Elektroblechhersteller Europas.

1989 fasste der Thyssen-Konzern seine Elektroblechaktivitäten in der EBG Gesellschaft für Elektromagnetische Werkstoffe GmbH zusammen. 2002 wurden sie in die ThyssenKrupp Electrical Steel GmbH überführt. Den traditionsreichen Namen „Stahlwerke Bochum“ führt der 2004 als eigenständige Gesellschaft ausgegliederte Gießereibetrieb.

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Kontakt & Infos

Stahlwerke Bochum GmbH
Castroper Str. 238
44791 Bochum
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