Villa Nora und Villa Rosenstein-Markhoff

Foto: RIK / R. Budde

Während der Hochkonjunktur des ausgehenden 19. Jahrhunderts herrschte im Bochumer Stadtparkviertel eine rege Bautätigkeit. Zahlreiche Manager und Unternehmer investierten ihre wachsenden Einkünfte in eine repräsentative Villenarchitektur.

So auch Heinrich Koehler (1836-1907), Generaldirektor der westfälischen Stahlwerke (Rombacher Hütte), der zwischen 1897-1899 ein standesgemäßes Wohnhaus errichten ließ. Das nach dem Kosenamen seiner Frau Amélie bald als Villa Nora bezeichnete Gebäude verfügte über mehr als 40 Zimmer, einen Herrschaftseingang mit entsprechendem Treppenhaus sowie einen separaten Dienstboten- und Lieferanteneingang. Die Villa Nora wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg von Hans Balcke, Inhaber der gleichnamigen Bochumer Maschinenbau-AG, erworben. Das Unternehmen gehörte zu den renommierten Anlagenbauern des Ruhrgebiets und war auf Großkühl- und Kondensationsanlagen spezialisiert.

Mitte der 1920er Jahre mietete die Stadt Bochum die Villa und brachte in ihr fortan die Städtische Gemäldegalerie unter. Mit dem Anlauf durch die Stadt nach Kriegsende begann eine Phase stetig wechselnder Nutzungen, darunter als Verwaltung der Stadtwerke Bochum sowie als Schulräume für die benachbarte Goetheschule und die Fachhochschule Bochum. 2006 erwarb die Stiftung der Sparkasse Bochum die 1989 unter Denkmalschutz gestellte Villa Nora, renovierte sie umfassend und nutzt sie seither gemeinsam mit dem Museum Bochum.

Zur gleichen Zeit wie Köhler, zwischen 1898 und 1900, realisierten auf der gegenüberliegenden Straßenseite Rechtsanwalt und Justizrat Ernst Marckhoff (1864-1912) und der Bauunternehmer und Stadtrat Ludwig Rosenstein (1852-1913) ein ebenso repräsentatives wie eigentümliches Bauvorhaben, das architektonisch an die Pariser Oper angelehnt ist: eine Doppelhaus-Villa. Der Eingang Rosensteins lag an der Goethestraße, der Marckhoffs gegenüber an der heutigen Kortumstraße. 1905 weihte die Stadt Bochum vor der Schaufassade in einer kleinen Grünanlage das Kaiser-Wilhelm-Denkmal als ihr bedeutendstes Denkmal ein, wodurch der Standort nochmals aufgewertet wurde.

Beide Bauherren besaßen enge Beziehungen zur Bochumer Wirtschaft und waren später stark im Bereich der deutschen Zementindustrie engagiert. Nach dem Ersten Weltkrieg betrieb die Bochumer „Kasino-Gesellschaft“ bis Mitte der 1930er Jahre in der Villa eine gehobene Gastronomie; dann übernahm die Nordwestliche Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller das Gebäude.

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Villa insbesondere auf der Rosenstein‘schen Seite erhebliche Schäden. 1957 kaufte die Stadt die Ruine, begann mit dem Wiederaufbau in reduzierter Form und eröffnete 1960 in den Räumen die „Städtische Kunstsammlung“, die sich zum heutigen „Museum Bochum“ entwickelte. Mit dem Einzug des Kunstmuseums in den zwischen 1981 und 1983 durch die dänischen Architekten Jorgen Bo und Vilhelm Wohlert errichteten benachbarten Neubau wurde die Villa zum Sitz der Museumsverwaltung. Es folgte ab 2008 eine zweijährige, aufwändige Sanierung der Sandsteinfassade und des Daches. Nach dem Umzug der Museumsverwaltung in die Villa Nora ist eine museale Nutzung der Villa Marckhoff-Rosenstein geplant.

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Kontakt & Infos

Kunstmuseum Bochum
Kortumstr. 147 (Villa Rosenstein-Markhoff)
Kortumstr. 156 (Villa Nora, Verwaltung)
44777 Bochum

Öffnungszeiten

Di, Do, Fr, Sa, So 10.00 - 17.00 Uhr
Mi 10.00 -20.00 Uhr

ÖPNV

Von Bochum Hbf mit Bus 336, 353 oder 394 bis „Kunstmuseum Bochum“