Themenroute 31 - Route Industriekultur und Bauhaus

Blick auf die Villa Willy Cuno in Hagen. Foto: Bildarchiv Foto Marburg

Nicht jede moderne Architektur ist Bauhaus. Dennoch ist die moderne Architektur im Ruhrgebiet nicht unabhängig vom Bauhaus entstanden. Beziehungen, auch künstlerische, sind kompliziert. Was das Verhältnis von Bauhaus und Industriekultur besonders macht, ist die Gegensätzlichkeit der Bedingungen. Dort das idyllische, beinahe ländliche Weimar bzw. Dessau, hier die hochindustrialisierte Region mit ihrer Multikulti-Bevölkerung, dort Goethe und Schiller, hier Krupp und Thyssen. Das Bauhaus als Denkfabrik war ein Elfenbeinturm, der Tendenzen destillieren und fokussieren konnte, nicht nur in der Architektur, sondern in der gesamten bildenden Kunst, im Kunsthandwerk und vor allem in der Lehre, und dadurch auf ganz Deutschland ausstrahlte. Dort traf der Einfluss des Bauhauses auf parallele Reformbestrebungen, die sich in verschiedenen kulturellen Zentren ebenfalls etabliert hatten; in Berlin etwa oder auch in Hamburg. Für sie alle gilt der Begriff „Neue Sachlichkeit“ und „Neues Bauen“.

Auch im Ruhrgebiet hatte sich schon vor der Gründung des Bauhauses moderne Architektur ereignet. Der Hagener Impuls war überhaupt, wenn man so will, eine Brutstätte des Bauhauses. Walter Gropius hatte seine Idee von der Bedeutung der monumentalen reinen Formen von Silobauten für die Neuformulierung der Architektur im Kreis um den Hagener Kunstsammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus erstmals der Öffentlichkeit vorgetragen. Hannes Meyer arbeitete im Büro Metzendorf an der Planung der Margarethenhöhe. Später wird Ludwig Mies van der Rohe im benachbarten Krefeld seine berühmten Häuser Lange und Esters bauen. Damit waren alle drei Bauhausdirektoren in der Region präsent.

 

„Anstinken“ gegen Abraumhalden und Gleisfelder

Industrialisierung im Bauen wurde am Bauhaus in der Theorie hochgehalten und im kleinen Maßstab getestet. Das Ruhrgebiet mit seinen führenden Architekten hatte Industrie im größten damals denkbaren Maßstab umzusetzen und trieb damit auch die Industrialisierung des Bauens voran, produzierten die großen Stahlfirmen die Bauteile ihrer Bauten doch meist selbst. Aber auch die Industrialisierung des Wohnbaus musste im Revier angedacht werden, um die Arbeiter der Industrie und des Bergbaus unterzubringen. Hier entstand neben den Zentren Berlin und Hamburg die moderne deutsche Massengesellschaft.

Verkehrsmittel, öffentliche Einrichtungen, Kirchen, aber auch Kultureinrichtungen wurden zunehmend nicht mehr den bürgerlichen Standards des 19. Jahrhunderts unterworfen, sondern richteten sich an die Massen einer modernen, entfremdeten Gesellschaft. Dem passten sich auch die Architekten des Reviers an. Größer, deutlicher, expressiver musste die Architektur hier sein. Nicht kleckern, klotzen war die Devise, nicht die subtilen Ecklösungen der Glasfassaden eines Gropius waren hier gefordert, sondern große deutliche Eingänge, Uhrtürme, dramatische Baukuben, schließlich musste man gegen die Fördertürme und Schachtanlagen „anstinken“, gegen Abraumhalden und Gleisfelder, gegen Lichtfackeln und den omnipräsenten Dreck. Die Reinheit der Bauhausarchitektur war im Revier keine Option.

Die Themenroute Bauhaus und Industriekultur führt in drei Regionen des Ruhrgebiets: nach Hagen und Wetter mit dem Museum Osthaus, dem Hohenhof oder der Stirnbandsiedlung; nach Essen und Bottrop mit dem UNESCO-Welterbe Zollverein, der Margarethenhöhe oder dem Museum Quadrat und nach Oberhausen und Duisburg, wo unter anderem das Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte oder die Ratingsee-Siedlung, davon zeugen, wie sehr die Bauhaus-Bewegung auch im Westen das Bauen und Gestalten beeinflusste. Insgesamt stellt die Themenroute 18 Standorte in der Region vor.

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Die Autorin

Ruth Hanisch ist Architekturhistorikerin, sie lebt und arbeitet in Dortmund. Ihre Forschungsschwerpunkt ist Architektur und Städtebau im 19. und 20. Jahrhundert in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Sie unterrichtet u.a. an der Universität Kassel und der ETH Zürich.

Gedruckte Broschüre

Eine gedruckte Version der Broschüre kann über den RVR Online Shop bestellt werden und ist zudem an einigen Standorten der Themenroute sowie im Baukunstarchiv NRW in Dortmund erhältlich.

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