Versorgt!

Dem Thema "Betriebliche Fürsorge" widmet sich die St. Antony-Hütte in Oberhausen in ihrer aktuellen Ausstellung.

Mit der Fotoausstellung "Versorgt! – Betriebliche Fürsorge bei der GHH“, die bis zum 20. Juni 2021 zu sehen ist, präsentiert das LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte in Oberhausen einen besonderen Ausschnitt aus dem historischen Bildarchiv der Gutehoffnungshütte (GHH). Auch wenn die Arbeit der Werksfotografie der GHH in erster Linie der Selbstdarstellung eines großen internationalen Industriekonzerns diente, ermöglicht sie besondere Einblicke in die Lebensumstände einer Zeit, als die Montanindustrie bestimmend für das Ruhrgebiet war. Im Mittelpunkt dieser Sonderausstellung steht die betriebliche Fürsorge bei einem der einst größten internationalen Montan- und Industriekonzerne, der die Stadt Oberhausen und die Region im westlichen Ruhrgebiet wie kein zweiter geprägt hat.

Mit der Industriellen Revolution setzte eine umfassende Veränderung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ein. Die großen Unternehmen benötigten immer mehr Arbeitskräfte, die meist vom Lande sowie aus entfernteren Regionen kamen. Arbeitsschichten von über 12 Stunden am Tag, Kinderarbeit, Verdienste an der Grenze des Existenzminimums, fehlen-der Arbeits- und Krankenschutz sowie Wohnungsnot prägten ihre Lebenssituation. Den Unternehmen war jedoch im eigenen Interesse daran gelegen, Motivation und Leistungsbereitschaft der Belegschaften zu stärken und die Fluktuation der Arbeitskräfte einzudämmen. Nur so konnten Produktion und Produktivität gesichert und ausgebaut werden. Vor diesem Hintergrund gewann die betriebliche Sozialfürsorge als ein Teil innerbetrieblicher Anreizsysteme an Bedeutung.

Wie bei den meisten anderen großen Ruhrkonzernen war auch für die GHH die betriebliche Sozialpolitik von besonderer Bedeutung. Ob Gesundheitspflege, Siedlungsbau, Kinderbetreuung oder Invalidenversorgung, diese Angebote entsprangen dem Selbstverständnis einer strengen aber fürsorglichen Zuwendung zur Belegschaft. Und mit der bevorzugten Zuweisung von gutem Wohnraum oder anderen attraktiven Anreizen konnte man die heiß begehrten Fachkräfte für das Unternehmen gewinnen. Zudem trug eine gelungene Sozialpolitik zur positiven Außendarstellung des Unternehmens bei.

45 Fotografien aus der Zeit von 1900 bis 1948 geben einen Einblick in die betriebliche Fürsorge der GHH, die das komplette Leben der Arbeiter und ihrer Familien von der Kindheit über Schule und Ausbildung, Wohnen und Altersvorsorge umspannte. Die Abbildungen zeigen Säuglingsheime, Jubiläumsfeiern, Sanitätseinrichtungen, Wohnungsbau, Kinderfeste, Konsumanstalten. Auch die zahlreichen Feierlichkeiten, die die GHH organisierte, wie Kinderfeste, Weihnachtsbescherungen oder auch Freizeitveranstaltungen wurden von ihren Fotografen festgehalten. Diese Dokumente spiegeln auf eindrucksvolle Weise Leben und Alltag der mit der GHH verbundenen Menschen.
 

LVR-Industriemuseum
St. Antony-Hütte
Antoniestraße 32-34
46119 Oberhausen
www.industriemuseum.lvr.de

Die St. Antony-Hütte ist seit Ende 2019 ein Ankerpunkt der Route der Industriekultur.

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