"Architekt des neuen Ruhrgebiets": Prof. Dr. Karl Ganser ist tot

Prof. Dr. Karl Ganser, Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park (1989-1999), ist mit 84 Jahren gestorben.

Im November 2021 wurden auf Initiative Christoph Zöpels, dem ehemaligen Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr des Landes NRW, 32 Kartons aus Bayern an das Baukunstarchiv NRW in Dortmund geliefert. Sie enthalten den Nachlass des Stadtplaners und Geografen Karl Ganser, den Bundespräsident Johannes Rau 1999 beim Finale der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park als "einen der Architekten des neuen Ruhrgebiets" würdigte. Karl Ganser verstarb am 21. April 2022 im Alter von 84 Jahren in seinem Heimatort Breitenthal.

Prof. Dr. Karl Ganser (1937-2022) studierte Chemie, Biologie und Geografie. Von 1971 bis 1980 war er Leiter der Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. Im Anschluss wechselte er ins Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr des Landes NRW unter dem Minister Christoph Zöpel.

Nach einem Besuch der "Internationalen Bauausstellung 1987" in Berlin schlug Ganser seinem Minister etwas ähnliches als Strukturförderprogramm für das nördliche Ruhrgebiet vor. Mit Erfolg: 1989 wurde er zum Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park ernannt. Und so wurden unter Gansers Federführung insbesondere ehemalige Industrieanlagen und deren Umwidmung zur Basis des Strukturwandels.

Weg mit den Zechen, weg mit den Hochöfen, weg mit allem, was an Schmutz und Arbeit erinnert - das war das Konzept, das vielen für das Ruhrgebiet vorschwebte. Gansers Konzept: Erstmal stehenlassen. Was man heute stehenlässt, kann man morgen immer noch abreißen. Aber was man heute abreißt, kann man morgen nicht wieder aufbauen. Gerne sprach Ganser über das "magische Dreieck": Nachhaltigkeit, Respekt vor der Geschichte und regionale Identität. Und wenn er sprach, dann merkte man, dass er nicht aus Bottrop oder aus Wanne-Eickel kam, sondern aus Bayern. Das Ruhrgebiet war für ihn die "Liebe auf den zweiten Blick", so der Titel seines Rückblicks auf die mehr als 100 Projekte der IBA.

Mit dieser IBA verhinderte Ganser den Abriss Zollvereins in Essen, des Gasometers Oberhausen und des Hüttenwerks Meiderich, heute bekannt als Landschaftspark Duisburg-Nord. Auch die Entwicklung des Nordsternparks in Gelsenkirchen war Teil eines der zentralen IBA-Projekte: der Schaffung des städteübergreifenden Regionalparks Emscher Landschaftspark. Und: Im Rahmen der Abschlusspräsentation der IBA Emscher Park wurde am 29. Mai 1999 die Route Industriekultur feierlich auf Zollverein eröffnet.

Für seine Arbeit wurde Ganser, der nach 1999 als Berater und Publizist arbeitete, mehrfach ausgezeichnet - unter anderem mit der Ehrendoktorwürde der Ruhr-Universität Bochum und dem Titel "Bürger des Ruhrgebiets". "Mit Karl Ganser verliert die Region einen Ruhrgebiets-Visionär und einen wichtigen Impulsgeber der Route Industriekultur. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz für den Erhalt heutiger Kathedralen der Industriekultur wäre das Bild vom erfolgreichen Strukturwandel im Ruhrgebiet ein anderes", so Karola Geiß-Netthöfel, Direktorin des Regionalverbandes Ruhr (RVR). "Mit seinem Elan und seiner Durchsetzungskraft hat er auch das Fundament der erfolgreichen Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 gelegt. Karl Ganser gehört zu den großen Persönlichkeiten der Metropole Ruhr, die Nachhaltiges geschaffen hat. Entlang der Route Industriekultur lässt sich bis heute das Schaffen von Ganser eindrucksvoll nachvollziehen.“

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