Ruhrtriennale 2022: Blickwechsel, Wandel und Übergang

Eine vielstimmige Ruhrtriennale 2022 lädt vom 11. August bis 18. September zu Entdeckungen ein. Der Kartenvorverkauf hat begonnen.

Von Donnerstag, 11. August, bis Sonntag, 18. September 2022, lädt die Ruhrtriennale zu künstlerischen Entdeckungen in einer Vielzahl von ehemaligen Industriehallen ein. Geplant sind 36 Produktionen und Projekte, darunter sieben Eigen- und Koproduktionen, fünf Uraufführungen, eine europäische und fünf deutsche Erstaufführungen. Das Festival, das 2022 an acht Orten in den Städten Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck stattfindet, beteiligt mehr als 500 Kunstschaffende aus über 30 Ländern. Der Kartenvorverkauf startet heute, den 28. April. Bis zum 29. Mai bietet ein Frühbucherrabatt 15 % Ermäßigung auf den Kartenkauf.

Vielstimmige internationale Positionen im Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Performance, Konzert, Installation, Literatur und Dialog verhandeln gegenwärtige Themen, suchen nach der Kraft des Blickwechsels, von Wandel, Übergang, Transzendenz und Entgrenzung. Das jährliche Festival der Metropole Ruhr ist die zweite Ausgabe unter der auf drei Jahre angelegten Intendanz der Schweizer Theaterregisseurin Barbara Frey.

Die eröffnende Musiktheaterkreation "Ich geh unter lauter Schatten", in der Regie von Elisabeth Stöppler und verortet in der Jahrhunderthalle Bochum, fragt nach dem, was das Leben mehr bestimmt als seine Endlichkeit. Der Komponist Gérard Grisey schickt mit seinen "Vier Gesängen, die Schwelle zu übertreten" nichts weniger als die Menschheit über die ominöse Schwelle, vier Darstellerinnen öffnen Türen zu verwandten Geistes- und Klangwelten. Utopische Neukonstruktionen sind auch für die zweite Musiktheater-Produktion zentral: der inszenierte Instrumentalzyklus "HAUS" der Komponistin Sarah Nemtsov.

Die Theaterregisseurin Barbara Frey setzt als Festivalintendantin die Zusammenarbeit mit dem Burgtheater Wien und dessen herausragendem künstlerischem Ensemble fort. Arthur Schnitzlers "Das weite Land" ist ein Fest für Schauspielerinnen und Schauspieler. In der Jahrhunderthalle Bochum zur Premiere gebracht, zeichnet Barbara Frey darin eine Gegenwartsbeschreibung unseres Zusammenlebens. Weitere Produktionen des diesjährigen Schauspielprogramms erkunden Vergangenheit und Zukunft von Zusammenkunft, darunter das energetisierende "Respublika": Angesiedelt zwischen Techno, Film, Tanz, Performance und Installation, steht hier die Erprobung zukünftiger Formen von Begegnung im Mittelpunkt.

Die mit großer Vorfreude erwartete multidisziplinäre Filminstallation "Euphoria" von Julian Rosefeldt ist eine ebenso intensive Betrachtung gesellschaftlicher Gegenwart, sucht den Weg dahin zu fassen. Der Videokünstler und Filmemacher begeisterte bereits 2016 das Publikum der Ruhrtriennale mit "Manifesto". Die raumgreifende Tour de Force durch die Geschichte der Wirtschaftstheorie ist in Halle 5 auf Zollverein in Essen zu erleben.

Vielgestaltig ist das Konzertprogramm: Der in der Bochumer Jahrhunderthalle stattfindende sinfonische Abend "Vergessene Opfer" lässt mit Werken von Galina Ustwolskaja, Franz Liszt, Olivier Messiaen und Luigi Nono Schmerz zu Klang werden, intoniert durch die Duisburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Elena Schwarz. Die Gladbecker Maschinenhalle Zweckel beheimatet mit "Schwerkraft und Gnade" Kompositionen von Lili Boulanger, Francis Poulenc und Igor Strawinsky, interpretiert von Chorwerk Ruhr und den Bochumer Symphonikern unter der musikalischen Leitung von Florian Helgath. Die archaische Wucht der Werke von Iannis Xenakis - 2022 jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal - wird in „Organicum“ erlebbar, neben naturinspirierten Werken jüngerer Komponistinnen und Komponisten eindrucksvoll durch das Klangforum Wien unter der musikalischen Leitung von Patrick Hahn interpretiert.

Mit der Fortsetzung der Literatur- und Dialogreihe vertieft der Schriftsteller Lukas Bärfuss gemeinsam mit Gästen Fragen nach der Natur des Menschen - darunter die Schauspielerinnen Angela Winkler und Sandra Hüller sowie Klaus Staeck, der u.a. dafür bekannt geworden ist, dass er das politische Plakat zur Kunstform erhob.

Anfang und Abschluss setzt die Musik: Die Ruhrtriennale eröffnet am 11. August mit den "Mysteriensonaten" von Heinrich Ignaz Franz Biber zeitgleich an drei Spielorten und verbindet die Städte Duisburg, Bochum und Essen zu einem dezentralen Resonanzraum. Den Schlussakkord stimmt - nach einem die Nacht andauernden Rave - am Sonntagmorgen des 18. Septembers der Akkordeonist Thomas Hojsa in der Pappelwaldkantine an der Jahrhunderthalle Bochum an.

Auch das: Die Ruhrtriennale blickt 2022 auf 20 Jahre ihres Bestehens. Anlässlich des runden Geburtstages und als Warm-up für das fünf Jahre später anstehende 25-Jährige wird die Festivalgeschichte durch eine Online-Kampagne sichtbar gemacht. Zudem reflektieren die Festivalmachenden Perspektiven der Industriekultur am 8. September in Kooperation mit der 10. Kulturkonferenz Ruhr gemeinsam mit einer Vielzahl von Protagonistinnen und Protagonisten aus Kunst, Kulturpolitik und Verwaltung.

Programm
Die  Jahrhunderthalle Bochum ist ein Ankerpunkt auf der Route Industriekultur.
Das  Welterbe Zollverein ist ein Ankerpunkt auf der Route Industriekultur.
Die Maschinenhalle Zweckel ist ein Standort auf der  Themenroute 16 "Westfälische Bergbauroute".

Industriekultur: Alle Termine

Eine aktuelle Übersicht über alle Kulturveranstaltungen auf der Route Industriekultur finden Sie bei

kulturinfo.ruhr