Kippenberger-Bücher und -Plakate in der Villa Hügel

Wenn die Corona-Vorschriften es zulassen, wird die Villa Hügel in Essen "zeitnah" eine Ausstellung über den Künstler Martin Kippenberger zeigen.

Es handelt sich dabei um eine Doppelausstellung gemeinsam mit dem Museum Folkwang. In den historischen Räumlichkeiten der Villa Hügel werden rund 120 Künstlerbücher und 140 Plakate Kippenbergers unter dem Titel "Vergessene Einrichtungsprobleme in der Villa Hügel" ausgestellt. Sie stammen aus dem Zeitraum von 1979 bis 1997. Für Kippenberger spielten Bücher und Plakate in allen Phasen seines Schaffens eine wichtige Rolle. Er bürstete sie ebenso lustvoll gegen den Strich wie die Kunstgattungen Malerei und Skulptur. Der ungewöhnliche Titel der Präsentation ist einer früheren Ausstellung entlehnt, die 1996 – noch zu Lebzeiten des Künstlers – in der Villa Merkel in Esslingen gezeigt wurde. Kippenberger (1953–1997) schuf dazu ein Buch, auf dessen Cover allerdings die Villa Hügel in seiner Heimatstadt Essen zu sehen ist.

Seine ein Eigenleben führenden Kataloge, seine Bücher und Buchobjekte sind experimentelle und oft provokative Kunstwerke. Sie stehen in der historischen Bibliothek der Villa Hügel in wirkungsvollem Kontrast zu den klassischen Buchbeständen der Familie Krupp. Zur Präsentation dieser Werke dient einzig das repräsentative Mobiliar, auf temporäre Einbauten wird gänzlich verzichtet. Die Künstlerbücher aus den Jahren 1979 bis 1997 finden hier — ganz im Sinne einer Bibliothek — ihren Platz sowohl nach chronologischen wie nach thematischen Gesichtspunkten. Das Buch war für Kippenbergers Sprachwitz ein ideales Medium und so publiziert er auch abseits von Ausstellungsprojekten Kalauer, Reiseberichte, tiefe Einsichten in zwei Zeilen und immer wieder Kommentare zur Kunstwelt.

Die Präsentation der Künstlerplakate im Obergeschoss der Villa Hügel richtet den Blick auf die Art und Weise wie Kippenberger Selbstinszenierung zelebriert und auf seine Stellung im Netzwerk mit befreundeten Künstlerinnen und Künstlern. Den Verbindungslinien zwischen den Gattungen Plakat und Künstlerbuch ist ein eigener Raum gewidmet. Der Mut zum Unkonventionellen und der Sinn zum Provokanten und Absurden machen Martin Kippenbergers Plakate zu einem wichtigen Teil seines künstlerischen Schaffens. Dabei nutzt er das Bild seiner eigenen Person schamlos und exzessiv, um sich und sein Anliegen tabulos zu inszenieren. Er zeigt sich in verschiedensten Lebenslagen und Lebensaltern. Mal sieht man ihn als Schulkind beim Abendbrot, als Halbwüchsigen nackt über eine Wiese rennend, als ernsten Jüngling oder extrovertierten Star. Kippenberger agiert mit ausgeprägter Fähigkeit zur Selbstironie, kann aber gleichzeitig prätentiös und eitel erscheinen.

Im Laufe seines Lebens schuf Martin Kippenberger fast 150 Bücher und mehr als 170 Plakate. Die präsentierten Arbeiten stammen aus der Sammlung des Museum Folkwang. Diese konnte in den vergangenen Jahren mit großzügiger Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erheblich erweitert werden.

Zeitgleich präsentiert das Museum Folkwang in Essen Kippenbergers selten gezeigtes Hauptwerk "The Happy End of Franz Kafka’s ‘Amerika’", das in der großen Ausstellungshalle in den beeindruckenden Dimensionen seiner "Urfassung" von 1994 zu sehen sein wird. Der Künstler verbrachte drei Jahre mit den Vorbereitungen, Recherchen und Produktionsmaßnahmen und integrierte Arbeiten zahlreicher weiterer Künstler/innen und Autor/innen in sein Werk. Kafkas literarische Vision "Amerika" übersetzte Kippenberger in ein dreidimensionales Bild, das Arena und Ausstellung zugleich ist. 50 Tisch-Stuhl-Ensembles – teils Ikonen der Möbeldesigns, teils Fundstücke, teils eigene Kunstobjekte – imaginieren ein improvisiertes Großraumbüro unter freiem Himmel als Schauplatz von massenhaften, gleichzeitig stattfindenden Einstellungsgesprächen.

Noch ist nicht sicher, wann Museen in Deutschland wieder öffnen dürfen - im Moment spricht einiges für die erste März-Hälfte. Die Kippenberger-Ausstellung ist bereits aufgebaut. Wenn die Erlaubnis vorliegt, werde man sie "zeitnah" eröffnen, so die Villa Hügel.

Die Villa Hügel ist ein Ankerpunkt auf der Route Industriekultur.
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