Kunst aus Ghana im Dortmunder U

"EFIE: The Museum as Home“: Die weltweit renommierte Kuratorin Nana Oforiatta Ayim präsentiert im Dortmunder U Kunst aus Ghana.

Die Ausstellung "EFIE: The Museum as Home" zeigt ab dem 10. Dezember im Dortmunder U historische und zeitgenössische Kunst aus Ghana. Zu sehen sind Videoarbeiten sowie multimediale Installationen. Diese Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler werden in Verbindung gebracht mit historischen Artefakten, Leihgaben aus deutschen Museen. "EFIE" bedeutet in den Akan-Sprachen "Zuhause" oder "Heim". Die Ausstellung stellt die Frage, wie ein Museum zu einem passenden Zuhause für die gezeigten Kunstwerke werden kann. Sie erweitert das traditionelle Verständnis von "Museum", hinterfragt althergebrachte Präsentationsformen und bietet neue Perspektiven - auf die Kunst, aber auch auf die Realität, der sie entstammen. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Kunsthistorikerin, Autorin und Filmemacherin Nana Oforiatta Ayim.

Neben den zeitgenössischen Werken werden in der Ausstellung historische Artefakte zu sehen sein, die von Gemeinschaften aus dem Gebiet des heutigen Ghana stammen und sich in den Sammlungen deutscher Museen befinden, darunter: das Übersee-Museum in Bremen, das MARKK in Hamburg und das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln. Zusammen mit den zeitgenössischen Kunstwerken soll die Ausstellung für diese Objekte der Versuch eines Genesungsorts werden, an dem sie sich von ihrer Vereinsamung erholen, die durch das Herausreißen aus ihrem ursprünglichen Kontext entstand.

Die Ausstellung ist bis zum 6. März zu sehen.

Hintergrund

Die so genannten enzyklopädischen Museen europäischer Machart mit ihren trans- und multikulturellen Sammlungen basieren auf mehreren Behauptungen. Eine davon ist, dass die Kulturgüter dort objektiv und wertneutral präsentiert würden. Tatsächlich konservieren die Museen eine subjektive, meist nationale, in jedem Fall rein europäische Perspektive auf die Welt - aber mit universellem Anspruch. Das typische Museum - ein repräsentativer Bau, thematische Galerien und klimatisierte Vitrinen - wurde über zwei Jahrhunderte standardisiert und in alle Welt exportiert. Der dabei offensichtlich hierarchische Blick - je nachdem woher Werke stammten - wurde bis vor wenigen Jahren kaum in Frage gestellt. Er führte unter anderem dazu, dass Kunstmuseen lange nur europäische oder US-amerikanische Künstlerinnen und Künstler zeigten, während Kunst aus dem Rest der Welt meist in ethnologischen Sammlungen landete. Dies galt auch für die Kunst aus dem Gebiet des heutigen Ghana und den 53 anderen Ländern des afrikanischen Kontinents.

Das Dortmunder U versteht sich als Haus, das relevante, gesellschaftliche Themen aufgreift, möchte unterschiedlichen Perspektiven Raum geben und daran mitwirken, den lang gültigen Blick von Europa auf die Welt zu verändern. Gründe genug also, die international gefeierte Kuratorin und Kulturproduzentin Nana Oforiatta Ayim zu bitten, ihre Version und Vision eines Museums mit ghanaischen Künstlerinnen und Künstlern im Dortmunder U zu inszenieren. Ayim folgt der Frage, welche Form ein Museum annehmen müsste, um in den jeweiligen Kontext aus Raum und Zeit und zu den gezeigten Kunstwerken zu passen: "Können wir unser Verständnis von Museum so herüberbringen, dass es auch die Idee eines Museums hier in Deutschland erweitert?"

Für die Ausstellung im Dortmunder U entwickelte der Architekt DK Osseo-Asare eine modulare Bambusstruktur innerhalb der Ausstellungsfläche. Er nennt sie Fufuzela. Sie beherbergt die Kunstwerke und verbindet sie miteinander. Dieses Museum wird also nicht durch Beton begrenzt, sondern besteht aus einem Netzwerk beweglicher Strukturen, in dem die Kunstwerke zu Hause sind. Die besondere Präsentation der Werke ist einerseits Ausdruck der Rezeptionsgeschichte afrikanischer Kunst in Europa und des Willens, die Werke enger mit ihrer Herkunft und Umgebung zu verknüpfen. Die Ausstellung zeigt andererseits, wie nötig der völlig neue Blick ist, den Europa auf die Kunst des afrikanischen Kontinents werfen sollte.

Tickets
Das Dortmunder U ist ein Standort auf der  Themenroute 25 "Panoramen und Landmarken".

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