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Besuch des Staatspräsidenten der Republik Mali, Modibo Keita

Historisches Archiv Krupp, Essen

Im Rahmen seines Staatsbesuches in der Bundesrepublik Deutschland war der Präsident der afrikanischen Republik Mali, Modibo Keita, mit seiner Gattin und einer Regierungsdelegation am 8. Juni 1962 zu Gast bei der Firma Krupp. Der Film dokumentiert die Etappen des Besuchs zunächst im Hüttenwerk Rheinhausen und dann in der Villa Hügel.

Filmografische Angaben

Produzent: unbekannt
Auftraggeber: Fried. Krupp, Essen
Produktionsjahr: 1962
Sprache: Deutsch
Format: 16-mm-Magnetton, Schwarz-Weiß
Laufzeit: 9 Minuten
Archiv: Historisches Archiv Krupp, Essen

3er Block

Zum Inhalt

Am Morgen bestiegen der Präsident und seine Gefolge in Königswinter das Motorschiff „Koblenz“ zu einer Rheinfahrt. An Bonn, Köln und Düsseldorf vorüber ging es bei sonnigem Wetter nach Krefeld-Uerdingen. Der Chor der Fried. Krupp Motoren- und Kraftwagenfabrik sang zur Freude der Gäste, erste Kontaktgespräche fanden statt, an denen auch der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, der spätere Bundespräsident Walter Scheel, lebhaften Anteil nahm. Vom Hafen Krefeld ging es weiter zum Krupp-Hüttenwerk Rheinhausen, wo der Präsident von Berthold Beitz, dem Generalbevollmächtigten des Firmeninhabers, herzlich begrüßt wurde.  Das Mittagessen nahmen alle Gäste mit Lehrlingen und Praktikanten im Speiseraum der Lehrwerkstatt ein. Später fanden Sozialeinrichtungen, wie Kindergarten, Wohnungen und werksärztliche Abteilung, das besondere Interesse der afrikanischen Gäste, die auch noch den Abstich eines Hochofens erlebten. Mit einem Sonderzug fuhren sie im Anschluss zur Villa Hügel. Hier hießen sie der Firmeninhaber, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, und sein Sohn Arndt von Bohlen und Halbach, in Anwesenheit von Landtagspräsident Wilhelm Johnen, Innenminister Josef-Hermann Dufhues und Oberbürgermeister der Stadt Essen Wilhelm Nieswandt willkommen. An das Abendessen in der Oberen Halle der Villa Hügel schloss sich ein Rundgang durch die „Historische Sammlung Krupp“ an. In Reden und Gesprächen betonten die Teilnehmenden immer wieder die engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Republik Mali und Krupp.

Zur Filmproduktion

Der 9-minütige Streifen war Bestandteil der Jahresschau, die die Firma Krupp in den 1960er-Jahren produzieren ließ und auf Betriebsversammlungen bzw. Jubilarveranstaltungen vorführte.

Hintergrund des Besuchs

Nach dem Bruch der sogenannten Mali-Föderation 1960 zwischen den beiden ehemaligen Kolonien Senegal und Französisch-Sudan erklärte letztere ihre Selbstständigkeit. Die Versorgung der Bevölkerung in der neuen Republik Mali war allerdings gefährdet. Krupp lieferte über 350 Lastkraftwagen nach Mali: eine große Hilfe für den jungen Staat. Ingenieure und Mechaniker, die in Mali im Einsatz waren, wurden während des Besuchs den Gästen vorgestellt. Der Firmeninhaber Alfried Krupp von Bohlen und Halbach übereichte dem Staatspräsident Stipendien für junge Malinesen zur beruflichen Ausbildung bei Krupp. Wenn die Medien heute über Mali berichten, fallen Begriffe wie Instabilität, Islamismus und Terror. Welch ein Unterschied zu den Träumen von 1960, als das Land unabhängig wurde. Der erste Staatspräsident, Modibo Keita, war gut ausgebildet, politisch erfahren und galt als einer der afrikanischen Hoffnungsträger. In Europa warb er um Unterstützung für Entwicklung seines Landes.

Prof. Dr. Ralf Stremmel, Felix Hartelt, M. Sc.
Historisches Archiv Krupp
Villa Hügel
archiv@hak-krupp-stiftung.de
+49 (0)2011884821
Hügel 1, 45133 Essen