Von außergewöhnlichem universellem Wert

Gelungener Strukturwandel

Als einer der größten Ballungsräume Europas blickt das Ruhrgebiet auf eine einmalige industrielle Entwicklung zurück. Kohle, Eisen und Stahl haben Menschen, regionales Bewusstsein und Landschaft nachhaltig geprägt. Die auf diesem Erbe aufbauende Industriekultur wiederum gilt als Musterbeispiel für gelungenen Strukturwandel. Aspekte, die in ihrer Gesamtheit die Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet als UNESCO-Welterbe qualifizieren könnten. Einen entsprechenden Entwurf haben die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, das Land NRW, der Regionalverband Ruhr, die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen sowie die Emschergenossenschaft erarbeitet.

Welterbeprojekt

Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur hat gemeinsam mit ihren Partnern den außergewöhnlichen universellen Wert der Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet erforscht, in einem gut 45-seitigen Entwurf zusammengefasst und darauf aufbauend eine Erweiterung der deutschen Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe angeregt.

Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet

Umfangreiche Gutachten und internationales Symposium

Eine "großmaßstäbliche Schwerindustrie", eine extrem enge Vernetzung der Industriebereiche Kohle, Eisen und Stahl, eine "radikale Überformung" der Landschaft und nicht zuletzt die bis heute identititätsstifende industriekulturelle Entwicklung: Der gemeinsame Entwurf der Projektpartner listet zahlreiche charakteristischen Eigenschaften der Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet, die deren außergewöhnlichen universellen Wert begründen. Dieser bildet eine der Grundvoraussetzungen für die Anerkennung als UNESCO-Welterbe bzw. für die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste - die so genannte Tentativliste. Dem Vorschlag gingen umfangreiche Gutachten sowie ein internationales Symposium zum Thema "Industrielle Kulturlandschaften im Welterbe-Kontext" unter Beteiligung des weltweiten Komitees für Industriekultur (TICCIH) sowie des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS) voraus.

Kooperationen

Kultusministerkonferenz muss entscheiden

Der Entwurf der Projektpartner geht darüber hinaus auf verschiedene weitere UNESCO-Kriterien ein, darunter etwa auf die Entwicklung von Architektur und Städtebau, die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt sowie die Bedeutung herausragender technologischer Gebäude oder Landschaften. Ein Fazit des Projekts: "Es handelt sich beim Ruhrgebiet um eine radikal umgestaltete Landschaft von außergewöhnlicher Größe und um ein untereinander vernetztes industrielles Gebilde par excellence." Zugleich fungiere die Region als "Europas Musterbeispiel für das Erbe von großmaßstäblichem Steinkohlenbergbau und Eisen- und Stahlproduktion". Voraussichtlich zwischen 2020 und 2022 wird die deutsche Kultusministerkonferenz den Entwurf begutachten und darüber entscheiden, ob die Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet in die deutsche Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe aufgenommen wird.