Futur 21

Medienkunstfestival von LWL und LVR

LWL und LVR präsentieren ab November an ihren Industriemuseen digitale Kunstwerke, Lichtinstallationen und interaktive Spiele. 32 künstlerische Arbeiten werden an den 16 Industriemuseen zu sehen sein: Mit dem gemeinsamen Medienkunstfestival "Futur 21 – kunst industrie kultur" wollen die beiden Landschaftsverbände eine Diskussion über Zukunftsthemen des 21. Jahrhunderts anregen und einen neuen Blick auf die Orte industrieller Vergangenheit eröffnen. Ein Gespräch mit dem künstlerischen Leiter von "Futur 21", Clemens Walter.

Neue Industriekultur

Die insgesamt 32 Arbeiten knüpfen an die Geschichte der Orte an und beschäftigen sich mit Themen wie Klimawandel, Energiegewinnung, Ressourcen und künstliche Intelligenz. Höhepunkt ist ein vierwöchiges Festival im März 2022.

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Industriemuseen werden zu Zukunftslaboren

Clemens Walter arbeitet als Videokünstler und Filmeditor und lebt in Berlin. Die Ausbildung zum Diplom-Schnittmeister absolvierte er an der Filmuniversität Potsdam Babelsberg. Mit seinen Montagearbeiten war er mehrfach auf der Berlinale sowie unter anderem auf Festivals in Buenos Aires, Madrid, New York, Paris und Tokio vertreten. Seit 2004 realisiert er Videoprojektionen an deutschen Theatern, unter anderem in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf. Als Videokünstler arbeitet Walter auch im musealen Kontext. So entstand 2020 in Kooperation mit der Regisseurin Yael Reuveny Mseubin eine Videoinstallation für die neue Dauerausstellung im Jüdischen Museum Berlin.

Herr Walter, worum geht es bei "Futur 21"?
Das landesweite Medienkunstfestival nimmt die Zukunft der Industriegesellschaft im 21. Jahrhundert in den Fokus und verwandelt die 16 Industriemuseen von LWL und LVR in temporäre Zukunftslabore. Dabei dienen die Industriedenkmäler nicht als bloße Kulisse. Die insgesamt 32 Arbeiten knüpfen an die Geschichte der Orte an und schlagen einen Bogen hin zu aktuell brennenden Fragen wie Klimawandel, Energiegewinnung, Ressourcen oder künstliche Intelligenz.

"Futur 21" beginnt mit der Fachkonferenz "Industrial Culture for Future". Sie soll eine neue Charta der Industriekultur auf den Weg bringen. Wie kann man sich eine solche Charta vorstellen?
Die Industriekultur braucht einen Perspektivwechsel, neue Erzählungen, um speziell die junge Generation anzusprechen, die das Erbe der Industriegesellschaft in Frage stellt. Eine Charta soll die Rolle der Industriemuseen neu definieren und als Foren für wichtige Zukunftsfragen in Stellung bringen. Die Konferenz nähert sich dem Thema Zukunft deshalb aus einer interdisziplinären Vogelperspektive. Was sind die Schlüsselfragen auf dem Weg zu einer diversen, nachhaltigen und digitalen Gesellschaft? In welcher Weise können die Industriemuseen diese Fragen aufgreifen? Und was kann digitale Kunst zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen?

Was erwartet die Besucherinnen und Besucher in den Themenwochen?
Das Spektrum der gezeigten Arbeiten reicht von Fassadenprojektionen über Video-Installationen bis hin zu interaktiven Mixed-Reality-Games und Audio-Walks. Im Rahmen des Medienkunstfestivals im März 2022 werden sich je vier Standorte jeweils eine Woche lang einem gemeinsamen Thema widmen: Energie, Ressourcen, Fortschritt und Arbeit. Die Arbeiten stehen dabei nicht nur im Dialog mit den Orten, sondern auch mit dem Publikum. Bei vielen Formaten ist Mitmachen erwünscht oder sogar Bestandteil des Kunstwerks.

Welches Highlight muss man gesehen haben?
Ein erstes Highlight ist sicher die poetische Installation "Waterlicht" des niederländischen Künstlers Daan Roosegaarde. Sie wird das Gelände des Peter-Behrens-Baus in Oberhausen an zwei Abenden (5./6.11., ab 19.30 – 0 Uhr) großräumig symbolisch mit Wasser fluten. "Waterlicht" ist eine sich ständig verändernde und durch Licht erzeugte virtuelle Flut, in die Besucherinnen und Besucher förmlich eintauchen können. Sie erinnert an die Kraft des Wassers, aber auch an die Auswirkungen der Klimakrise und die Ewigkeitslasten des Bergbaus.

Warum beschäftigen sich Orte der Vergangenheit mit der Zukunft?
Die heutigen Industriemuseen waren einst Orte, die für Innovation standen. Hier war man immer wieder daran interessiert – in erster Linie natürlich aus wirtschaftlichen Gründen –, Technik weiterzuentwickeln, aber auch die Lebensbedingungen der Menschen, die dort gearbeitet haben, zu verändern. In der Zeit des Strukturwandels wurden die ehemaligen Industriestätten zu kulturellen Orten, an denen verstärkt über gesellschaftlichen Wandel, zum Beispiel im Bereich der Arbeit, nachgedacht wurde. In Zeiten der Klimakrise werfen Nachhaltigkeit, Ressourcenknappheit und Energiegewinnung brennende Fragen auf. Diese bringen wir an die Orte zurück, die sich schon sehr viel mit Zukunft beschäftigt haben, die aber gleichzeitig stark verbunden sind mit den Problemen, mit denen wir gerade zu tun haben in Bezug auf unsere Zukunft.

Die Beschäftigung mit der Zukunft ist das eine, aber: Was bleibt für die Zukunft im Anschluss an die Veranstaltungen?
Jeweils eine der beiden Positionen in jedem Museum wird dauerhaft gezeigt, um den Impuls von "Futur 21" auf diese Weise nachhaltig zu verankern. Diese Arbeiten werden in den kommenden Wochen sukzessive in allen Museen eröffnet. Was bleiben wird, ist auch die Beschäftigung der Museen mit den Themen Nachhaltigkeit, Energie, Umwelt und Ressourcen.

Mehr zu  Futur 21
Alle bisherigen Interviews unserer Reihe "Gespräche zur Route Industriekultur" finden Sie  auf dieser Seite.