schwarz - weiß - bunt

Die Transformation der Kokerei Hansa

Es tut sich einiges auf der Kokerei Hansa in Dortmund: Mehrere Gebäude auf dem historischen Gelände werden saniert, und auch die Internationale Gartenausstellung wirft ihre Schatten voraus. Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Eigentümerin der Kokerei, hat einen Kurzfilm zu den Entwicklungen und Zukunftsplanungen auf dem Gelände des Industriedenkmals produzieren lassen. Wir haben mit Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung, über die aktuellen Maßnahmen gesprochen.

IGA Metropole Ruhr 2027

Die IGA kommt 2027 ins Ruhrgebiet. Sie wird die erste dezentrale Internationale Gartenausstellung und soll für die grünste Stadtlandschaft der Welt sorgen. Mit dabei: die Kokerei Hansa in Dortmund. Alle aktuellen Informationen zur IGA gibt es auf der Internetseite des Regionalverbands Ruhr (RVR):

IGA Metropole Ruhr 2027

Mittelpunkt der Internationalen Gartenausstellung

Frau Mehrfeld, welche Aufgaben erfüllt die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur als Eigentümerin der Kokerei Hansa?
Zunächst einmal ist es unsere Aufgabe, die Kokerei Hansa mit ihrem großartigen Denkmalbestand der 1920er-Jahre zu bewahren. Darum kümmern wir uns, seit wir die Anlage 1995 übernommen haben. Neben dem Erhalt geht es uns aber auch um die Erlebbarkeit des Industriedenkmals für Besucherinnen und Besucher. Hier war die Eröffnung der Kokerei Hansa als Ankerpunkt der Route Industriekultur im Jahr 1999 ein erster großer Baustein. Seitdem kann die Stätte besichtigt und im Rahmen von Führungen erkundet werden. Sukzessive haben wir die Gebäude und technischen Anlagen saniert, sodass große Veranstaltungen wie die ExtraSchicht, aber auch kleine Events, Konzerte, Lesungen bis hin zu privaten Feiern stattfinden können. Bei der Vermittlung, die auch zu unseren Aufgaben zählt, haben wir von Anfang an auf das Motto "Natur und Technik" gesetzt. Das Miteinander des Industriedenkmals und der sich seit der Stilllegung der Anlage rasant ausbreitenden Industrienatur haben wir zum Leitthema gemacht. So ist Hansa als "begehbare Großskulptur im Grünen" Bestandteil des Emscher Landschaftsparks und zählt natürlich auch zur Route der Industrienatur.

Derzeit werden mehrere Gebäudekomplexe der historischen Großkokerei saniert. Welche Gebäude sind das, und wie kann man sich die Situation auf dem Gelände vorstellen?
Tatsächlich geht es auf dem Gelände derzeit sehr geschäftig zu. An insgesamt fünf großen Objekten werden aktuell Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Dazu zählen auf der schwarzen Seite der Sortenturm mit der Bandbrücke, auf der weißen Seite das Ensemble Salzlager und Salzfabrik in der Entwicklung hin zu einer Veranstaltungshalle sowie die Gastiefkühlanlage mit Antracenölanlage, für die eine Gastronomie- und Büronutzung vorgesehen ist. Auch die aufgeständerte Kokssieberei wird bald fertig sein, und wir freuen uns, dass dann auch der Industriewaldweg, der von der Sieberei aus den Gleisanlagen inmitten der Kokerei folgt, komplett begehbar sein wird. Das sind riesige Entwicklungsschritte für die Kokerei Hansa, nie zuvor hatten wir die Möglichkeit, so viele Projekte gleichzeitig umzusetzen. Dies ist uns Dank der Mittel der Städtebauförderung des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen möglich.

Welche Herausforderungen bringt die denkmalgerechte Sanierung einer so komplexen Anlage wie der Kokerei Hansa mit sich?
Das Denkmal selbst mit all seinen wertvollen Spuren der Arbeit steht für uns im Vordergrund. Das heißt aber nicht, dass wir nur konservieren. Ein Auftrag unserer Stiftung besteht auch darin, neue Nutzungen in den Denkmalen zu etablieren. Dies machen wir mit großer Sorgfalt. Das Wichtige dabei ist, genaue Kenntnisse der Geschichte der jeweiligen Anlagen zu haben. Nur, wenn Sie die historische Bedeutung kennen und die großartigen Leistungen schätzen, die in solch einer Großkokerei stecken, können Sie adäquate Wege des Umgangs und der Umnutzung finden. Das ist im Grunde unser Rezept. Die positiven Rückmeldungen von Seiten der Denkmalpflege und Fachleuten, aber auch von den vielen Besucherinnen und Besuchern zeigen uns, dass wir auf der Kokerei Hansa einen guten Weg beschreiten und dass attraktive neue Nutzungen auch ohne "Gesichtsverlust" für das Denkmal möglich sind.

Wie sehen die Planungen für die Zukunft aus?
Als einen der größten Meilensteine in der Entwicklung der Kokerei Hansa seit ihrer Schließung im Jahr 1992 und der Eröffnung als Ankerpunkt der Route Industriekultur ist die Einbindung in die Internationale Gartenausstellung (IGA) Metropole Ruhr 2027 zu sehen, bei der die Kokerei Hansa Mittelpunkt des Dortmunder Zukunftsgartens sein wird. Die gesamten derzeitigen Maßnahmen und Planungen sind daher auf die Zeitachse bis zur IGA ausgerichtet. Gemeinsam mit der Stadt Dortmund laufen hierfür bereits die Planungen, die auf dem Entwurf des Berliner Büros bbz landschaftsarchitekten basieren, das den 1. Preis des freiraumplanerischen Wettbewerbs gewonnen hat. Die Einbindung in das IGA-Projekt bietet für die Kokerei langfristig die Aussicht, über das Ausstellungsjahr hinaus das Denkmal aufzuwerten und auch in das Quartier Huckarde und darüber hinaus weiter zu öffnen.

Wie genau wird die Kokerei Hansa in die Planungen für die IGA 2027 integriert?
In den Entwurfsplanungen ist die Kokerei so etwas wie das "Herzstück" des etwa 35 Hektar großen Gartenareals entlang der Emscher. Die Eingangssituation rund um das Denkmal wird sich verändern, und die Anlage wird in Richtung Süden und auch Richtung Norden geöffnet werden. Die Gebäude des Denkmals bleiben dabei unverändert. Vor allem bleiben die Produktionsstraßen mit ihren Stationen der Koksherstellung sichtbar und die Produktionsprozesse nachvollzieh- und ablesbar. Die Kokerei als begehbare Großskulptur mit ihrem Erlebnispfad "Natur und Technik" wird zur IGA quasi erweitert. Der Clou des Entwurfs ist der so genannte Wolkenspielplatz. Er liegt auf der Sichtachse zum historischen Löschturm, dem "Wolkenmacher", wie er in der Bevölkerung genannt wurde. Zu Betriebszeiten sind hier beim Löschen des glühend heißen Kokses riesige Wasserdampfwolken in den Huckarder Himmel aufgestiegen. Das "Spielgerät" nimmt in einer Konstruktion aus Stahl und gespannten Netzen die Form einer Wolke auf und bietet sowohl Kindern als auch Erwachsenen die Möglichkeit, zu klettern, zu schaukeln oder herunterzurutschen.

Der Kurzfilm "schwarz - weiß - bunt" spricht im Untertitel von der "Transformation der Kokerei Hansa". Wie ist das zu verstehen?
Dieser Gedanke ist mit dem Blick über eine längere Zeitachse zu verstehen. Hansa befindet sich derzeit mitten im Wandel: von einem ehemaligen Ort der Montanindustrie hin zu einem Zukunftsstandort für Green Economy, Tourismus, Kultur und Freizeit. Hier werden neue Arbeits- und Lebensräume für Mensch und Natur unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit, Ökologie und Ökonomie entwickelt. Wir möchten mit unseren Planungen in die Zukunft blicken und gleichzeitig die Geschichte weitertragen.

Die  Kokerei Hansa ist ein Ankerpunkt auf der Route Industriekultur.

Kurzfilm: "schwarz - weiß - bunt - Die Transformation der Kokerei Hansa"

Eindrucksvolle Ansichten der Kokerei Hansa aus der Vogelperspektive, spannende Einblicke zu den aktuellen Baumaßnahmen und in die Vorbereitungen für die Internationale Gartenausstellung Metropole Ruhr 2027 sowie ungewöhnliche "Sichtachsen" in Richtung Zukunft: All das bietet der Kurzfilm "schwarz weiß bunt – Die Transformation der Kokerei Hansa" der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.

Die komplette Playlist der Route auf dem YouTube-Channel des Regionalverband Ruhr ist hier zu finden.