Lindenbrauerei Unna

Kultureller Leuchtturm im Wortsinn

International beachtete Lichtkunst im "Keller". Eine unendliche Zahlenfolge aus Neon in Richtung Himmel. Und dazwischen: jede Menge Leben. Die Lindenbrauerei in Unna - einst Traditionsbrauerei, heute kommen hier eine Vielzahl von Kultur- und Bildungsakteuren zusammen - ist alles andere als ein typischer Ankerpunkt der Route Industriekultur. Im Interview blickt Sigrun Krauß zurück auf die vergangenen Monate, aber vor allen Dingen nach vorn.

Brot, Korn und Bier

Der Ankerpunkt Lindenbrauerei steht exemplarisch für die industrielle Entwicklung des Ruhrgebiets; zugleich ist die erfolgreiche Nachfolgenutzung ein Beispiel für gelungenen Strukturwandel. Kein Wunder, dass dieser Standort Ausgangspunkt unserer Themenroute 21 ist.

Themenroute 21

Kultur nimmt wieder Fahrt auf

Sigrun Krauß ist Leiterin des Bereichs Kultur bei der Kreisstadt Unna und somit für den Ankerpunkt Lindenbrauerei zuständig.

Frau Krauß, in der Lindenbrauerei treffen sich Künstler, Kreative, Vereine und Bildungsinstitutionen. Er ist aber auch ein etablierter Veranstaltungsort für Kleinkunst, Kabarett und Theater. Die vergangenen Monate dürften daher alles andere als einfach gewesen sein.
Das waren sie gewiss nicht. Totaler Shutdown, starke Einschränkungen, ständig wechselnde Regelungen - auch wir im Bereich Kultur der Kreisstadt Unna mussten viele unserer Veranstaltungen verschieben. Teilweise  mehrfach und manches musste am Ende wegen der Pandemie leider sogar ganz abgesagt werden. Aber wie sagt man so schön: Not macht erfinderisch - und das waren wir alle. Zum ersten Mal fand eines unserer KomponistInnen-Konzerte, die eigentlich für Konzerträume arrangiert sind, unter freiem Himmel statt. Wir haben kurzerhand die Ausstellungsgegenstände in der Schwankhalle gedreht, so dass die große Glasfassade zum Ausstellungsfenster wurde. Und wie viele andere Organisationen in Deutschland hat uns die Pandemie gezwungenermaßen auch in Sachen Digitalität ein ganzes Stück weitergebracht.

Wie geht es weiter? Was steht am Ankerpunkt Lindenbrauerei aktuell an?
Seit dem Sommer hat die Kultur langsam wieder Fahrt aufgenommen. Ich freue mich besonders auf die 5. Nacht der Lichtkunst. Am 30. Oktober 2021 wird unser Ankerpunkt wieder in ein faszinierendes Licht getaucht. Ein besonderer Reiz in dieser einzigartigen Nacht mit dem Motto "HELLWEG meets Niederlande" ist der künstlerische Dialog zwischen vorhandenen Werken im öffentlichen Raum und den neu geschaffenen temporären Werken der niederländischen Künstlerinnen und Künstler. Die diesjährige Nacht der Lichtkunst versteht sich als Komplementär-Projekt zum Lichtparcours "Dutch (de)Light". Dieser wird anlässlich des 20. Geburtstages des Zentrums für Internationale Lichtkunst vom 29. bis 31. Oktober 2021 in Unnas Innenstadt gezeigt. Und noch mehr "Faszination Licht" gibt es im ehemaligen Brauereikeller mit der Jubiläumsausstellung "(De)Konstruktion - Licht & Raum".

Der Ankerpunkt Lindenbrauerei ist der kulturelle Hotspot der Stadt. Was macht ihn so besonders?
Hier werden viele Kultur- und Kreativthemen gebündelt. Hier sitzen viele Akteure tatsächlich zusammen unter einem Dach. Das sind der "Bereich Kultur" der Kreisstadt Unna, das "Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna", das freie "theater narrenschiff", das "Kultur- und Kommunikationszentrum Lindenbrauerei e.V.", die Musikkneipe "Schalander", das Gesundheitshaus, die "Werkstatt Unna" und das Zentrum für Information und Bildung.

Das ist eine vielfältige und bunte Mischung.
Ja, der Ankerpunkt Lindenbrauerei lebt genau von dieser vielfältigen Mischung. Wir arbeiten eng zusammen, es gibt gemeinsame Veranstaltungen, und jeder steht dem anderen mit seiner Expertise zur Seite. Im Ankerpunkt passiert all das, was Kunst, Kultur und Bildung zu bieten haben. Theateraufführungen und Kabarettprogramme ebenso wie verschiedenste Konzerte, künstlerische Ausstellungen bis hin zu spannenden Lesungen. Neben der Stadtbibliothek hat auch die Volkshochschule hier ihren Sitz. Im Sommer findet ein Großteil des Veranstaltungsprogrammes draußen auf dem angrenzenden "Platz der Kulturen" statt. Zur "Summertime" bespielen Musikerinnen und Musiker sowie Straßentheater-Künstlerinnen und -Künstler über mehrere Wochen den Ankerpunkt. Ein besonderes Highlight ist natürlich auch für uns immer die ExtraSchicht.

Der letzte Schornstein der Lindenbrauerei mit der leuchtenden "Fibonacci-Reihe" des Künstlers Mario Merz ist im wahren Wortsinn ein "Leuchtturm" im Stadtgebiet. Welchen Stellenwert hat die traditionsreiche Lindenbrauerei als Ankerpunkt der Route Industriekultur für die gesamte Metropole Ruhr?
Alle Ankerpunkte haben durch ihre individuellen Besonderheiten einen wichtigen Stellenwert in der Metropole Ruhr. Aber wie Sie schon sagten, der Ankerpunkt Lindenbrauerei ist alles andere als ein typischer Ankerpunkt. Es ist die einzige Brauerei. Von außen vergleichsweise unscheinbar werden die Besucherinnen und Besucher durch die atemberaubenden Elemente im Inneren überrascht: Sei es der "Tunnel of Tears" von Keith Sonnier mit seiner Symbiose aus dem Gewölbekeller und dem Farbenspiel der Neonröhren. Oder ein Stockwerk weiter oben - passend zur Trinkkultur des Ruhrgebiets -, wo das hausgebraute LindenBier im "Schalander" ausgeschenkt wird. Das genießen viele unserer Besucherinnen und Besucher, bevor sie den Abend im Obergeschoss beim "theater narrenschiff" ausklingen lassen. Unser Ankerpunkt lässt sich mit allen Sinnen erleben und verbindet die neue, vielseitige Kultur der Metropole Ruhr mit der Industriegeschichte des Ruhrgebiets.

Mögen Sie das hausgebraute LindenBier?
Natürlich. Und besonders, weil auch ich und jeder andere Gast Teil der Qualitätskontrolle sind. Man kann nämlich beim Brauen zuschauen und dann direkt vom Fass probieren.


Mehr zur 5. Nacht der Lichtkunst
Weitere Informationen zu den einzelnen Akteuren und ihren Veranstaltungen:

Bereich Kultur
Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna
Kultur- und Kommunikationszentrum Lindenbrauerei e.V.
theater narrenschiff

Die  Lindenbrauerei Unna ist ein Ankerpunkt auf der Route Industriekultur.
Alle bisherigen Interviews unserer Reihe "Gespräche zur Route Industriekultur" finden Sie  auf dieser Seite.