Aktuelles auf der Route Industriekultur

Die neue alte Farbe des Gasometers

Arbeiten an einer Musterfläche. Foto: Gasometer

Nach der Erfolgs-Ausstellung „Der Berg ruft” sind es nun ganz andere Gipfelstürmer, die das Geschehen am Gasometer Oberhausen bestimmen. Die Rede ist von den Gerüstbauern der Gloser GmbH, die bereits in zwei von vier Bauabschnitten das knapp 118 Meter hohe Fassadengerüst in die Höhe gezogen haben. Dabei haben die Gerüstbauer den Gipfel - beziehungsweise das Ziel - fest im Blick, nämlich das rund 30.000 m² umfassende Gerüst unter Einsatz von rund 1000 Tonnen Material zu komplettieren.

Von Mitte Juni bis August zeigt sich das Oberhausener Wahrzeichen kurze Zeit komplett verhüllt. Die Verhüllung hat jedoch nichts mit dem weltbekannten Künstler Christo zu tun, der schon zweimal im Gasometer zu Gast war, sondern es handelt sich um eine staubdichte Einhausung für die anstehenden Arbeiten.

Sobald eingehaust ist, beginnen die Experten der Rodopi Marine GmbH mit den Arbeiten am Korrosionsschutz. Zunächst werden mittels Feststrahl-Technik, Rost und Beschichtungen von der Außenhülle und dem Dach entfernt.

„Das Projekt ist trotz des stürmischen Frühjahrs und einiger dadurch hervorgerufener Unterbrechungen bisher gut vorangekommen. Nun erwarten wir mit Spannung den Beginn der Strahlarbeiten, der unmittelbar bevorsteht. Erst hier zeigt sich dann das umfassende Schadensbild, da dann die Stahlflächen von den ganzen Lackschichten freigelegt werden“, erklärt Projektleiter David Auerbach von Lindner Lohse Architekten BDA.

Auf die Strahlarbeiten folgt der neue Anstrich, der den Gasometer für viele Jahre in neuem Glanz erstrahlen lassen soll. Dabei kommt eine Mischung aus einem grauen Grundton mit einer oxydrötlichen Einfärbung zum Einsatz. Diese Mischung stellt eine zeitgemäße Weiterentwicklung des ursprünglichen bräunlichen wirkenden Farbtons (NCS S 8005) dar, der beim Wiederaufbau des Gasometers 1949 als Deckfarbe verwendet wurde. In der neuen Rezeptur mischt das mit der Farbzusammenstellung beauftragte Duisburger Unternehmen Geholit+Wiemer einen Anteil an Eisenglimmer hinein, der den Korrosionsschutz verstärkt.

„Uns war es wichtig, dem Gasometer sein ursprüngliches Gesicht zurückzugeben, und dank der detaillierten Analyse der Farbschichten, können wir dies nun in historisch korrekter Art und Weise tun“, erklärt Jeanette Schmitz, Geschäftsführerin der Gasometer Oberhausen GmbH.

Auf Spurensuche in Farbschichten

Um die Originalfarbe des Gasometers zu bestimmen, war regelrechte Detektivarbeit erforderlich, denn der Gasometer erhielt in seiner bewegten jüngeren Geschichte mehr als einen Anstrich. Das zumindest ergaben die Untersuchungen der Restauratorin Susanne Conrad vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland. Das Ergebnis wurde durch verschiedene Untersuchungen erarbeitet. Über die ganze Fläche verteilt wurden Proben genommen, anhand derer dann Querschliff, Pigment- und Bindemittelanalyse durchgeführt wurden. Die Laboruntersuchungen förderten insgesamt 14 Farbschichten zutage. Optisch eindrucksvoll veranschaulicht wird diese Farbenfolge mittels einer so genannten Freilegungstreppe, für die unter dem Mikroskop Farbschicht für Farbschicht abgetragen wurde. Da nicht der ganze Gasometer den Weg unter das Mikroskop antreten konnte, wurden an einem der Ausbläser drei 30 x 60 cm große Musterbleche herausgeflext, anhand derer dann unter dem Mikroskop mit einem Skalpell die vielen Farbschichten minutiös freigelegt wurden.

„Die Herausforderung war, die richtige Stelle am Gasometer zu finden, an der auch alle aufgetragenen Farbschichten auf diese Weise sichtbar gemacht und dokumentiert werden konnten“, erklärt Restauratorin Susanne Conrad.

Neben der Deckschicht im grauen Grundton mit oxydrötlicher Einfärbung, werden abgesetzte Elemente wie die Umläufe in dem bis dato verwendeten Grünton gestrichen.

„Die Farbauswahl orientiert sich am Befund der verschiedenen Farbschichten der Gasometer Außenhülle und der einzelnen Anbauteile“, erklärt Andreas von Scheven von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Oberhausen. „Der Grünton der Anbauteile stammt aus den 1970er-Jahren.“

Den aktuellen Fortschritt der Sanierung zeigt das Baustellentagebuch auf der Webseite des Gasometer. Die nächste Ausstellung in Europas höchster Ausstellungshalle ist für das Frühjahr 2021 geplant.

Gasometer Oberhausen
Arenastr. 11
46047 Oberhausen
www.gasometer.de

Der Gasometer Oberhausen ist ein Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur.

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