Siedlung Oberdorstfeld

Wie lebt es sich in einer Kolonie, Herr Fuchs?

"Prächtige Vorgärten, schmale Straßen mit hohem Baumbestand, kleine Plätze und mehrere hundert vielfältig gegliederte Häuser, die ganz offensichtlich zusammengehören" - so beschreibt das Denkmalamt Dortmund die Siedlung Oberdorstfeld. Kein Wunder, dass diese Siedlung ein Standort der Themenroute 19 ist. Seit Jahren engagieren sich die dortigen Hauseigentümer, setzen sich für den Schutz und Erhalt des historischen Siedlungsbildes ein und bieten mittlerweile sogar Führungen an. Ein Interview mit dem Sprecher der Interessengemeinschaft Zechensiedlung Oberdorstfeld, Peter Fuchs.

Themenroute 19

Um Arbeiter anzuwerben, bauten Montanunternehmen in unmittelbarer Nähe ihrer Werke Wohnkolonien. Die Themenroute 19 "Arbeitersiedlungen" zeigt die Bau- und Siedlungstypen, die im Laufe von fast 100 Jahren die Stadtlandschaft des Ruhrgebiets geprägt haben.

Themenroute 19

Einfach schön hier

Aufgewachsen "in Sichtweite von Fördertürmen" - allerdings in einer anderen Zechensiedlung - wohnt Peter Fuchs seit nunmehr 36 Jahren in der Siedlung Oberdorstfeld in Dortmund. Als sich vor sieben Jahren eine Interessengemeinschaft gründete, um sich um den Erhalt der Siedlung zu kümmern, wurde er deren Sprecher.

Herr Fuchs, was ist Sinn und Zweck der Interessengemeinschaft?
Wir sind eine Gruppe von Anwohnerinnen und Anwohnern der Zechensiedlung Oberdorstfeld, die sich mit dem denkmalgerechten Erhalt unserer Siedlung beschäftigt. Unsere Gruppe umfasst knapp 50 Mirglieder, die alle in der Siedlung wohnen. Wir treffen uns alle sechs Wochen - zurzeit allerdings nur am Bildschirm. Wir setzen uns ein für einen denkmalgerechten und lebenswerten Erhalt der Siedlung, der auch modernen Wohnanforderungen entspricht. Dies umfasst:

  • den Schutz und Erhalt des historischen Siedlungsbildes,
  • die Beratung, Förderung und Unterstützung der Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer durch das Denkmalamt, eine vereinfachte, weil klar strukturierte Denkmalschutzsatzung mit allgemeingültigen Vorgaben für alle HauseigentümerInnen und Hauseigentümer,
  • einen Erhalt der Innenhöfe und der begrünten Flächen im Außenraum und natürlich
  • für den Erhalt des Denkmalschutzes, um den Werteverlust der einzelnen Häuser zu vermeiden.

Was ist das Besondere an der Siedlung Oberdorstfeld?
Unsere Siedlung zeichnet sich aus durch eine abwechslungsreiche Bebauung mit insgesamt 35 unterschiedlichen Bautypen. Es handelt sich um eine Gartenstadtsiedlung: Es gibt vorne Vorgärten und hinten große Freiflächen mit Gärten, einen alten Baumbestand, vorwiegend Platanen und Ahornbäume. Versetzte Häuserfluchten und "krumme“ Straßen ergeben  einen dörflichen Charakter. Das Quartier ist Dorf in der Stadt. Die gesamte Siedlung mit etwa 500 Häusern steht unter Denkmalschutz.

Wie ist die Bewohnerstruktur in der Siedlung?
Viele Familien haben anfangs der 80er-Jahre ihre Häuser gekauft. Darunter waren zahlreiche Kumpel und deren Verwandte, die ein Vorkaufsrecht hatten und sich die Häuser aussuchen konnten. Damals waren die Häuser recht preiswert. Der "Rest“ der Siedlung stand allen Interessenten offen. Heute wohnen noch immer einige ehemalige Kumpel in der Nachbarschaft, die meisten sind vor 16, 17 Jahren in Rente gegangen. Seit einigen Jahren findet nun ein Generationswechsel statt: Wer Anfang der 80er-Jahre im Alter von 40 gekauft hat, ist heute 80 Jahre alt. Diese Generation verabschiedet sich nach und nach, die Kinder übernehmen nur in Ausnahmefällen die Häuser. Zahlreiche Häuser sind verkauft worden, so dass nun neues Leben in die Siedlung kommt.

Die Siedlung wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet. Gibt es hier gestalterische Unterschiede?
Die Siedlung wurde zwischen 1913 und 1919 errichtet, geplant vom Essener Architekten Oskar Schwer. Es gab zwar mehrere Bauabschnitte, jedoch mit exakt den gleichen Häusern. Zwischen 1920 und 1927 wurde die Siedlung Richtung Nordwesten erweitert, geplant vom Architekten Otto Salvisberg. Die Erweiterung gehört jedoch nicht zu unserer Siedlung. Das sind "klassische" Mietshäuser, die aber recht hübsch aussehen.

Wie könnte ein Spaziergang durch die Siedlung verlaufen?
Tatsächlich bietet unsere Interessengemeinschaft Führungen durch die Siedlung an. Wir arbeiten zudem mit dem Museum für Kunst- und Kulturgeschichte zusammen, das ebenfalls Führungen anbietet. Diese Spaziergänge, die zum Bereich "Kunst im öffentlichen Raum“ gehören, starten jeweils an einer von fünf Infotafeln, die wir vor fünf Jahren mit Hilfe der örtlichen Politik haben aufstellen lassen. Sie dienen als Ankerpunkte bei dem Spaziergang durch die Siedlung. Hinzu kommen zehn Stromverteilerkästen, die mit historischen Bildern aus der Siedlung verschönert worden sind. Der Weg führt vorbei an den letzten Gebäuden der ehemaligen Zeche Dorstfeld 2/3, an der Markenstube, den Werkstätten und dem Sannihaus, auf dessen Wiese eine Infotafel des RVR steht.

Wenn Sie die Siedlung mit höchstens drei Worten beschreiben sollten – welche wären das?
Lebenswert, naturnah, abwechslungsreich. Es ist einfach schön hier!
 

IG Zechensiedlung Oberdorstfeld
Die Siedlung Oberdorstfeld ist ein Standort auf der Themenroute 19 "Arbeitersiedlungen".