Aquarius Wassermuseum Mülheim

Wasser trifft Wissen

Ein Wasserturm als Wassermuseum. Was logisch klingt, verbindet de facto moderne Medientechnik und historische Architektur zu einem außergewöhnlichen Museumserlebnis: das Aquarius Wassermuseum. Gebaut im Auftrag von August Thyssen begeistert der Wasserturm im Ortsteil Styrum heute mit multimedialen Wasserwelten und greift dabei auch globale Themen wie Klima- und Gewässerschutz auf. Ein echtes Erlebnis: die Fahrt mit dem gläsernen Aufzug durch den Wasserbehälter der einst ganze 500.000 Liter Wasser speicherte. Unmittelbar am RuhrtalRadweg gelegen bietet der gut 50 Meter hohe Turm die perfekte Gelegenheit für einen herrlichen Panoramablick über die Region.

Aufstieg und Niedergang

Die Öffnung der Mülheimer Schleuse im Jahre 1780 ermöglichte die Schifffahrt ruhraufwärts - und nach und nach bescherten immer mehr Kohlen beladene Dampfschiffe Mülheim einen atemberaubenden Aufstieg zum Zentrum des Kohlenhandels. Die Eisenbahn läutete jedoch eine Wende ein: Nach 1860 stagnierte der Kohlentransport auf der Ruhr. Letztendlich macht das Zechensterben Mülheim im Jahr 1966 zur ersten Stadt im Ruhrgebiet ohne Zeche.

Wasser für das Walzwerk Thyssens

„Steirhem” - der Ort, an dem Stiere verkauft werden: Unter diesem Namen war das Königsgut Styrum mit seinen Ruhrauen schon vor rund 800 Jahren bekannt. Als in der Region die Nachfrage nach Kohle und Stahl stieg, ging diese Entwicklung auch an Styrum nicht spurlos vorüber. Der junge Unternehmer August Thyssen erkannte die Vorzüge der kleinen Bürgermeisterei, die zwar einen Bahnhof, aber nur wenig Industrie hatte. 1871 nahm die Kommanditgesellschaft "Thyssen und Compagnie, Styrum" die Produktion in einem Eisenwalzwerk auf. Doch das Wasserwerk der Stadt Mülheim konnte den industriellen Bedarf nicht lange decken. 1893 ließ August Thyssen daher in Styrum einen Wasserturm errichten, der bald schon neben den Werksanlagen auch die eigentliche Gemeinde versorgte.

Ein unverzichtbarer Rohstoff

Von Mülheim führten bereits 1897 Wasserleitungen zur Zeche Graf Moltke in Gladbeck und zur Gewerkschaft Deutscher Kaiser bei Duisburg. Die wachsenden Leitungssysteme waren eine echte Geldquelle für das Röhrenwerk Thyssens. 1912 verkaufte dieser das Styrumer Wasserwerk schließlich an die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW). Der Turm versorgte noch bis 1982 unter anderem die Mannesmannröhren-Werke, die seit 1970 auf dem ehemaligen Walzwerkgelände produzieren.

Wasser war für die Schwerindustrie des Ruhrgebiets ein unverzichtbarer Rohstoff: Als Ankerpunkt gibt Aquarius einen Überblick über die zentrale Rolle der Wasserversorgung im Zuge der Industrialisierung.

Multimediale Wissensreise

30 Stationen, 14 Ebenen und eine Chipkarte als Schlüssel zu einer multimedialen Wissensreise: In Sachen Wasser lässt das mehrfach preisgekrönte Aquarius Wassermuseum seit seiner Eröffnung 1992 keinen Aspekt unberührt. Der Architektur des Turms folgend werden Themenbereiche wie Trink-, Grund- und Abwasser, Talsperren und Brunnen aufgegriffen. Zugleich widmet sich das Museum bewusst auch lokalen und regionalen Schwerpunkten; neben der Geschichte des RWW etwa auch dem Ruhrtal. Und nicht zuletzt geht es um die Bedeutung des Wassers in der Freizeitgestaltung. Ein umfangreiches museumspädagogisches Angebot für Kinder und Jugendliche, Workshops für Studierende und Lehrende sowie Vorträge für Erwachsene komplettieren das Angebot des Mülheimer Museums.

Das Aquarius Wassermuseum ist Standort folgender Themenrouten:

Tipps für Ihren Besuch

Senioren im Labor im Aquarius Wassermuseum in Mülheim.

Vorträge und Museumspädagogik

Wie kommt das Wasser in den Wasserhahn? Was hat es mit virtuellem Wasser auf sich? Warum sollte man Wasser sparen und wie sah es in Sachen Wasser eigentlich im 19. Jahrhundert im Ruhrgebiet aus? Fragen wie diese klärt nicht nur die eigentliche Ausstellung im Aquarius Wassermuseum, sondern auch ein umfangreiches museumspädagogisches Programm, das teils individuell vereinbart werden kann.

Homepage
Haus Ruhrnatur am Mülheimer Wasserbahnhof, 2010.

Haus Ruhrnatur

Auf der Mülheimer Schleuseninsel betreibt die RWW ihr zweites Museum: Haus Ruhrnatur, das ehemalige Schülerbootshaus, verbindet in seiner Ausstellung Forschung, Wissen und Erlebnis und konzentriert sich thematisch auf die Natur der Ruhrauen, die Klimageschichte der Erde, Bionik und errneuerbare Energien. Haus Ruhrnatur ist Standort der Themenroute 28 "Wasser: Werke, Türme und Turbinen".

Homepage
Aquarius Wassermuseum Mülheim
miriam.schmalhaus@rww.de
+49 (201) 4433390
Burgstraße 70, 45476 Mülheim an der Ruhr
Menschen und Macher: August Thyssen

Menschen und Macher: August Thyssen

August Thyssen

Fleiß, Sparsamkeit und eine fundierte technische und kaufmännische Ausbildung prägten das Leben August Thyssens. 1842 in Eschweiler geboren, widmete sich der Unternehmersohn zunächst dem Maschinenbau- und Bauwesen-Studium, bevor er ab 1861 die Handelshochschule in Antwerpen besuchte, um in die Bankgeschäfte seines Vaters einsteigen zu können. Die Gründung des Mülheimer Eisenwalzwerks bildete den Auftakt für eine überragende Industriellenkarriere. Mit der Übernahme der Gewerkschaft Deutscher Kaiser im Jahr 1891 und dem gezielten Ausbau des Bergwerks zur Hüttenzeche gelang Thyssen unternehmerisch der Sprung zum international agierenden Montankonzern. 1925 – gut ein Jahr vor Thyssens Tod – gingen sämtliche Firmen mit seiner Zustimmung in der Vereinigten Stahlwerke AG auf.

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