Lindenbrauerei Unna

Voller Licht und Kultur

Die Region an Ruhr und Emscher blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück, die nicht allein von Kohle und Stahl dominiert wird. Bier komplettiert den typischen Dreiklang des Reviers; und mit der Lindenbrauerei stellt Unna eine der wichtigsten Braustätten des Ruhrgebiets. 1979 verschwand die Traditionsmarke vom Markt. Die eigentliche Produktionsstätte hingegen überstand den drohenden Abriss und hat sich seit 1992 weit über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Als Kultur- und Kommunikationsszentrum mit hochkarätigem Programm und als Standort des renommierten Zentrums für Internationale Lichtkunst. Und auch gebraut wird wieder.

Schornstein als Kunstwerk

Er ist weithin sichtbar, der letzte Schornstein der Lindenbrauerei, der längst zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Seine zweite Rolle als Kunstwerk offenbart er gleichwohl erst in der Nacht. Dann erstrahlt die neonfarbene "Fibonacci-Reihe" von Mario Merz. Eine Zahlenfolge, die auf den Mathematiker und Philosophen Fibonacci verweist und sich aus der Addition der jeweils letzten beiden Zahlen ergibt.

Gestartet als Familienbetrieb

Eine Vielzahl von Kleinbrauereien bestimmten in Unna bis weit ins 19. Jahrhundert das Stadtbild, zumeist verbunden mit Gast- und Schankwirtschaften. Auch die Lindenbrauerei, 1859 von Wilhelm Rasche und seinem Schwager Wilhelm Ulmcke eröffnet, war zunächst nicht mehr als ein Kleinbetrieb neben elf anderen. Doch der Ausbau der Brauerei ging schnell voran, obwohl der Schwager schon 1866 wieder aus der Firma ausstieg. Bereits ab 1883 bestimmten nur noch zwei industriell betriebene Unternehmen das Brauwesen in Unna: die Lindenbrauerei und die weiter im Norden der Stadt gelegene Adlerbrauerei. Während die Produktion im ersten Jahr gerade einmal 690 Hektoliter ausmachte, waren es 1895 mehr als 65.000 Hektoliter; im gleichen Jahr noch wurde das Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Längst hatte sich die Lindenbrauerei da schon einen Namen über Unna hinaus gemacht.

Hansa und Actien steigen ein

Mehrere Fusionen bestimmten den weiteren Weg des Hauses: 1918 schlossen sich die Linden- und die Dortmunder Hansa-Bauerei zusammen; 1922 kam der Konkurrent aus Unna dazu - die Adlerbrauerei. Der Zusammenschluss zur Linden-Adler-Brauerei sicherte beiden Unternehmen das Überleben; in Schwerte, Kamen, Lünen, Werl, Soest und Menden waren da bereits alle Brauereien stillgelegt. Die Fusion von Hansa- und Dortmunder-Actien-Brauerei 1971 läutete schließlich das Ende der Traditionsmarke ein: Die Produktion des Linden-Pils wurde nach Dortmund verlagert, der Standort in Unna 1979 endgültig aufgegeben.

Der Ankerpunkt Lindenbrauerei steht exemplarisch für die industrielle Entwicklung des Ruhrgebiets; zugleich ist die erfolgreiche Nachfolgenutzung ein weiteres Beispiel für gelungenen Strukturwandel in der Region.

Lebendiges Kulturzentrum

Heute ist die Lindenbrauerei ein lebendiges Zentrum, das sich als Treffpunkt für Künstler, Kreative, Vereine, Initiativen und Bürger aus Stadt und Region versteht. In den Gebäuden der ehemaligen Brauerei haben unter anderem das freie Theater "Narrenschiff", die "Werkstatt" im Kreis Unna, das Gesundheitshaus und das Zentrum für Information und Bildung (zib) ihren Sitz; letzteres bündelt das Angebot von Volkshochschule, Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Kulturamt. Überregional bekannt ist die Lindenbrauerei als Veranstaltungsort, der sämtliche Programmsparten erfolgreich bedient: Kabarett und Theater ebenso wie Musik, Ausstellungen oder Lesungen. Ein weiterer Schwerpunkt des Kultur- und Kommunikationszentrums ist die Kinder- und Jugendkulturarbeit.

Die Lindenbrauerei ist Standort folgender Themenrouten:

Tipps für Ihren Besuch

Das Werk "Floater 99" von James Turrell wird im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna gezeigt.

Renommierte Lichtkunst

Tief unter der Erde, in den Kühlgewölben der ehemaligen Braustätte, präsentiert seit 2001 das Zentrum für Internationale Lichtkunst seine hochkarätige Sammlung, darunter Arbeiten von Mario Merz, Joseph Kosuth, Mischa Kuball, Christina Kubisch, Francois Morellet und James Turrell. Besuchern erschließt sich die Welt aus Licht und Schatten unter anderem in Führungen, Workshops und gefeierten Wechselausstellungen.

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Bier mit Geschichte: das LindenBier.

LindenBier

Das "Schalander", die Gaststätte im Kulturzentrum Lindenbrauerei, ist überregional vor allem für sein Kultur- und Musikprogramm bekannt. Seit 2002 hat das jedoch Konkurrenz von einer weiteren hauseigenen Spezialität bekommen: dem LindenBier. Das naturtrübe Bier wird vor Ort gebraut, exklusiv im "Schalander" ausgeschenkt und nimmt bewusst Bezug auf die erfolgreiche Vergangenheit der Unnaer Braustätte.

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Lindenbrauerei Unna
mail@lindenbrauerei.de
+49 (2303) 251120
Rio-Reiser-Weg 1, 59423 Unna
Menschen und Macher: Wilhelm Beckmann, Mischa Kuball

Menschen und Macher: Wilhelm Beckmann, Mischa Kuball

Wilhelm Beckmann

Wilhelm Beckmann (1839-1892) war der Schwiegersohn des Brauereigründers Wilhelm Rasche und stieg 1871 offiziell ins Unternehmen ein, das fortan unter dem Namen "Rasche & Beckmann" firmierte. Rasche allerdings starb noch im gleichen Jahr - und Beckmann begann umgehend mit einigen Modernisierungsmaßnahmen. Die wichtigste: die Umstellung der Produktion von ober- auf untergäriges Bier. 1880 wurde die Firma in Lindenbrauerei umbenannt und in den Folgejahren weiter ausgebaut. Beckmann ließ unter anderem ein viergeschossiges Sudhaus und eine Villa als Familienwohnsitz errichten. Nach seinem Tod im Jahr 1892 übernahm seine Witwe, Caroline Beckmann, die Geschäftsführung, ließ das Kesselhaus bauen und wandelte das Unternehmen 1895 in eine Aktiengesellschaft um.

Mischa Kuball

Mischa Kuball wurde 1959 in Düsseldorf geboren und hat sich seit 1977 als Konzeptkünstler international einen Namen gemacht. Mehrere seiner Arbeiten werden im Zentrum für Internationale Lichtkunst gezeigt. Zur Kulturhauptstadt RUHR.2010 realisierte er das Projekt "NEW POTT"; zudem war er bei der EMSCHERKUNST.2010 vertreten - mit einer Lichtinstallation für die Klärbecken im Bottroper Berne Park und - gemeinsam mit Lawrence Weiner - dem Werk "Catch as catch can". Kuball ist seit 2007 Professor an der Kölner Kunsthochschule für Medien. 2016 wurde er mit dem "German Light Award" ausgezeichnet.

Homepage Mischa Kuball