LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg Oberhausen

Exponate von imponierender Größe

Als eine von wenigen vollständig erhaltenen Industrieanlagen der Gründerzeit fungiert die Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen seit 1984 als Standort des LVR-Industriemuseums. Die Dauerausstellung, die aktuell neu konzipiert wird, setzt sich mit der 150-jährigen Geschichte der Eisen- und Stahlindustrie auseinander - und das teils mit Exponaten von imponierender Größe. Zur Sammlung gehören tonnenschwere Stahlkolosse wie Kokillen und Walzen sowie ein knapp zehn Meter hoher und 53 Tonnen schwerer Dampfhammer. Weithin sichtbares Erkennungszeichen des Museums vor dessen Toren: ein Doppelbogen mit Fahrbahn der Wuppertaler Schwebebahn.

Umfassende Sanierung

Die Zinkfabrik Altenberg ist wegen Umbau bis voraussichtlich 2023 geschlossen. Stattdessen steht der Peter-Behrens-Bau als Ausstellungsort zur Verfügung.

Gezielte Expansion nach Preußen

Um die Importzölle des Deutschen Zollvereins zu umgehen, beschloss die belgische Firma Vieille Montagne, ein Unternehmen zur Zinkgewinnung und -verarbeitung, gleich in Preußen zu produzieren. Die günstige Verkehrslage und die nahe gelegenen Kohlenzechen und Hüttenwerke gaben den Ausschlag für einen Standort am Oberhausener Bahnhof, wo 1854/55 die Zinkfabrik Altenberg gegründet wurde. Sie spezialisierte sich vor allem auf die Herstellung von Blechen für den Baubereich. Die Fabrik wurde 1981 geschlossen; drei Jahre später übernahm der Landschaftsverband Rheinland die Werksgebäude und richtete hier die Zentrale des LVR-Industriemuseums Oberhausen ein. Das Museum hat mehrere lokale Außenstandorte; die Zinkfabrik selbst wird bis voraussichtlich 2022 umfassend saniert, die Dauerausstellung neu konzipiert.

Ausweichstandort während der Sanierungphase

Während der Sanierungsphase fungiert der Peter-Behrens-Bau in Oberhausen, das ehemalige Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte und Depot des LVR-Industriemuseums, als Ausweichstandort des Museums. Die Dauerausstellung "Peter Behrens - Kunst und Technik" präsentiert in der fünften Etage des Hauses Mo­delle der wichtigsten Bauten des deutschen Architekten und Designers sowie Objekte aus der Jugendstilzeit und des Industriedesigns. Sie bietet darüber hinaus einen fantastischen Ausblick auf die Stadtlandschaft der "Neuen Mitte" im Zentrum des einstigen Geländes der Gutehoffnungshütte (GHH). Das Erdgeschoss bleibt Wechselausstellungen vorbehalten.

Das Zentrum Altenberg ist Standort folgender Themenrouten:

Tipps für Ihren Besuch

Der Museumsbahnsteig am Hauptbahnhof Oberhausen.

Museumsbahnsteig

Früher ein Umschlagplatz der Schwerindustrie heute Museumsstandort: Der historische Bahnsteig an Gleis 4 und 5 des Oberhausener Hauptbahnhofs gibt Einblick in die Bedeutung der Eisenbahn für die Industrialisierung in der Region. Großobjekte aus der Sammlung des Museums, darunter ein historischer Zug sowie zwei Pfannenwagen, werden am Abend durch eine Lichtinstallation besonders in Szene gesetzt.

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Die Radwanderroute "Eisenstraße" verbindet die Zinkfabrik Altenberg, den Museumsbahnsteig, den Peter-Behrens-Bau, das Museum Eisenheim und die St. Antony-Hütte.

Eisenstraße

Eine für alle: Die Radwanderroute "Eisenstraße" verbindet die Zinkfabrik Altenberg, den Museumsbahnsteig, den Peter-Behrens-Bau, das Museum Eisenheim und die St. Antony-Hütte. Dank eines Schildersystems kann die Route eigenständig erkundet werden, das Museum bietet zudem geführte Touren an. Gemeinsam mit der Gesellschaft zur Förderung des LVR-Industriemuseums wurden ein begleitendes Buch und Kartenmaterial herausgegeben.

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Peter-Behrens-Bau Oberhausen
info@kulturinfo-rheinland.de
+49 (2234) 9921555
Essener Straße 80, 46047 Oberhausen
Menschen und Macher: François-Dominique Mosselman, Peter Behrens

Menschen und Macher: François-Dominique Mosselman, Peter Behrens

François-Dominique Mosselman

Der belgische Privatbankier und Industrielle François-Dominique Mosselman (1754-1840) war eigentlich auf den Getreidehandel und Finanzgeschäfte spezialisiert, als er nach der Jahrhundertwende das finanzielle Potenzial der Zinkgewinnung und -verarbeitung entdeckte. 1813 erwarb er die Zinkhütte des Unternehmers Jean-Jacques Dony nahe Lüttich mitsamt dessen Konzessionen für die Galmeiminen in der nahe gelegenen Ortschaft Kelmis. Dony hatte die Zinkgewinnung durch neue Verfahren revolutioniert, sich dabei finanziell jedoch übernommen. Der unaufhaltsame Zusammenbruch des französischen Kaiserreichs brachte ihm schließlich den Konkurs - und Mosselman die Chance, aus einer billig erworbenen, bankrotten Fabrik einen erfolgreichen Weltkonzern zu formen: 1837, drei Jahre vor seinem Tod, gründete er die Société des Mines et Fonderies de Zinc de la Vieille-Montagne, kurz Vieille-Montagne, die in den kommenden Jahrzehnten europaweit aktiv war und Ende der 1980er-Jahre in der Union Minière aufgehen sollte.

Peter Behrens

Künstler, Designer und Vorreiter der sachlichen Architektur: Peter Behrens (1868-1940) studierte Kunst in Düsseldorf, Karlsruhe und München, war Mitbegründer der Darmstädter Jugendstilkolonie und des Deutschen Werkbundes - und er war vor allen Dingen vielseitig. Er entwarf Kleider, Möbel, Plakate, Logos, Geschirr, Schriften und industrielle Monumentalbauten wie etwa das Technische Verwaltungsgebäude der Hoechst AG oder das Verwaltungsgebäude der Gutehoffnungshütte. In seinem Berliner Büro - Behrens selbst hatte kein Architekturdiplom - arbeiteten unter anderem Walter Gropius, Le Corbusier und Ludwig Mies van der Rohe.