Museum der Deutschen Binnenschifffahrt Duisburg

Ein Schwimmbad als Museum

Perfekt in die Riege außergewöhnlicher Ausstellungsorte fügt sich das Museum der deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg ein: Das größte und umfassendste Museum seiner Art in Deutschland führt mitten hinein in die Welt der Schifffahrt auf Fluss und Kanal. Ein besonderes "Exponat" ist für sich genommen dabei bereits das Gebäude: das ehemalige Jugendstil-Hallenbad in Ruhrort. Zum Haus gehört zudem eine eigene "Museumsflotte", die am nahen Leinpfad ankert oder im Becken der ehemaligen Herrenschwimmhalle festgemacht hat. Da wie dort dreht sich thematisch alles um die harte Arbeit der Hafen- und Werftarbeiter und die Geschichte der Wirtschaftshäfen, allen voran der Duisburger Hafen.

Erweiterte Dauerausstellung

Nicht länger allein Rhein und Ruhr, sondern allen wichtigen Wasserstraßen Deutschlands widmet sich die jüngste Erweiterung der Dauerausstellung unter dem Motto "Deutsche Flüsse - Die Ströme und Zuflussgebiete". Thema sind unter anderem außergewöhnliche Schiffstypen wie die "Ulmer Schachteln" auf der Donau. Bildgewaltige Eindrücke von Flusslandschaften liefert zudem die Videoinstallation "fliozan" von Harald Schleicher.

Vom Rathaus ins Badhaus

Seit 1979 hatte das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt zunächst seinen Sitz im Ruhrorter Rathaus. Eine wachsende Museumsflotte und eine sich ständig vergrößernde Ausstellung machten jedoch Ende der 1990er-Jahre ein neues Gebäude notwendig. Der "perfekte" Ort: die unter Denkmalschutz stehenden Ruhrorter Badeanstalten, deren Betrieb als Hallenbad 1986 aufgegeben worden war. Weniger Freizeitvergnügen denn die hygienische Grundversorgung der Bevölkerung hatte zwischen 1908 und 1910 zum Bau des Bades geführt, das zu den großen Hallenbauten der deutschen Stadtarchitektur um die Jahrhundertwende zählt.

Wege der Industrialisierung

Im Rahmen der Internationalen Bauaustellung (IBA) Emscher Park wurde das Gebäude 1991 von der architekturfabrik aachen und dem Künstler Ron Bernstein zum modernen Museumsort umgestaltet.

Als Ankerpunkt der Route zeigt das Museum eindrucksvoll auf, welche enorme Bedeutung die Wasserwege der Region für die Industrialisierung des Ruhrgebiets hatten. Zugleich hat sich das Haus als Informationsquelle für Technik-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Binnenschifffahrt einen Namen gemacht.

Detailgetreue Exponate

Duisburg ist Herz und Heimathafen der deutschen Binnenschifffahrt. Und zum größten Binnenhafen Europas gehört auch ein besonderes Ausstellungshaus: Multimedial lässt das Museum der Deutschen Binnnenschifffahrt auf drei Etagen Schifffahrtsgeschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart lebendig werden. Fester Bestandteil des Konzeptes sind dabei detailgetreue Modelle und zahlreiche Exponate zum Anfassen. Blickfang der Ausstellung ist die Tjalk „Goede Verwachting”, ein Lastensegler aus dem Jahre 1913, der in der großen Herrenschwimmhalle präsentiert wird – unter vollen Segeln. Weitere Ausstellungseinheiten zeigen die Welt der Binnenschiffer, die Arbeit der Hafen- und Werftarbeiter, das Leben der Binnenschifferfamilien an Bord, das Schifferleben an Land sowie die Auswirkungen der industriellen Revolution.

Tipps für Ihren Besuch

Die "Oscar Huber", der letzte Radschleppdampfer auf dem Rhein, gehört zur Museumsflotte.

Museumsschiffe

Zum Museum gehört auch eine eigene Museumsflotte: Am Ruhrorter Leinpfad an der Schifferbörse haben der letzte Radschleppdampfer auf dem Rhein, die "Oscar Huber" von 1922, der Eimerkettendampfbagger "Minden" und das Kranschiff "Fendel 147" (1922), das als Bunkerboot für Bootekohle diente, festgemacht. Fast alle Schiffe können besichtigt werden.

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Das kollektive Postkartenmuseum.

Kollektives Postkartenmuseum

Seit 2017 präsentiert das Binnenschifffahrtsmuseum das kollektive Schiffspostkartenmuseum. Dessen Herzstück ist die 1978 entstandene Sammlung, die dem Haus von der Düsseldorfer Künstlerin Dorothée Bouchard geschenkt wurde. Diese geht heute in die Tausende und umfasst Karten von Einsendern und Künstlern aus der ganzen Welt.

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Die Schifferbörse am Museum.

Steiger Schifferbörse

Am Steiger Schifferbörse können Besucher nicht nur die Museumsschiffe des Binnenschifffahrtsmuseums erkunden, sondern auch zu einer spannenden Rundfahrt durch den Duisburger Hafen ablegen. Die Weiße Flotte Düsseldorf/Duisburg sowie die Ruhrorter Personenschifffahrt (www.hafenrundfahrt-duisburg.de) bieten regelmäßig entsprechende Touren an.

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Museum der Deutschen Binnenschifffahrt Duisburg
service@binnenschifffahrtsmuseum.de
+49 (203) 808890
Apostelstraße 84, 47119 Duisburg
Menschen und Macher: Mathias Stinnes, Eduard und Alma Carp

Menschen und Macher: Mathias Stinnes, Eduard und Alma Carp

Mathias Stinnes

Mathias Stinnes wurde 1790 in Mülheim in eine Familie von Ruhrschiffern hineingeboren und lernte den Beruf selbst von der Pike auf: als Schiffsjunge auf dem väterlichen Kahn und als Schiffergehilfe im Ruhrkohlentransport. Mit 18 Jahren legte er mit einer Kohlenhandlung und Reederei den Grundstein für eines der erfolgreichsten Unternehmen des Ruhrgebiets. 1845, im Jahr seines Todes, galt er als größter Binnenreeder Europas. Schon früh hatte Stinnes zudem das Potenzial des Bergbaus erkannt. Seine Zeche Graf Beust in Essen, eine der ersten Tiefbauzechen der Region, blieb bis 1965 in Betrieb.

Eduard und Alma Carp

Stolze 100.000 Reichsmark stiftete das Ehepaar Eduard (1847-1924) und Alma Carp (geb. Haniel; 1856-1936) für den Bau eines Hallenschwimmbades in Ruhrort - und setzte damit ein Zeichen für ihren besonderen Einsatz für den Ort. Der Jurist Eduard Carp war in Ruhrort als Amtsrichter tätig und kommunalpolitisch aktiv. Die Fähigkeiten des auch die Familie Haniel beratenden Juristen war außerdem regelmäßig in der Handelskammer Ruhrort gefragt. Die Pläne für die dekorative Jugendstilarchitektur lieferte 1908 der Ruhrorter Stadtbaurat August Jording. 1910 konnte das Hallenbad damals noch mit getrennten Männer- und Frauenschwimmbecken eingeweiht werden - ein ungeheures Ereignis in der Region. Das Bad wurde beispielsweise von den Arbeitern des benachbarten Hüttenwerks "Phoenix" nach Schichtende als Waschmöglichkeit genutzt.