Villa Hügel Essen

Symbol der Industrialisierung

269 Räume, 8.100 Quadratmeter Nutzfläche, 28 Hektar Park: Die Villa Hügel in Essen, in den Jahren 1870 bis 1873 von Alfred Krupp erbaut, war immer schon mehr als "nur" Wohnsitz der Industriellenfamilie; sie genügte auch allerhöchsten repräsentativen Ansprüchen und ist nicht zuletzt eines der bekanntesten Symbole für die Industrialisierung des Ruhrgebiets. Das Haus ist seit 1953 für die Öffentlichkeit zugänglich und hat sich seitdem mit viel beachteten Ausstellungen und Kulturveranstaltungen auch überregional einen Namen gemacht. Eigentümerin des gesamten Anwesens ist heute die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Die Familie Krupp selbst bewohnte das Haus bis 1945.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung verwaltet das Erbe des 1967 verstorbenen Dr. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, dem letzten persönlichen Inhaber der Firma Krupp. Testamentarisch hatte Krupp festgelegt, das Unternehmen in eine Stiftung umzuwandeln, "die Ausdruck der dem Gemeinwohl verpflichteten Tradition des Hauses Krupp sein soll".

Homepage der Stiftung

Repräsentatives Anwesen

Bereits in den 1860er-Jahren hatte Alfred Krupp das Gelände um den Klosterbuschhof in Bredeney gekauft - weiträumige Ländereien mit Wald und Ackerland. Hier sollte ein Anwesen entstehen, das den stetig wachsenden repräsentativen Ansprüchen eines Unternehmens genügen musste, das sich zu einem der bedeutendsten Industriekonzerne des 19. Jahrhundert entwickeln sollte. Ein Anwesen, in dem die Krupps Politiker ebenso empfangen konnten wie Regierungschefs, Kaiser oder Könige. Erste Skizzen fertigte Krupp bereits 1864 an; 1870 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Arbeiten wurden zunächst von immer neuen Schwierigkeiten überschattet: Im Dezember 1870 senkte sich infolge von Bergschäden ein Teil des Gebäudes. Der Boden über einem Stollen der ehemaligen Zeche Klosterbusch war unter dem Gewicht des neuen Baus eingebrochen.

Sitz der Alliierten

1873 bezog die Familie ihr neues Domizil - zusammen mit zahlreichen Bediensteten; 1914 arbeiteten bis zu 650 Menschen auf dem Hügel. Der Erste Weltkrieg jedoch stürzte den Konzern in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Von 1931 an zog die Familie gar für einige Jahre vom Haupt- in das Kleine Haus. Im Zweiten Weltkrieg diente die Villa als Fluchtstätte für ausgebombte Angehörige und als Konzernstandort. 1945 kam das Aus: Die Alliierten verhafteten Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, einen der Hauptwaffenproduzenten des Dritten Reichs. Fortan nutzte die britisch-amerikanische Kontrollkommission bis 1952 die Villa.

Der Ankerpunkt Villa Hügel ist Zeugnis für die Entwicklung einer der bekanntesten Unternehmerfamilien Deutschlands im Zuge der Industrialisierung.

Historische Ausstellung Krupp

1953 fand die erste große Ausstellung in der Villa statt, zu der 400.000 Menschen auf den Hügel kamen. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und seine Mutter Bertha öffneten das Gelände für die Allgemeinheit, stellten es Kunst, Wissenschaft und Kultur zur Verfügung. Heute ist die Villa Hügel ein weithin etablierter Kultur- und Veranstaltungsort. In mehreren Themenbereichen informiert die "Historische Ausstellung Krupp" über die Familien- und Firmengeschichte. Führungen durch Park und Gebäude - hier findet sich etwa die bedeutendste Sammlung flämischer Wandteppiche in deutschem Privatbesitz - geben Zeugnis für den gehobenen Wohnstil vergangener Epochen.

Die Villa Hügel ist Standort folgender Themenrouten:

Tipps für Ihren Besuch

Das Stammhaus der Familie Krupp.

Stammhaus Krupp

Mitten in Essen betrieb der junge Unternehmer Alfred Krupp die von seinem Vater 1811 gegründete Gussstahlfabrik. Dass die Familie zunächst auf dem Fabrikgelände wohnte, hatte mit erheblichen Schwierigkeiten des Unternehmens in den Anfangsjahren zu tun. Bald jedoch wurde ein Familiensitz notwendig, der auch repräsentativen Zwecken genügte. 1864 wechselte die Familie vom "Gartenhaus" auf den Hügel. Das restaurierte Stammhaus Krupp, heute im Thyssen-Krupp-Quartier zu finden, gehört ebenfalls der Krupp-Stiftung.

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Das Folkwang Kammerorchester gibt regelmäßig Konzerte in der Villa Hügel.

Folkwang Kammerorchester

Das 1958 gegründete, international anerkannte Folkwang Kammerorchester Essen nutzt neben der Philharmonie Essen und dem UNESCO-Welterbe Zollverein auch die Villa Hügel als regelmäßige Spielstätte. Das international besetzte, junge Ensemble experimentiert seit Jahren erfolgreich mit Konzertformen, Genres und Stilen und verfügt über ein außergewöhnliches musikalisches Spektrum. Neben der Alten Musik liegt ein wSchwerpunkt auf den Werken Mozarts.

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Die Villa Hügel in Essen.

Hügelpark

28 Hektar Fläche und mehr als 100.000 Besucher jährlich: Mindestens ebenso repräsentativ und beeindruckend wie die Villa Hügel ist der großzügige Hügelpark. Von Alfred Krupp ebenso exakt geplant wie das Haus und seitdem mehrfach umgestaltet, präsentiert sich die Anlage seit rund 50 Jahren im Stil eines englischen Landschaftsparks. Regelmäßige Führungen geben einen Einblick in die Vergangenheit des grünen Ortes; der Park kann jedoch von Besuchern auch auf eigene Faust erkundet werden.

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Villa Hügel Essen
office@villahuegel.de
+49 (201) 616290
Hügel 1, 45133 Essen
Menschen und Macher: Alfred Krupp, Bertha Krupp von Bohlen und Halbach, Berthold Beitz

Menschen und Macher: Alfred Krupp, Bertha Krupp von Bohlen und Halbach, Berthold Beitz

Alfred Krupp

Der älteste Sohn von Friedrich Krupp und Theresia Helena Johanna Wilhelmi kam 1812 in Essen zur Welt – und führte nach dem Tod des Vaters bereits im Alter von 14 Jahren gemeinsam mit seiner Mutter die Krupp’sche Gussstahlfabrik weiter. Was zu diesem Zeitpunkt hochverschuldet und mit sieben Arbeitern begann, sollte sich zum damals größten Industrieunternehmen Europas entwickeln. Und das nicht zuletzt wegen der unternehmerischen Leistung Krupps, einem unermüdlichen Arbeiter, der Innovation vorantrieb. Dabei war er auf gut ausgebildete Arbeiter angewiesen, die er einerseits über Werkswohnungen und gute Löhne ans Unternehmen band, denen er jedoch zugleich jedwede sozialdemokratische oder gewerkschaftliche Betätigung verbot. Bei seinem Tod im Jahr 1887 hinterließ er seinem Sohn Friedrich Alfred ein in hohem Maße wettbewerbsfähiges Unternehmen.

Bertha Krupp von Bohlen und Halbach

Testamentarisch hatte Friedrich Alfred Krupp die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft verfügt - und seine ältere Tochter Bertha (1886-1957) als Alleinerbin eingesetzt. Letztere war bei seinem Tod 1902 noch minderjährig, so dass zunächst ihre Mutter Margarethe ihre Interessen vertrat. 1906 heiratete Bertha Gustav von Bohlen und Halbach; per Erlass wurde der Familie die Namensergänzung gestattet. Bertha hatte bis 1943 beinahe sämtliche Krupp-Aktien inne, überschrieb jedoch im Zuge von Hitlers "Lex Krupp" ihrem ältesten Sohn Alfried sämtliche Anteile. Sohn und Ehemann mussten sich im Rahmen der Nürnberger Prozesse unter anderem wegen ihrer Beziehung zur NS-Führung und der Beschäftigung von Zwangsarbeitern verantworten. Die Stadt Essen erkannte dem Ehepaar 1946 die Ehrenbürgerrechte ab.

Berthold Beitz

Der Manager Berthold Beitz wurde 1952 von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1907-1967) zu seinem Generalbevollmächtigten ernannt. Beitz, 1913 geboren, hatte während des Zweiten Weltkrieges jüdischen Zwangsarbeitern das Leben gerettet, indem er erklärte, dass sie für die von ihm verwalteten Unternehmen unentbehrlich seien. Krupp seinerseits war erst 1952 begnadigt und aus dem Kriegsverbrechergefängnis entlassen worden. Beide machten sich an den erneuten Aufbau des Krupp-Konzerns. Ab 1970 hatte Beitz die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden inne, von 1989 an war er Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. 1968 wurde er zudem Vorsitzender von Vorstand und Kuratorium der gemeinnützigen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, deren Gründung Alfried kurz vor seinem Tod auf Anraten Beitz' verfügt hatte und auf die sein gesamtes Vermögen überging. Beitz war für sein gesellschaftliches Engagement und seinen Einsatz für die Ost-Aussöhnung bekannt. Er starb 2013.