Schurenbachhalde Essen

Mondlandschaft mit Waldpark

267 Stufen zählt der direkte Weg, die Direttissima, auf den "Mond". Kein Baum, kein Strauch ist auf dem Plateau der Schurenbachhalde in Essen zu finden, während der Weg hinauf sehr wohl von postindustriellem, lebendigem Grün begleitet wird. Die Leere gleichwohl hat Konzept. Denn auf diese Weise konzentriert sich der Blick des Gipfelstümers vor allem auf Zweierlei: auf große Kunst - im wahren Wortsinn - und einen fantastischen Panoramablick über das Revier.

Beabsichtigte Neigung

Während die Breitseiten von Richard Serras "Bramme" exakt nach Osten und Westen ausgerichtet sind, neigt sich das wuchtige Kunstwerk nach Süden hin um genau drei Grad und scheint leicht in den Boden einzusinken. Ein Gestaltungselement, das Raum für Interpretationen bietet und das etwa als Sinnbild für den keinesfalls problemlos umzusetzenden Strukturwandel in der Region gedeutet wird.

Ellipsenförmiges Haldenplateau

Bis zum Ende der 1950er-Jahre konnte das bei der Kohlenförderung auf der Zeche Zollverein anfallende Bergematerial unter Tage nahezu wieder vollständig verfüllt werden. Mit der Mechanisierung der Kohlengewinnung musste jedoch eine andere Lösung für den zunehmenden Überschuss an Bergematerial her: die Zentralhalde Schurenbach, die nach der Schließung Zollvereins 1986 von anderen Bergwerken weiter genutzt wurde. Über 48 Hektar erstreckt sich der Tafelberg heute zwischen Rhein-Herne-Kanal und A42 – und präsentiert sich Besuchern optisch durchaus "zweigeteilt": Während der Aufstieg durch einen Waldpark führt, gleicht das leicht ellipsenförmig angelegte Haldenplateau einer wüsten Mondlandschaft aus dunkelgrauem Schotter. Der Blick kann frei in alle Himmelsrichtungen schweifen, bleibt jedoch beinahe zwangsläufig am exakten Mittelpunkt des Gipfels hängen: an der "Bramme für das Ruhrgebiet" des US-amerikanischen Künstlers Richard Serra.

"Bramme für das Ruhrgebiet"

Beinahe 15 Meter hoch, rund 70 Tonnen schwer und über 13 Meter tief im Boden verankert: Einsam und monumental erhebt sich die Bramme aus der kargen Schotterlandschaft. Als Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park markierte die Installation der Skulptur im Jahr 1998 zugleich den Abschluss der Schüttungen. Eine steil aufragende Landmarke als sichtbares Zeichen des Strukturwandels, die schon nicht mehr in der Region selbst gefertigt werden konnte: 1998 gab es im Ruhrgebiet bereits kein Werk mehr, dass eine Stahlbramme von dieser Größe hätte walzen können; das Kunstwerk wurde daher in Frankreich gefertigt. Als einziger Fixpunkt auf dem Gipfel übt sie auf Besucher heute eine nahezu magnetische Anziehungskraft aus.

Schurenbachhalde
Emscherstraße, 45329 Essen