Margarethenhöhe Essen

Gartenstadtidee in Vollendung

Die Margarethenhöhe, benannt nach ihrer Stifterin Margarethe Krupp, gilt als eines der schönsten Beispiele für die Umsetzung der Gartenstadtidee in Deutschland. Georg Metzendorf verband in seinen Entwürfen romantische Fassaden mit zweckmäßiger und komfortabler Ausstattung. Die Siedlung avancierte zum Vorbild für den sozialen Wohnungsbau und hat sich außerdem als Künstlerkolonie einen Namen gemacht. Die Margarethenhöhe gilt heute als eines der gefragtesten Wohnviertel Essens.

Außenstelle des Ruhr Museums

Das Ruhr Museum bietet offizielle Führungen über die Margarethenhöhe an, betreibt dort eine museale Musterwohnung und zeigt im Kleinen Atelierhaus die im Jahr 2020 komplett überarbeitete Dauerausstellung "Die Gartenstadt Margarethenhöhe".

Ruhr Museum

Konzept des "Klein-Wohnhauses"

Neben ihrem Engagement als Kunstmäzenin war Margarethe Krupp vor allem für ihr soziales Engagement bekannt. Anlässlich der Heirat ihrer Tochter Bertha rief sie 1906 die "Margarethe-Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge" ins Leben. Mit deren Kapital wurde - im Unterschied zu anderen Krupp-Wohnprojekten - erstmals eine klassenübergreifende Siedlung für Angestellte des Unternehmens und städtische Beamte realisiert. Mit der Planung wurde der Architekt Georg Metzendorf beauftragt, der für zahlreiche weitere Gebäude und Siedlungen im Ruhrgebiet verantwortlich zeichnet. Metzendorf setzte auf der Margarethenhöhe sein Konzept des "Klein-Wohnhauses" um, das eine auf die Bedürfnisse der industriellen Kleinfamilie zugeschnittene Grundrisslösung mit einem bis dahin in dieser Schicht nicht bekannten Komfort wie Bad, Wasserklosett und Zentralheizung kombinierte. Die Siedlung wurde in 29 Bauabschnitten von 1909 bis 1934/38 errichtet; die umliegenden Siepentäler wurden im Sinne der Gartenstadtidee zu Waldparks umgestaltet.

Gesunder Wohnraum für Kruppianer

Die Gartenstadtbewegung geht auf den Briten Eebenezer Howard zurück, der im 19. Jahrhundert das Ideal von autarken Orten in unmittelbarer Nähe zu arbeitsplatzsichernden Unternehmen entwickelte. Anfang des 20. Jahrhunderts galten Gartenstädte als ideale Lösung für wachsende Städte und Wohnungsnot. Zu den Zielen der 1902 gegründeten Deutschen Gartenstadt Gesellschaft zählte unter anderem die Schaffung "gesunden" Wohnraums mit Zugang zu einem eigenen Garten sowie Gemeineigentum nach genossenschaftlichem Prinzip. Dieser Aspekt fehlt auf der Margarethenhöhe, die ansonsten die Bauweise der Gartenstadt idealtypisch umsetzt. Erker und Laubengänge, geschwungene Giebel, Pilaster und Natursteinsockel geben der in sich geschlossenen Siedlung ein variierendes Erscheinungsbild. Das Zentrum bildet der "Kleine Markt" mit seiner Achse aus Gasthaus, Brunnen und der ehemaligen Krupp'schen Konsumanstalt, die allein den Werksangehörigen vorbehalten war.

Erfolgreiche Künstlersiedlung

Mit der Bereitstellung von Räumlichkeiten für freie Künstler entwickelte sich die Siedlung ab 1917 zudem zu einer Künstlerkolonie von überregionaler Bedeutung. Gearbeitet haben hier unter anderem der Grafiker Hermann Kätelhön, der Bildhauer Will Lammert, die Goldschmiedin Elisabeth Treskow, die Buchbinderin Frida Schoy und der Fotograf Albert Renger-Patzsch. Die Vertreibung von Kulturschaffenden nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 setzte der Künstlergemeinschaft im Essener Süden ein Ende. Dank des Wiederaufbaus der Häuser nach dem Zweiten Weltkrieg präsentiert sich die Siedlung, die in Teilen seit 1987 unter Denkmalschutz steht, heute nach wie vor in ihrer historischen Form.

Margarethenhöhe
Steile Straße/Kleiner Markt, 45149 Essen