Siedlung Ziethenstraße Lünen

Früher Werkswohnungsbau im Revier

Schlichte Zweckmäßigkeit statt repräsentativer Verspieltheit in der Gestaltung: Einfache Häuser mit tiefen Vorgärten boten von 1898 an den Arbeitern der Zeche Preußen einen eher geringen Wohnstandard. Eine vorbildliche Sanierung der Kolonie durch die Landesentwicklungsgesellschaft NRW bewahrte ab 1989 jedoch ein wertvolles Beispiel für den frühen Werkswohnungsbau im Revier vor dem möglichen Verfall.

Kirchen, Schulen und eigene Polizei

Die Siedlung verfügte schon früh über eine eigene Infrastruktur mit Schulen, Kirchen und Anbindung an die Straßenbahn (ab 1905). Die Finanzierung erlegte die Stadt in großen Teilen der Harpener Bergbau AG auf. Das Unternehmen musste beispielsweise nicht nur eine Polizeistation errichten, sondern auch das Gehalt des Beamten vor Ort bezahlen.

Einfacher Baustandard

Rund 1.000 Bergleute beschäftigte die Harpener Bergbau AG um das Jahr 1897 in ihren Preußen-Zechen. Arbeiter und Familien, für die dringend Wohnraum benötigt wurde. 52 in Reihung angeordnete Ziegelhäuser an der Ziethenstraße in Lünen sollten hier Abhilfe schaffen: In jedem Haus konnten bis zu vier Familien wohnen; jedem Gebäude war auf der Rückseite zudem ein eigener Stall zugeordnet. Dass die Siedlung im Laufe ihrer Geschichte nicht gerade zu den Schmuckstücken des Werkswohnungsbaus im Ruhrgebiet zählte, erklärt sich aus dem geringen Standard der Wohnungen und dem häufig schlechten Zustand des Wohnumfeldes. Bis in die 1950er-Jahre befanden sich die Toiletten beispielsweise draußen an der Stallgasse - einfache Plumpsklos, jeweils eines für zwei Familien.

Sanierung durch die LEG

Das grundsätzliche Umdenken der Öffentlichkeit im Hinblick auf die Zukunft der Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet und der vehemente Kampf der Bewohner anderer Siedlungen hatten positive Folgen auch für die Siedlung Ziethenstraße: Ab 1989 wurde die Kolonie durch die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) NRW umfassend saniert und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Zahlreiche Häuser wurden privatisiert; ursprüngliche Mieter erhielten ein lebenslanges Wohnrecht. Die Stadt Lünen bietet regelmäßig Führungen durch den Süden der Stadt und die Bergarbeitersiedlung an.

Ziethenstraße
Ziethenstraße/Sedanstraße, 44532 Lünen