Was ist die Route der Industriekultur?

Das Erbe des Ruhrgebiets

Hochöfen, Gasometer und Fördergerüste haben über Jahrzehnte das Gesicht des Ruhrgebiets, der größten Industrie-Region Europas, geprägt. Heute sind sie, in einer Dichte wie nirgendwo sonst in Deutschland, wichtige Zeugen der 150-jährigen industriellen Vergangenheit des Reviers und stehen zugleich für den sich vollziehenden Strukturwandel hin zur Metropole Ruhr. Die ehemaligen Produktionsstätten sind dabei keine Orte wehmütiger Erinnerung, sondern haben sich längst zu lebendigen industriekulturellen Räumen und attraktiven Veranstaltungsorten mit überregionaler Anziehungskraft entwickelt. Wichtigster Baustein dieses Konzeptes: die Route der Industriekultur, ein Projekt des Regionalverband Ruhr.

Tourismusmagnet Industriekultur

Mehr als sieben Millionen Besucher und ein Bruttoumsatz von rund 285 Millionen Euro: Das Thema Industriekultur ist für die Region ein enorm wichtiges touristisches Thema. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts dwif-Consulting, die vom Regionalverband Ruhr (RVR) als Träger der Route der Industriekultur in Auftrag gegeben wurde und für die Zahlen des Jahres 2017 analysiert wurden. Eine weitere zentrale Nachricht der Untersuchung: Der Tourismus zur Route der Industriekultur löst Beschäftigungseffekte von mindestens 6.150 Arbeitsplätzen aus.

Endbericht des Instituts dwif-Consulting

Schutz der historischen Wurzeln

Dem Bewahren ging lange Zeit die quasi routinemäßige Zerstörung voraus: Im Zuge der Kohle- und Stahlkrise ab 1960 funktionslos gewordene Bauwerke oder Industrieareale, viele davon von herausragendem technikgeschichtlichem und architektonischem Wert, wurden in der Regel abgerissen oder zurückgebaut. Auch etlichen der heutigen Highlights der Industriekultur, etwa Zollverein in Essen oder dem Hochofenwerk im Landschaftspark Duisburg-Nord, drohte dieses Schicksal zunächst. Ein generelles Umdenken setzte erst Anfang der 1980er-Jahre ein, als nicht nur unter Experten, sondern auch in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für den Schutz der historischen Wurzeln des Ruhrgebiets wuchs: Anwohner kämpften für den Erhalt ihrer Siedlungen, ehemalige Kumpel für den Fortbestand von Zechengebäuden und Fördergerüsten.

Projekt der IBA Emscher Park

Die Route der Industriekultur wurde am 29. Mai 1999 im Rahmen der Abschlusspräsentation der Internationalen Bauaustellung (IBA) Emscher Park auf Zollverein feierlich eröffnet. Der Begriff "Industriekultur" legt dabei zwar einen wichtigen Schwerpunkt auf die geschichtliche Reflexion, dies jedoch weniger als nostalgisches Festhalten an der Vergangenheit denn als Verbindung von Gestern und Heute. Tatsächlich konnten viele Industrieanlagen und -denkmäler im Rahmen der IBA gerettet, zum Teil musealisiert, vor allem aber einer neuen Nutzung zugeführt und damit zukunftsfähig gemacht werden. Als Klammer erschließt die Route der Industriekultur auf einem 400 Kilometer langen Straßenrundkurs das industriekulturelle Erbe des Ruhrgebiets: 26 Ankerpunkte, 17 Panoramen der Industrielandschaft sowie die 13 schönsten Siedlungen verschiedener Epochen.

Rund 1.000 Standorte auf Themenrouten

Zur Route gehören neben herausragenden IBA-Projekten auch bereits zuvor touristisch bekannte Gebäude und Anlagen, etwa die Villa Hügel in Essen oder das Deutsche Bergbau-Museum Bochum. 29 Themenrouten mit rund 1.000 Sekundärstandorten bieten darüber hinaus die Chance, das Ruhrgebiet auf ganz persönliche Art und Weise kennenzulernen - ganz gleich, ob es um Kumpel geht, Braukunst, Schrebergärten oder Unternehmervillen. Die Themenrouten sind dabei eher als "Ideengeber" denn als feste Wegstrecken zu verstehen. Über vielfältige Publikationen, beispielsweise den Entdeckerpass, macht der Regionalverband Ruhr als Projektträger die Route der Industriekultur darüber hinaus auch in Wort und Bild erfahrbar. Mit seinem touristischen Alleinstellungsmerkmal war das Ruhrgebiet unter anderem Vorreiter für die Entstehung der Europäischen Route der Industriekultur(ERIH).

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20 Jahre Route der Industriekultur

1999 feierte die Route der Industriekultur 20-jähriges Bestehen. Anlass genug für einen eigenen Jubiläumsfilm - und für Glückwünsche von Besuchern und Besucherinnen, die auf der Route und an den Ankerpunkten unterwegs waren. 

Die komplette Playlist der Route auf dem YouTube-Channel des Regionalverband Ruhr ist hier zu finden.

Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park

Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park

Zukunftsprogramm

Die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park war zwischen 1989 und 1999 ein groß angelegtes Zukunftsprogramm zur Bewältigung der Strukturkrise im nördlichen Ruhrgebiet. Initiiert vom damaligen nordrhein-westfälischen Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, Christoph Zöpel, und dem späteren Geschäftsführer der IBA, Karl Ganser, trug sie entscheidend zur Erneuerung der Industrieregion bei.

Bis zum Ende der IBA wurden mit rund 2,3 Mrd. Euro 129 Projekte in 17 Gemeinden realisiert, darunter die Renaturierung der Emscher und die Umwidmung ehemaliger Industriebauten wie der Zeche Zollverein und dem Landschaftspark Duisburg-Nord. Projekte wie der Emscher Landschaftspark und die Route der Industriekultur stützten sich dabei auf Konzepte des Kommunalverbands Ruhrgebiet (KVR), heute Regionalverband Ruhr.

Optische Hinweise auf die Route vor Ort

Signalobjekte

Leuchtend gelb und unübersehbar: Wie überdimensionale Stecknadeln markieren die so genannten Signalobjekte jeden der 26 Ankerpunkte der Industriekultur - und machen das industriekulturelle Erbe damit weithin sichtbar.

Brammen

An jedem Primärstandort - also den Ankerpunkten, Panoramen und Siedlungen - finden sich mindestens drei Brammen mit Erläuterungstexten zur Route der Industriekultur, zur Einordnung des Standortes in die Themenroute(n) sowie zum Standort selbst.

Hinweistafeln

Hinweistafeln wie diese zur Zollverein-Schachtanlage 3/7/10 informieren jeweils vor Ort ausführlich über alle Standorte der Route der Industriekultur. Hier finden Besucher Informationen zur Geschichte oder besonderen Details des Standortes.

Orientierungshilfen unterwegs

Orientierungshilfen unterwegs

Gestaffeltes Informationssystem

Ein gestaffeltes Informationssystem sorgt für Orientierung auf der Route. Es beginnt mit braunen Unterrichtungstafeln an den Autobahnen, den zentralen "Eingangstoren" ins Ruhrgebiet. Diese Schilder definieren die Region als touristische "Industrie-Kultur-Landschaft". Ebenfalls braune Binnentafeln verweisen jeweils auf industriekulturelle Sehenswürdigkeiten vor Ort. Diese grafisch abgestimmte Beschilderung verbindet alle Hauptstandorte der Route auf rund 400 Kilometern. Weitere Standorte sind als Abzweige ebenfalls mit braunen Hinweistafeln ausgeschildert.

Radfahrern wiederum bieten sich auf der Route der Industriekultur per Rad, einem 1.200 Kilometer langen Radwegenetz eingebettet ins radrevier.ruhr, spannende Touren durch die Metropole Ruhr. Ein Knotenpunktsystem nach belgischem Vorbild erleichtert hier die Orientierung: Alle relevanten Radwege-Kreuzungen sind durchnummeriert. Das neue System ist eine Erweiterung der bestehenden rot-weißen Radwegeweisung.

Route der Industriekultur per Rad