Besuch des thailändischen Königs Bhumibol in Bochum und Essen
Der Film rückt die Familie Krupp ins Zentrum und zeigt sie als Teil staatlicher und halbamtlicher Besuchsprogramme der Nachkriegszeit. Nicht die Produktion steht im Fokus, sondern die Villa Hügel und das Unternehmen als Bühnen gesellschaftlicher und industrieller Macht. Die Familienmitglieder erscheinen als „Industriekönige“, die ihr Reich aus Technik, Produktion und sozialer Ordnung wirkungsvoll präsentieren.
Staatsbesuche im Zeichen des Wirtschaftswunders
Die im Film gezeigten Begegnungen stehen in einer langen Linie internationaler Kontakte , insbesondere zu Thailand, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreichen. Bereits 1897 besuchte König Chulalongkorn (Rama V.) die Krupp-Werke und die Villa Hügel; auch in den folgenden Jahrzehnten waren thailändische Könige und Prinzen wiederholt Gäste des Unternehmens. An diese Tradition knüpfen die im Film dokumentierten Staatsbesuche der 1950er- und 1960er-Jahre an, in denen Krupp und die Villa Hügel erneut als Bühnen internationaler Repräsentation dienten.
Diese Besuche sind vor dem Hintergrund des westdeutschen Wirtschaftswunders zu lesen und dienten zugleich dem politischen Ziel, den wirtschaftlichen Wiederaufschwung der Bundesrepublik sichtbar zu machen. Darüber hinaus fungierten sie als Demonstration eines spezifisch westdeutschen Wirtschaftsmodells, das unter Begriffen wie „soziale Marktwirtschaft“ oder „rheinischer Kapitalismus“ firmierte. Entsprechend gehörten Werkssiedlungen, betriebliche Sozialeinrichtungen und Konsumanstalten zum festen Bestandteil der Besuchsprogramme und werden filmisch gezielt hervorgehoben. Dass Krupp dabei als Gastgeber auftrat, erklärt sich nicht zuletzt aus den historisch gewachsenen internationalen Verflechtungen des Unternehmens.
Unternehmensführung im Film
Zugleich wird im Film eine klare Rollenverteilung innerhalb der Unternehmensführung sichtbar: Berthold Beitz tritt als dynamischer, international ausgerichteter Manager auf, derfür die Gegenwart und Zukunft des Konzerns steht, während Arndt von Bohlen und Halbach als patriarchale Figur inszeniert wird, die Tradition, Kontinuität und historische Legitimation verkörpert. Beitz’ oft zitierte Formel, „Die ganze Welt ist der Markt von morgen“, bildet dabei den ideellen Unterton der gezeigten Inszenierungen.
Ablauf und Inszenierung des königlichen Besuchs aus Thailand
Der im Film dokumentiert Besuch des thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej und seiner Frau Sirikit gliedert sich in zwei Teile. Der erste führt nach Bochum, wo der insgesamt nur rund 90 Minuten dauernde Aufenthalt mit der Ankunft am Hauptbahnhof per Sonderzug beginnt. Begrüßt wird der König unter anderem von Berthold Beitz, Oberbürgermeister Gustav Heinemann sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich Deist. Ein Spalier aus Bergleuten in traditioneller Tracht, die Fahrt ins Werk, die Begrüßung durch Vorstandsmitglied Günter Vogelsang sowie die Vorführung eines Glockenspiels – darunter die Darbietung der thailändischen Nationalhymne – unterstreichen den festlich‑ritualisierten Charakter des Besuchs. Auch das vergleichsweise neue Ledigenwohnheim an der Essener Straße wird präsentiert und dient der gezielten Hervorhebung sozialpolitischer Leistungen des Unternehmens.
Diese Elemente folgten einer standardisierten Dramaturgie von Staats- und Werksbesuchen, die sich durch wiederkehrende Motive auszeichnet: Produktpräsentationen, Auftritte von Bergmanns‑ und Werksorchester, folkloristische Darbietungen, Kinder mit Blumen sowie die Eintragung in Gästebücher.
Der zweite Teil des Films zeigt den Aufenthalt in Essen. Der Transfer erfolgt im Automobilkonvoi, begleitet von den sogenannten „Weißen Mäusen“, der umgangs-sprachlichen Bezeichnung für die Verkehrspolizei. Zu sehen sind unter anderem Königin Sirikit, Wilhelmine Lübke, die Ehefrau des Bundespräsidenten, sowie Else Beitz. Der Besuch umfasst die Eintragung in das Gästebuch der Villa Hügel, eine Kaffeetafel auf der Terrasse sowie die abschließende Verabschiedung am Bahnhof Hügel.
Der Film lässt sich somit als visuelle Quelle zur Ritualisierung von Wirtschafts‑ und Staatsrepräsentation in der frühen Bundesrepublik lesen. Er zeigt, wie industrielle Leistungsfähigkeit, soziale Fürsorge und internationale Diplomatie in einem bewusst inszenierten Bildprogramm miteinander verknüpft werden.
Felix Hartelt, Historisches Archiv Krupp
Filmografische Angaben:
Auftraggeber: Fried. Krupp
Länge: 7 min.
Ton: Magentton
Farbe: s/w
Material: 16mm
Kontakt
Historisches Archiv Krupp
Villa Hügel, Hügel 1
45133 Essen
Prof. Dr. Ralf Stremmel / Felix Hartelt, M. Sc.
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