Stapellauf des Kreuzers „Prinz Eugen“ (1939)
Der Stummfilm der Reichsbildstelle für den Unterrichtsfilm dokumentiert den Stapellauf des Schweren Kreuzers Prinz Eugen am 22. August 1938. Gezeigt wird der vollständige Ablauf des Stapellaufs, einschließlich der vorbereitenden Arbeiten, bei denen Werftarbeiter die Stützböcke entfernen und den Rumpf auf der Helling freigeben. Ebenfalls zu sehen ist die Taufzeremonie, an der Adolf Hitler sowie der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy teilnehmen; die Schiffstaufe wird von dessen Ehefrau Magdolna Horthy vollzogen. Darüber hinaus sind weitere hochrangige Vertreter des nationalsozialistischen Regimes anwesend.
Der Stapellauf als propagandistisch inszeniertes Ereignis im NS-Schiffsbau
Der Stapellauf stellte ein bedeutendes Ereignis auf der Krupp‑Germaniawerft in Kiel, einem Tochterunternehmen der Fried. Krupp AG, dar. Sowohl der Filmtitel als auch die inszenierte Darstellung verweisen auf die propagandistische Funktion des militärischen Großschiffbaus im nationalsozialistischen Deutschland. Zum Zeitpunkt des Stapellaufs sind Aufbauten und Bewaffnung des Schiffes noch teilweise unvollständig und werden erst in den darauffolgenden Bauphasen ergänzt. Der vorliegende Film scheint zudem eine gekürzte und möglicherweise zensierte Fassung einer ursprünglich umfangreicheren Version zu sein. Darauf deuten sowohl die fragmentarisch wirkende Dramaturgie als auch der Vergleich mit deutlich längeren Überlieferungen desselben Ereignisses hin, die sich insbesondere in amerikanischen Archiven erhalten haben. Diese Fassungen erlauben Rückschlüsse auf redaktionelle Eingriffe und Auswahlprozesse innerhalb der nationalsozialistischen Filmpraxis[Zwischenüberschrift] Baugeschichte, technische Daten und Kriegseinsätze des Schweren Kreuzers “Prinz Eugen“
Die Prinz Eugen war ein schwerer Kreuzer der Admiral‑Hipper‑Klasse und nach Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) benannt. Das Schiff wurde zunächst unter der Tarnbezeichnung „Kreuzer J“ geplant und am 23. April 1936 auf der Krupp‑Germaniawerft auf Kiel gelegt. Die Baukosten beliefen sich auf rund 104,5 Millionen Reichsmark. Die Indienststellung erfolgte am 1. August 1940. Innerhalb der Kriegsmarine galt das Schiff als vergleichsweise „glücklich“, da es den Krieg trotz mehrerer Einsätze überstand.
Kampfeinsätze führten die Prinz Eugen unter anderem im Mai 1941 im Rahmen des Unternehmens „Rheinübung“ in den Atlantik, die Dänemarkstraße und die Nordsee, gemeinsam mit dem Schlachtschiff Bismarck, bei dem der britische Schlachtkreuzer Hood versenkt und die Prince of Wales schwer beschädigt wurde. Weitere Einsätze umfassten das Unternehmen „Cerberus“ (den Durchbruch durch den Ärmelkanal 1942), Einsätze vor Norwegen sowie Artillerieunterstützung an der Ostfront. Nach schweren Torpedotreffern und Reparaturen diente das Schiff zeitweise auch der Ausbildung von Offiziersanwärtern
Nachkriegszeit und Ende
Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 wurde die Prinz Eugen zunächst der Royal Navy übergeben und anschließend als Kriegsbeute an die US Navy übertragen. Dort kam sie 1946 im Rahmen der Atombombentests der „Operation Crossroads“ im Bikini‑Atoll zum Einsatz. Trotz überstandener Explosionen kenterte das Schiff später und sank im Kwajalein‑Atoll, wo Teile des Wracks bis heute sichtbar sind. Ein Schiffspropeller ist im Marine‑Ehrenmal Laboe ausgestellt.
Felix Hartelt, Historisches Archiv Krupp
Filmografische Angaben:
Auftraggeber: Reichsstelle für Unterrichtsfilm, Berlin
Hersteller: UFA-Filmstudios, Potsdam-Babelsberg
Material: 16mm
Ton: stumm
Länge: 11 Min.
Farbe: s/w
Kontakt
Historisches Archiv Krupp
Villa Hügel, Hügel 1
45133 Essen
Prof. Dr. Ralf Stremmel / Felix Hartelt, M. Sc.
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