Tüshaus Mühle

Die Tüshaus-Mühle. Foto: Förderverein Kulturdenkmal Tüshaus Mühle
Die Tüshaus-Mühle. Foto: Förderverein Kulturdenkmal Tüshaus Mühle

Wie kaum ein anderes technisches Kulturdenkmal am Rande des nördlichen Ruhrgebiets verdeutlicht die Geschichte dieser Wassermühle den wirtschaftlichen Wandel der letzten 400 Jahre. 1615 wird der Bau einer Walkmühle an dieser Stelle erstmals urkundlich erwähnt. Es muss allerdings bereits ein Vorgängergebäude existiert haben, denn die Mühle wurde auf alten Fundamenten errichtet.

Ein Unternehmer namens Tuschhaus pachtete die Mühle von den Besitzern, den Herren von Lembeck. In der Mühle wurden fortan Wollstoffe in einem Hammerwerk gewalkt, bevor sie in die Weiterverarbeitung gingen. Grundlage des regionalen Textilgewerbes war die Schafhaltung auf den ausgedehnten Heideflächen der Umgebung.

Doch spätestens im 19. Jahrhundert war mit diesem Gewerbe Schluss. 1880 wurden zum letzten Mal Stoffe in der Mühle gewalkt. Die Heide- und Moorflächen waren inzwischen kultiviert und in Ackerland und Weiden umgewandelt worden. Getreide und Ölsaaten wurden jetzt wichtige Produkte, so dass die Mühle seit 1752 zusätzlich für Ölsaaten genutzt wurde. 1890 baute Heinrich Tüshaus das Dachgeschoss aus und installierte zwei Mahlgänge für Getreide. Zugleich investierte er in eine Francis-Turbine, die die Leistung des Betriebs erheblich steigerte. Um 1900 brach ein neues Zeitalter an, die elektrische Energie hielt Einzug. 1908 wurde ein Generator mit einer Leistung von 22 kVA eingebaut. Er erzeugte nicht nur Strom für die Beleuchtung der Mühle und des nahen Müllerhauses - damals auf dem Lande noch eine kleine Sensation - sondern lieferte auch Elektroenergie für den Tüshaus-Gutshof und dessen Brennerei.

Das Backhaus gegenüber der Mühle. Foto: Förderverein Kulturdenkmal Tüshaus Mühle
Das Backhaus gegenüber der Mühle. Foto: Förderverein Kulturdenkmal Tüshaus Mühle

Inzwischen sind die arbeitsreichen Zeiten vorbei; seit 1970 wird hier kein Getreide mehr gemahlen. Nachdem die Mühle einige Jahre leer stand wurden sie im Jahr 1986 nach umfangreichen Restaurationsarbeiten als Technisches Kulturdenkmal anerkannt. 2013 wurde die alte Gleichstromanlage auf Wechselstrom umgerüstet, die Francis-Turbine generalüberholt und eine automatische Steuerung des Wasserstandes am Mühlenteich eingebaut. Damit existiert hier ein Kleinstwasserkraftwerk, dessen Strom der Unterhaltung der Mühle und dem Museumsbetrieb zur Verfügung gestellt wird.

Im Jahr 2014 wurde der Gemeinnützige Förderverein Tüshaus Mühle e.V. gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Stadt Dorsten darin zu unterstützen, das Kulturdenkmal Tüshaus Mühle zu erhalten, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie nicht zuletzt als außerschulischen Lernort durch museumspädagogische und kulturelle Aktivitäten zu fördern.

Wer eine kleine Zeitreise machen und einen Eindruck von der Funktion der alten Mühle bekommen möchte, kann an regelmäßigen oder individuellen Führungen teilnehmen. Dabei setzt der Mühlenführer die Ledertreibriemen und Zahnräder in Gang und die Mühle klappert wieder. Außerdem wird zu besonderen Gelegenheiten, wie zum Beispiel beim jährlichen Mühlenfest am Pfingstmontag, dem Tag der deutschen Mühlen, das alte Backhaus gegenüber der Mühle in Betrieb genommen. Dann wird das beliebte Brot frisch gebacken verkauft.

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Kontakt & Infos

Tüshaus Mühle
Weseler Straße 433 (B 58)
46286 Dorsten-Deuten
Öffnungszeiten
Ende April bis Anfang Oktober
jeweils am ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr

Regelmäßige Führungen durch die Mühle finden zu den regulären Öffnungszeiten statt. Individuelle Führungen können vereinbart werden unter Telefon +49 (0)173 / 89 88 316 oder Telefon +49 (0)2369 / 22 857 sowie per Mail unter tueshaus-muehle@mail.de.

ÖPNV

Von Essen Hbf/Dorsten mit RegionalExpress RE14 bis Deuten, dann ca. 15 Minuten Fußweg