Papierfabrik und Villa Vorster

Papierfabrik und Villa Vorster. Foto: RIK / R. Budde
Papierfabrik und Villa Vorster. Foto: RIK / R. Budde

Das genaue Baujahr der Villa Vorster ist nicht bekannt. Vieles spricht dafür, dass die Villa zwischen 1842 und 1846 von Hermann Vorster erbaut worden ist. Ein Mülheimer Architekt soll sie, nach dem Vorbild einer Villa, die er für die "Broicher Verwandtschaft" errichtet hatte, geplant haben.

Die Papierherstellung hat im märkischen Sauerland eine lange Tradition, die bis in das 16. Jh. zurückreicht. Mathias Vorster siedelte 1692 von Mülheim- Broich nach Delstern um und gründete mit holländischen und rheinischen Arbeitern eine kleine Papiermühle. Die Privilegien, die Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg im Rahmen seiner Wirtschaftsförderungspolitik gewährte, lockten viele Gewerbetreibende in die Grafschaft Mark. Die sogenannte "Oberste Mühle" nahm 1693 in Delstern ihren Betrieb auf. Wichtige Voraussetzung für die Gründung einer Papiermühle war das Vorhandensein von klarem und guten Wasser in ausreichender Menge. Dabei wird das Wasser nicht nur als Kraftquelle für Wasserräder benötigt, sondern auch als Rohstoff bei der Herstellung des Papierbreies. Nach seinem Tod übernahm der älteste Sohn Johannes Vorster die "Oberste Mühle" in Delstern. 1712 gründeten die jüngeren Söhne Diederich und Adolph Vorster die "Untere Mühle" in Eilpe. Die Vorsterschen Papierfabriken belieferten über lange Zeit die preußische Verwaltung mit hochwertigen Schreibpapieren. Eine Spezialität der Delsterner Mühle waren Stickmusterpapiere sowie Pack-, Tabak-, und Stempelpapiere.

Den großen Erfolgen folgte ab 1760 inmitten des siebenjährigen Krieges der Niedergang. Nach dem Konkurs lag die An-lage in Delstern bis 1768 brach. Hermann und Mathias Friedrich Vorster aus Mülheim-Broich übernahmen die "Oberste Mühle", setzten sie instand und führten sie erneut zur Blüte. In der Folgezeit wurde die Anlage mehrfach ausgebaut und der fortschreitenden technischen Entwicklung angepasst. So entstand 1785/86 volmeabwärts in der Laake eine weitere Papiermühle. Blütezeiten und wirtschaftliche Rückschläge prägten die Firmengeschichte im 19. Jahrhundert. 1878 vernichtete ein Großbrand große Teile der Anlage. Nach dem Wiederaufbau stellte die Firma Vorster & Cie unter der Leitung des Vorster-Schwiegersohnes Theodor Steinwender ausschließlich Maschinenpapiere her. Der stetig steigende Bedarf an Papier machte zahlreiche Um- und Ausbauten notwendig. Die heute noch erhaltenen backsteinernen Fabrikgebäude stellen ein Konglomerat aus An-, Um- und Neubauten verschiedener Epochen dar. Die Papierfabrikation wurde von der Familie Steinwender noch bis in die 1960er Jahre fortgeführt. Danach stellte der Betrieb nur noch spezielle Papierprodukte für die eisenverarbeitende Industrie her. Mitte der 1990er Jahre wurde die Produktion endgültig eingestellt. Heute sind auf dem Gelände der ältesten Papiermühle Hagens verschiedene gewerbliche Nutzungen vorzufinden. Das Wohn- und Geschäftshaus der Papierfabrik Julius Vorster in Hagen-Eilpe befindet sich heute im Westfälischen Freilichtmuseum Hagen und kündet dort von der großen Tradition der Papierherstellung im Raume Hagen. 

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Kontakt & Infos

Papierfabrik und Villa Vorster
Delsterner Straße 120
58091 Hagen-Delstern

ÖPNV

Von Hagen Hbf ZOB (Bussteig 4) mit Bus 510 bis "Kuhweide" 

Tipp

Am südlichen Ortsrand von Delstern befindet sich die weitläufige Anlage der Kettenfabrik Wippermann mit dazugehörigen Villen und Kutscherhaus (Hagen-Oberdelstern, Delsterner Straße 133-137; ÖPNV: Bus 510 bis "Oberdelstern"). Der bis heute weitgehend unveränderte Gebäudebestand aus der Zeit um 1900 zeigt eindrucksvoll die Vielfalt des Historismus in seiner Blütezeit.