Bochumer Verein Werk Höntrop

Ehem. BV-Verwaltungsgebäude. Foto: RIK/R.Budde

1924 nahm der Bochumer Verein an der Essener Straße in Höntrop ein weiteres Siemens-Martin-Stahlwerk und erstmalig ein Röhrenwalzwerk in Betrieb. Die Anlagen entsprachen modernsten technischen Standards der Stahlindustrie und galten insbesondere durch ihre geringen Produktionskosten weltweit als vorbildlich.

In den 1950er Jahren avancierte das Werk Höntrop nach und nach zum bedeutendsten der vier Produktionsstandorte des Bochumer Vereins. Zwei neue Walzwerke ersetzten das nach Kriegsende demontierte Röhrenwalzwerk, sodass sich hier weiterhin die modernsten Walzanlagen des BV befanden. Dazu kam der Wiederaufbau der Rohstahlerzeugungskapazitäten durch ein neues Siemens-Martin-Stahlwerk, mit dem die Produktionskapazität der Vorkriegszeit wieder erreicht werden konnte. Der wichtigste Schritt war jedoch die Errichtung eines Oxygenstahlwerks, mit dem der Bochumer Verein 1957 als zweites Unternehmen in Deutschland die Stahlerzeugung nach dem neuen „Linz-Donawitz-Verfahren“ aufnahm. Bei dieser auch als „Sauerstoffaufblasverfahren“ bezeichneten Technik wird reiner Sauerstoff auf die Oberfläche der flüssigen Schmelze im Konverter geblasen und das Roheisen auf diesem Wege zu Stahl gefrischt. Aufgrund seiner vergleichsweise einfachen und dadurch kostensparenden Technik ersetzte es nach und nach alle älteren Verfahren und ist bis heute das mit Abstand wichtigste Erzeugungsverfahren.

Nach der Übernahme des Bochumer Vereins durch den Krupp-Konzern 1965 konzentrierten sich die Aktivitäten auf das Werk Höntrop, das systematisch erweitert und modernisiert wurde. Es entstanden u.a. ein Warmbreitbandwalzwerk (1966), ein Kaltwalzwerk (1971), zwei Verzinkungsanlagen (1987) und eine Feuerbeschichtungsanlage (1992). 2013 kündigte der finnische Outokumpu-Konzern, der die ThyssenKrupp-Edelstahlsparte Innoxum im Vorjahr übernommen hatte, für spätestens 2016 die Schließung des Elektrostahlwerks in Höntrop an.

An der Essener Straße erinnern heute noch zahlreiche Gebäude an die fast 100jährige Geschichte des Stahlstandorts Höntrop. 1922/23 errichtete der renommierte Architekt Wilhelm Kreis auf der dem Werksgelände gegenüberliegenden Straßenseite das Verwaltungsgebäude des Stahlwerks. Das seit 1990 unter Denkmalschutz stehende festungsartige Bürohaus wirkt noch heute durch seinen romantisierenden Dachabschluss sehr eigenwillig. Weiter westlich schließt sich das heute ebenfalls denkmalgeschützte Torhaus 11 an, das in den 1980er Jahren kurz vor dem Abriss stand. Es diente als zentrales Verbindungsglied zwischen dem Werk auf der nördlichen Straßenseite und der am Helmholtzplatz gelegenen Arbeitersiedlung. Von hier aus gelangten die Arbeiter über einen Treppenabgang zu dem unterirdischen Tunnel, der direkt in die Waschkaue des Stahlwerkes führte.

Mit dem Verwaltungsgebäude und dem Torhaus entstanden auch die ersten Abschnitte der neuen Werkssiedlung, die zunächst 171 Mietwohnungen umfasste und in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre durch eine Mischung von Eigenheimen und Kleinsiedlung ergänzt wurde. Anfang der 1960er Jahre verfügte die Siedlung nach Wiederaufbau und Erweiterungsmaßnahmen über 456 Wohneinheiten.

Im September 1953 eröffnete der BV gegenüber der Höntroper Werkssiedlung außerdem ein neues Ledigenwohnheim, das Platz für 280 Arbeiter bot. Der vom Wuppertaler Architekten Alfred Franzen konzipierte Neubau sollte das im Krieg zerstörte alte Kosthaus des Stammwerks ersetzen. Das Wohnheimkonzept stieß jedoch bei den Arbeitern trotz der offenen, an eine Hotelanlage erinnernden Architektur auf wenig Gegenliebe. Das Haus war von Beginn an kaum zur Hälfte ausgelastet und verlor weiterhin an Attraktivität, sodass es in den 1960er Jahren in ein Bürogebäude umfunktioniert wurde.

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Kontakt & Infos

Bochumer Verein – Werk Höntrop
ThyssenKrupp Steel Europe AG
Essener Straße 244
44793 Bochum
Telefon: +49 (0) 234 / 9190-0
Ehem. Verwaltungsgebäude
Essener Str. 197

Torhaus 11
Essener Str.203

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Von Bochum Hbf mit Straßenbahn 310 bis „Leibnitzstraße“